Alphabet Aktie: Waymo erreicht 500.000 Fahrten
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 09:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Roboterauto, das ĂŒber Restaurants plaudert, wĂ€hrend im Hintergrund die nĂ€chste Kartellklage eintrudelt. Genau das ist gerade Alphabets RealitĂ€t. Der Konzern zeigt mit Waymo, wie tief Gemini inzwischen in den Alltag vordringt â und muss zeitgleich beweisen, dass die milliardenschwere Werbemaschine nicht an ihren eigenen Rechtsstreitigkeiten erstickt.
Vom Fahrer zum Sitznachbarn
Waymo baut Googles KI-Assistenten Gemini erstmals in seine Robotaxis ein. Zusammen mit der gröĂten Ăberarbeitung der Fahrgast-OberflĂ€che seit Jahren startet das Feature im Ojai, dem eigens entwickelten Waymo-Fahrzeug. Der Konzern bereitet damit den Weg fĂŒr mehr öffentliche FahrgĂ€ste vor.
FahrgĂ€ste können kĂŒnftig die Kabinentemperatur regeln, Informationen zur Fahrt abrufen und nach Restaurants oder SehenswĂŒrdigkeiten in der NĂ€he fragen. Alphabet zieht dabei eine klare Grenze: Gemini lĂ€uft komplett getrennt vom eigentlichen Waymo-Fahrsystem. Der Assistent hat keinen Zugriff auf Echtzeit-Fahrdaten und steuert nichts, was mit der Bewegung des Fahrzeugs zu tun hat.
Diese Trennung ist mehr als eine technische FuĂnote. Sie zeigt, dass Alphabet bereit ist, ein generatives Modell live mit Passagieren interagieren zu lassen â aber strikt abgeschottet von allem, was sicherheitsrelevant ist. FĂŒr Investoren, die das Haftungsrisiko von KI-Systemen im Blick behalten, ist das ein Governance-Signal, das man sich merken sollte.
Die Wirtschaftlichkeit hinkt der Ambition hinterher
So beeindruckend die Technik wirkt: Die Zahlen dahinter ernĂŒchtern. Waymo knackte im ersten Quartal die Marke von 500.000 vollautonomen Fahrten pro Woche â eine Verdopplung in weniger als einem Jahr. Trotzdem erwirtschaftete Alphabets Sparte "Other Bets", zu der Waymo gehört, im zweiten Quartal nur 382 Millionen Dollar Umsatz. Der operative Verlust der Sparte lag bei 1,8 Milliarden Dollar.
Gemini im Auto ist damit kein kurzfristiger Gewinnhebel, sondern eine Wette auf Differenzierung. Der Assistent könnte die Kundenbindung stÀrken und spÀter ZusatzverkÀufe oder Premium-Funktionen ermöglichen. Bewiesen ist davon bislang nichts.
Der Rechtsstreit um die Werbesparte wÀchst weiter
WÀhrend die Robotaxi-Geschichte Alphabets KI-Kompetenz aufpoliert, bleibt das WerbegeschÀft unter Druck. Am 3. August 2026 reichte Teads Holding Co. Klage gegen Google LLC und Alphabet Inc. ein und fordert Schadenersatz. Grundlage ist das Urteil des East-District-of-Virginia-Gerichts, wonach Google in bestimmten Ad-Tech-MÀrkten wettbewerbswidrig gehandelt hat.
Damit reiht sich ein weiterer privater KlĂ€ger in eine wachsende Liste ein, die sich an die staatliche Ad-Tech-Klage anhĂ€ngt. Der juristische Ballast aus Alphabets Kartellniederlagen ist keineswegs verschwunden â auch wenn die Aktie in den vergangenen Monaten krĂ€ftig zugelegt hat.
Was der Kurs ĂŒber die Stimmung verrĂ€t
Die Aktie schloss am Dienstag bei 327,90 Euro, ein Plus von 11,78 Prozent allein in der vergangenen Woche. Seit Jahresbeginn steht ein Zuwachs von 23,11 Prozent zu Buche, auf Zwölfmonatssicht sind es sogar 94,95 Prozent. Vom 52-Wochen-Hoch bei 350,75 Euro, erreicht am 18. Mai 2026, trennen die Aktie aktuell noch 6,51 Prozent.
Ein RSI von 62,1 deutet auf Momentum ohne akute Ăberhitzung hin. Die annualisierte VolatilitĂ€t von gut 42 Prozent zeigt aber: Der Titel schwankt weiterhin heftig in beide Richtungen.
Zwei Geschichten, eine Aktie
Alphabets Doppelgesicht in diesem Jahr lĂ€sst sich kaum treffender beschreiben als mit diesem Bild: ein KI-Assistent, der im fahrerlosen Auto Konversation macht, und gleichzeitig ein wachsender Stapel an Kartellklagen im Hintergrund. Der Markt preist offenbar das Versprechen ein, dass Gemini sich in jeden Winkel des Produktportfolios frisst â von der Suche bis auf den RĂŒcksitz des Robotaxis. Die steigenden Rechtskosten aus einem Jahrzehnt Ad-Tech-Dominanz werden dabei weitgehend ausgeblendet.
Ob dieses Gleichgewicht hĂ€lt, entscheidet sich am Ende weniger vor Gericht als in der Bilanz von Waymo. Die eigentliche Frage lautet, ob aus der Begeisterung der FahrgĂ€ste jemals eine echte Gewinnlinie wird â bei einem operativen Verlust von 1,8 Milliarden Dollar allein im zweiten Quartal bleibt das vorerst offen.
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