Ampol Aktie: Vierfacher Gewinn dank Ölkrise
Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 03:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ampol hat sich in den ersten sechs Monaten 2026 von einem Verlustbringer zu einer Gewinnmaschine gewandelt. Der australische Kraftstoff- und Convenience-Konzern verzeichnete einen Nettogewinn von 1,36 Milliarden australischen Dollar, nach einem Verlust von 25,3 Millionen australischen Dollar im Vorjahreszeitraum.
Der zugrunde liegende Gewinn auf Wiederbeschaffungskostenbasis stieg um 376 Prozent auf 857,2 Millionen australische Dollar — mehr als der Konsens von 840 Millionen australischen Dollar erwartet hatte.
Der Auslöser liegt außerhalb des eigenen Geschäfts: Der Konflikt im Nahen Osten und Angriffe auf russische Raffinerie-Infrastruktur haben globale Lieferketten für Öl massiv durcheinandergewirbelt. Ampol-Management bezeichnete es als die größte Störung des Ölmarkts der Geschichte. Die Folge waren außergewöhnliche Margen, von denen das Unternehmen über seine gesamte integrierte Plattform profitierte.
Die Lytton-Raffinerie als Gewinntreiber
Besonders die Raffinerie in Lytton, Queensland, lieferte historische Zahlen. Die Marge kletterte im März 2026 zeitweise auf 56,14 US-Dollar je Barrel — deutlich über dem Fünfjahresdurchschnitt von etwa 12 bis 15 US-Dollar. Für das gesamte erste Halbjahr lag die durchschnittliche Marge bei 28,26 US-Dollar je Barrel, ein Plus von 280 Prozent gegenüber dem Vorjahr.
Das operative Segment Fuels & Infrastructure steigerte sein Ergebnis um 859 Prozent auf 1,13 Milliarden australische Dollar. Auch die internationale Handels- und Schifffahrtssparte erzielte mit 308 Millionen australischen Dollar ihr bislang bestes Ergebnis. Die Convenience-Retail-Sparte wuchs solider und planmäßig um 12 Prozent auf 204,5 Millionen australische Dollar.
Aktionäre profitieren, doch Warnung vor Normalisierung
Der Vorstand beschloss eine Interimsdividende von 185 Cent je Aktie, voll body franked — mehr als das Vierfache der Vorjahreszahlung und in Summe rund 441 Millionen australische Dollar. Trotz der milliardenschweren Übernahme von EG Australia, die am 30. Juni 2026 abgeschlossen wurde, blieb die Verschuldung mit dem 1,8-Fachen des EBITDA unterhalb der Zielspanne von 2,0 bis 2,5.
Das Management dämpfte allerdings die Euphorie deutlich. Wiederholt betonte es, dass die außergewöhnlichen Ergebnisse temporäre Marktbedingungen widerspiegeln und keine neue, nachhaltige Gewinnbasis darstellen.
Die Lytton-Marge lag im Juli zwar noch bei 27,11 US-Dollar je Barrel, allerdings läuft seit dem 30. Juli eine Wartung der FCCU-Anlage, während der die Raffinerie nur mit rund 70 Prozent ihrer Normalkapazität arbeitet. Der Wiederanlauf wird für Oktober erwartet.
Die Bewertung der Aktie wirft dabei eine Frage auf: Bei einem Kurs-Gewinn-Verhältnis von 99 auf Basis der historischen Erträge scheint der Markt bereits einen Teil der außergewöhnlichen Gewinne als dauerhaft einzupreisen — obwohl das Management selbst vor Normalisierung warnt.
Dieselbestände liegen weiterhin unter dem Fünfjahresdurchschnitt, und die Terminkurve für Diesel-Brent-Cracks deutet auf eine längere Erholungsphase hin als ursprünglich angenommen. Für das Gesamtjahr 2026 plant Ampol Nettoinvestitionen von rund 600 Millionen australischen Dollar, die ab 2027 nach Abschluss der laufenden Projekte sinken sollen.
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