Alphabet, Aktie

Alphabet Aktie: 80 Milliarden Dollar für KI-Infrastruktur

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 18:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Alphabet sammelt 80 Mrd. Dollar für KI-Infrastruktur ein. Trotz massiver Investitionen bleibt die Aktie mit einem KGV von 17 günstig bewertet.

Alphabet: 80 Mrd. Dollar für KI-Ausbau trotz günstiger Bewertung
Modernes Rechenzentrum mit leuchtenden Glasfaserkabeln als Symbol für groß angelegte KI-Infrastrukturinvestitionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Es gibt Zahlen, die so groß sind, dass sie das Gehirn kurz überfordern. 80 Milliarden Dollar frisches Kapital, aufgeteilt in ein öffentliches Angebot, ein ATM-Programm und einen Zehn-Milliarden-Scheck von Berkshire Hathaway – das ist die Summe, die Alphabet in dieser Woche für den Ausbau seiner KI-Infrastruktur mobilisiert. Und das Erstaunliche daran ist nicht die Zahl selbst, sondern wie beiläufig der Markt sie inzwischen quittiert.

Wer noch vor zwei Jahren geglaubt hätte, ein Technologiekonzern könne binnen weniger Monate seine Investitionsbudgets auf 180 bis 190 Milliarden Dollar für das laufende Jahr hochschrauben und für 2027 noch draufsatteln, hätte vermutlich an Übertreibung gedacht. Heute ist es Teil eines Musters, das die gesamte Branche erfasst hat: Der Wettlauf um Rechenleistung kennt offenbar keine Obergrenze mehr.

Ein Konzern, der plötzlich billig wirkt

Das Kuriose an der aktuellen Lage: Ausgerechnet mitten in diesem Investitionsrausch gilt Alphabet unter den großen Technologiewerten fast als Schnäppchen. Mit einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von rund 17 auf Basis der laufenden Gewinne notiert der Konzern deutlich günstiger als der breite Markt, der auf über 24 kommt.

Für 2027 taxieren Analysten das Forward-KGV auf etwa 23. Ein Teil dieser Diskrepanz erklärt sich mit einem Sondereffekt: Im zweiten Quartal wies Alphabet ein "sonstiges Einkommen" von rund 98 Milliarden Dollar aus, das aus Bewertungsgewinnen bei Beteiligungen an Anthropic und SpaceX stammt – ein Buchgewinn, der die Ertragskraft optisch aufbläht, aber eben auch zeigt, wie eng das Unternehmen mittlerweile mit dem KI-Ökosystem verwoben ist.

Operativ läuft das Geschäft ebenfalls rund: Der Umsatz im zweiten Quartal kletterte um 24,2 Prozent auf 119,8 Milliarden Dollar, der Gewinn je Aktie von 9,11 Dollar übertraf die Konsensschätzung von 2,87 Dollar bei weitem. Google Cloud wuchs im ersten Quartal sogar um 63 Prozent, der Auftragsbestand lag bei über 460 Milliarden Dollar.

Im Vergleich zur Konkurrenz ist das bemerkenswert: Während Amazon Web Services zuletzt mit 37 Prozent wuchs und Microsoft Azure mit 43 Prozent, legte Google Cloud um 82 Prozent zu – ein Tempo, das selbst gestandene Cloud-Anbieter alt aussehen lässt.

Warren Buffetts stille Botschaft

Wer nach einem Vertrauensbeweis sucht, muss nicht lange suchen. Berkshire Hathaway hat seinen Alphabet-Anteil im ersten Quartal um 204 Prozent auf 15,6 Milliarden Dollar in A-Aktien aufgestockt, dazu kommt eine weitere Milliarde in C-Aktien.

Gleichzeitig trennte sich die Investmentgesellschaft von Amazon, Visa und Mastercard. Das ist keine Randnotiz, sondern eine klare Präferenzentscheidung innerhalb der Technologiewelt – und sie passt zur jetzt bekannt gewordenen Beteiligung an der 80-Milliarden-Finanzierung.

Nicht alle Insider teilen diesen Optimismus in gleichem Maße. In den vergangenen sechs Monaten haben Alphabet-Insider 76-mal Aktien verkauft, kein einziges Mal gekauft.

Firmenchef Sundar Pichai selbst veräußerte Aktien im Wert von knapp 19,9 Millionen Dollar. Das muss kein Warnsignal sein – Führungskräfte diversifizieren aus vielen Gründen –, doch es zeigt: Die Euphorie ist nicht ungeteilt. Der Analystenkonsens bleibt derweil klar positiv, mit Kurszielen um 415 bis 425 Dollar und einer breiten Mehrheit von Kaufempfehlungen.

Die eigentliche Frage

Der Kurs selbst hat die Rekordjagd der vergangenen Monate zuletzt etwas eingebremst: Mit 295,60 Euro liegt die Aktie rund 16 Prozent unter ihrem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro, das sie erst im Mai erreichte. Auf Wochen- und Monatssicht zeigt der Trend leicht nach unten, während die Jahresbilanz mit einem Plus von 11 Prozent weiterhin ordentlich ausfällt.

Die entscheidende Frage für Anleger ist deshalb weniger, ob Alphabet in der KI-Ära mithalten kann – das belegen Cloud-Wachstum und Milliarden-Investitionen eindrucksvoll –, sondern ob der Markt bereit ist, für dieses Wachstum auch künftig eine Bewertung zu zahlen, die unter dem Marktdurchschnitt liegt.

Solange das so bleibt, bewegt sich Alphabet in einem eigentümlichen Zwischenreich: als einer der aggressivsten KI-Investoren der Welt, der an der Börse trotzdem wie ein Value-Titel gehandelt wird.

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