Amazon: Bezos will 15 Millionen Aktien verkaufen
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 18:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Drei Billionen Dollar Marktkapitalisierung sind eine Marke, die kaum ein Konzern je erreicht. Amazon steht kurz davor. Doch ausgerechnet jetzt, wo die Aktie bei 241,20 Euro notiert und heute 2,27 Prozent verliert, müssen Anleger eine Frage klären: Wiegt das beste Cloud-Quartal seit Jahren schwerer als der massive Aktienverkauf des eigenen Gründers?
AWS liefert das stärkste Wachstum seit Jahren
Die fundamentale Story bei Amazon war selten so überzeugend. Im zweiten Quartal 2026 wuchs der Umsatz von Amazon Web Services um 37 Prozent auf 42,2 Milliarden Dollar. Das ist das schnellste Wachstum der Cloud-Sparte seit Langem.
Noch wichtiger: AWS liefert inzwischen 60,5 Prozent des gesamten operativen Gewinns. Der Konzern hängt am Cloud-Geschäft wie nie zuvor. Das KI-Geschäft ist dabei längst kein Versprechen mehr, sondern zählbare Realität. Die annualisierten Erlöse aus KI-Diensten liegen bei rund 25 Milliarden Dollar, der Auftragsbestand bei AWS türmt sich auf 496 Milliarden Dollar. Das spricht gegen eine Blase. Es sieht eher nach einer echten Verschiebung der IT-Budgets aus, weg von klassischer Infrastruktur, hin zu KI-Kapazität.
Die 220-Milliarden-Dollar-Wette
Dieses Wachstum hat einen hohen Preis. Amazon hebt seine Investitionsplanung für 2026 auf 220 Milliarden Dollar an – deutlich mehr als die zuvor angepeilten 200 Milliarden. Das Geld fließt in Rechenzentren und eigene Chips wie Trainium und Graviton.
Die Folge: Der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate ist mit minus 7,6 Milliarden Dollar negativ. CEO Andy Jassy hat einen Großteil der Wall Street davon überzeugt, dass diese Ausgaben nötig sind, um im KI-Rennen vorne zu bleiben. Trotzdem bleibt der schiere Umfang des Cash-Verbrauchs ein berechtigter Kritikpunkt. Der Markt belohnt Amazon aktuell für Wachstum – sollte sich die Rendite auf diese gewaltigen Investitionen verzögern, könnte der negative Cashflow schnell zur Last für die Bewertung werden.
Bezos zieht sich taktisch zurück
Der eigentliche Stimmungsdämpfer kommt aber nicht aus der Bilanz. Jeff Bezos hat eine Meldung eingereicht, wonach er 15 Millionen Aktien verkaufen will – im Gegenwert von rund 4,07 Milliarden Dollar. Diese Meldung kommt unmittelbar nach einer Rekordrally: Die Aktie war in nur sieben Handelstagen um 18,96 Prozent gestiegen.
15 Millionen Aktien entsprechen nur etwa 0,14 Prozent der ausstehenden Anteile. Das Timing ist trotzdem bemerkenswert. Bezos verkauft nahe dem 52-Wochen-Hoch von 249,00 Euro, erreicht erst am 3. August. Für mich liest sich das wie ein klares Signal: Der Gründer selbst hält die aktuelle Bewertung für einen fairen Ausstiegspunkt. Für Privatanleger ist das eine Erinnerung daran, dass auch die optimistischsten Wachstumsgeschichten Phasen lokaler Erschöpfung durchlaufen.
Charttechnisch wird die Luft dünn
Charttechnisch bleibt der Aufwärtstrend intakt, mit einem Kursplus von 22,46 Prozent seit Jahresbeginn. Allerdings notiert die Aktie 12,42 Prozent über ihrem 50-Tage-Durchschnitt, der RSI liegt bei 66,8 – die Aktie nähert sich überkaufter Zone. Der heutige Rücksetzer von 2,27 Prozent zeigt: Der Markt beginnt, das jüngste Plus von 13 Prozent innerhalb von 30 Tagen zu verdauen.
Das durchschnittliche Kursziel der Analysten liegt bei 279,49 Euro und würde theoretisch noch 15,9 Prozent Potenzial bedeuten. Angesichts des negativen freien Cashflows und der massiven Insider-Verkäufe spricht für mich aber mehr für eine Konsolidierungsphase als für eine direkte Fortsetzung der Rally. Die langfristige Story bleibt intakt, getragen vom Cloud-Boom bei AWS. Das schnelle Geld aus der Rally nach den Quartalszahlen dürfte allerdings bereits verdient sein. Entscheidend wird, ob die Aktie ihre Unterstützung nahe dem 50-Tage-Durchschnitt von 214,55 Euro hält, sollte sich die aktuelle Abkühlung fortsetzen.
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