Alphabet Aktie: 82 Prozent Cloud-Wachstum überschattet Kartellrisiko
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 17:14 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Heute vor genau zwei Jahren erklärte ein US-Gericht Googles Suchgeschäft zum Monopol. Man hätte erwarten können, dass dieser Jahrestag die Alphabet-Aktie belastet. Stattdessen steht das Papier bei 331,95 Euro, ein Plus von 1,24 Prozent am Tag und 13,16 Prozent in nur einer Woche. Mein Eindruck: Der Markt hat sich entschieden, die Kartellrisiken auszublenden und stattdessen auf das AI-Wachstum zu wetten.
Das ist eine bemerkenswerte Wette, wenn man bedenkt, wie viel juristischer Ärger tatsächlich noch aussteht.
Zwei Gegensätzliche Nachrichten, eine Reaktion
Am 29. Juli 2026 legte das US-Justizministerium Berufung ein. Ziel sind schärfere Auflagen gegen Google, im Extremfall sogar ein Verbot der milliardenschweren Zahlungsverträge mit Partnern wie Apple. Nur wenige Tage später, am 4. August, reichte der Werbevermarkter Teads eine neue Klage ein. Kartellrechtlich bleibt für Alphabet also nichts entschärft, im Gegenteil.
Und trotzdem hat die Aktie in den vergangenen zwölf Monaten um 97,35 Prozent zugelegt, hat sich also nahezu verdoppelt. Der Auslöser für den jüngsten Sprung war nicht die Rechtslage, sondern die Quartalszahlen. Ende Juli meldete Alphabet für das zweite Quartal 2026 ein Cloud-Wachstum von 82 Prozent zum Vorjahr, der Umsatz in diesem Segment kletterte auf knapp 25 Milliarden Euro. Das ist die Zahl, die den Kurs bewegt hat, nicht das Urteil von vor zwei Jahren.
Warum "Search is dying" nicht mehr zieht
Ein Investment-Argument gegen Google lautete lange: KI-Chatbots ersetzen die klassische Suche, das Geschäftsmodell erodiert. Die aktuellen Nutzerzahlen widersprechen dem. Alphabets KI-gestützter "Search Mode" hat mittlerweile über eine Milliarde monatliche Nutzer erreicht. Rechnet man alle Gemini-Funktionen im Ökosystem zusammen, kommt der Konzern auf rund zwei Milliarden erreichte Nutzer.
Diese Reichweite ist mein zentrales Argument dafür, warum behördliche Auflagen wie das Teilen von Suchdaten mit Wettbewerbern kaum noch etwas ausrichten dürften. Die Skalierung ist längst da, ein regulatorischer Eingriff kommt spät.
Kritiker verweisen zu Recht auf die Kostenseite. Die jährlichen Investitionen in die KI-Infrastruktur könnten 200 Milliarden Euro übersteigen. Das ist eine gewaltige Summe, und einige Investoren sind deshalb vorsichtig geworden. Nur zeigt das Cloud-Wachstum von 82 Prozent, dass diese Ausgaben bereits Rendite abwerfen — für mich überwiegt dieses Argument die Sorge um die Kapitalkosten.
Wie viel Luft bleibt nach oben?
Charttechnisch bewegt sich Alphabet 5,36 Prozent unter dem 52-Wochen-Hoch von 350,75 Euro und liegt 6,65 Prozent über dem 50-Tage-Durchschnitt. Der RSI von 63,8 signalisiert eine Aktie mit klarer Aufwärtsdynamik, aber noch nicht im überkauften Bereich. Das lässt aus meiner Sicht noch Spielraum, bevor eine technische Korrektur fällig würde.
Analysten sehen im Schnitt ein Kursziel von 370,40 Euro, das wären noch einmal 11,6 Prozent Potenzial von hier aus. Die Lücke zwischen aktuellem Kurs und Kursziel lässt sich auch so lesen: Ein Teil des "Regulierungs-Abschlags" steckt noch im Preis, schmilzt aber sichtbar ab.
Mit einem Plus von 24,63 Prozent seit Jahresanfang hat der Markt sein Urteil im Grunde schon gefällt. Selbst ein Alphabet mit regulatorischen Fesseln bleibt für die meisten Investoren ein stärkerer Wettbewerber im KI-Rennen als fast jeder andere Name im Sektor. Solange das Cloud-Geschäft mit diesem Tempo weiterwächst, spricht für mich mehr für eine Fortsetzung dieser Entwicklung als für einen Rückschlag durch neue Gerichtsverfahren.
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