Airbus Aktie: Spanischer Streik ausgesetzt
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 18:51 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Airbus kommt an mehreren Fronten zugleich unter Druck. Während sich die Belegschaft in Spanien am heutigen Mittwoch von einem Arbeitskampf zurückzieht, wächst der Rückstand beim zentralen Jahresziel weiter. Die Aktie verlor im Tagesverlauf 2,3 Prozent und rutschte auf 194,96 Euro ab.
Streikkomitee zieht Notbremse
Die Gewerkschaften UGT, CGT und ÚTIL haben den unbefristeten Streik an allen spanischen Airbus-Werken zum heutigen Mittwoch ausgesetzt – obwohl sich die Belegschaft in einer Abstimmung mit 51,23 Prozent knapp für eine Fortsetzung ausgesprochen hatte.
Die Streikleitung begründete den Rückzug mit dem hauchdünnen Ergebnis: In vier von sechs Werken hatte die Mehrheit für eine Aussetzung gestimmt. Der formelle Streikaufruf bleibt zwar bestehen, Belegschaft und Streikposten kehren aber an die Arbeit zurück.
Der Schritt folgt auf eine vorläufige Einigung vom 4. September, die Airbus nach monatelangen Verhandlungen und unter Vermittlung des spanischen Industrieministeriums mit den Gewerkschaften UGT, ATP, CCOO und SIPA erzielt hatte.
Das Angebot sieht einen Ausgleich der tatsächlichen Inflation plus einen Kaufkraftgewinn von 7,95 Prozent bis 2029 vor, ergänzt um jeweils 0,5 Prozentpunkte für individuelle Gehaltsüberprüfungen und Beförderungen.
Zudem bleibt die bestehende Homeoffice-Regelung mit bis zu 40 Prozent Remote-Arbeit erhalten. Für Anleger ist damit ein Risikofaktor entschärft, der die Produktion in Spanien hätte lähmen können.
Lieferrückstand wiegt schwerer als der Arbeitsfrieden
Die eigentliche Belastung für den Kurs liegt jedoch anderswo. Im August lieferte Airbus lediglich 57 Flugzeuge aus, womit sich der Stand seit Jahresbeginn auf 475 Maschinen summiert.
Um das Jahresziel von 870 Auslieferungen noch zu erreichen, müsste der Konzern von September bis Dezember im Schnitt 98,75 Flugzeuge pro Monat ausliefern – ein Tempo, das deutlich über allem liegt, was 2026 bislang erreicht wurde. Diese Rechnung, Anfang September breit berichtet, dürfte den heutigen Kursrückgang mit ausgelöst haben.
Auf Produktebene zeigt sich ein gemischtes Bild. Die A320-Familie legte bei den Auslieferungen um 11 Prozent zu, während die Übergaben des A330 nach dem im Juni und Juli entdeckten verlorenen Werkzeug im Heckbereich erst im August mit einer einzelnen Maschine wieder anliefen. Insgesamt liegen die A330-Auslieferungen seit Jahresbeginn 31 Prozent unter dem Vorjahreswert.
Auf der Auftragsseite bleibt das Geschäft robust: Im August kamen 67 Bruttoaufträge hinzu, darunter 40 A321neo für Shenzhen Airlines und 15 A350-900 für Air China.
Auch operativ setzt Airbus die Expansion fort – die ägyptische AIRCAIRO bestellte am Montag 15 A320neo, ein Schritt, mit dem die Airline erstmals auf direktes Flugzeugeigentum neben ihrer Leasingflotte setzt.
Charttechnik spiegelt die Skepsis
Der Kurs notiert mittlerweile 12 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 221,25 Euro, das im Januar erreicht wurde, und liegt mit einem RSI von 38,8 nahe der überverkauften Zone.
Zum 50-Tage-Durchschnitt von 201,56 Euro beträgt der Abstand 3,3 Prozent nach unten – ein Hinweis darauf, dass der jüngste Rücksetzer über eine kurzfristige Delle hinausgeht und Anleger die Zielerreichung bei den Auslieferungen zunehmend kritisch beäugen.
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