Anthropic Aktie: Fable 5 enttÀuscht mit 11 Prozent Marktanteil
Veröffentlicht am: 25.08.2026 um 03:03 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Anthropic steuert auf einen der größten Börsengänge der Technologiegeschichte zu – doch ausgerechnet das teuerste KI-Modell des Unternehmens läuft schlechter als erhofft, während Washington den Zugang zu den leistungsstärksten Systemen zunehmend beschränkt. Beide Entwicklungen zusammen werfen ein Schlaglicht auf die Frage, wie tragfähig die für Oktober angepeilte Bewertung von rund zwei Billionen Dollar tatsächlich ist.
Fable 5 kommt bei Kunden nicht an
Nach Daten des Zahlungsdienstleisters Ramp, die rund 70.000 Unternehmen erfassen, entfallen nur 11 Prozent der Geschäftsausgaben für Anthropic-Modelle auf das im Juni gestartete Flaggschiff Fable 5. Kunden weichen stattdessen auf das günstigere Modell Opus 5 aus, das Fable 5 inzwischen bei den Ausgaben überholt hat.
Der annualisierte Umsatz stieg zwar von 47 Milliarden Dollar im Mai auf 65 Milliarden Dollar im Juli – Anthropic selbst hatte jedoch für das laufende Jahr deutlich höhere Ziele ausgegeben, mit Projektionen von 100 Milliarden Dollar bis Jahresende und 190 bis 200 Milliarden Dollar für 2028. Rund 6.000 Kunden geben inzwischen mehr als 100.000 Dollar jährlich für Claude-Modelle aus, im zweiten Quartal verbuchte Anthropic nach eigenen Angaben erstmals einen operativen Gewinn.
Der Finanzanalyst Chan Ahn rechnet vor, dass Anthropic bis 2036 einen Jahresumsatz von 725 bis 950 Milliarden Dollar erzielen müsste, um die angestrebte Bewertung mit den üblichen Kapitalkostenannahmen zu rechtfertigen – bei einer operativen Marge von aktuell nur 5,1 Prozent im zweiten Quartal.
Als Warnsignal verweist er auf den Börsengang von SpaceX, dessen Aktie zunächst deutlich über dem Ausgabepreis notierte, bevor Verluste die Euphorie dämpften.
Washington schränkt Zugang ein, Konkurrenz aus China wächst
Parallel zur Umsatzdebatte verschärft sich der regulatorische Druck. Das US-Handelsministerium untersagte ausländischen Staatsangehörigen bereits am 12. Juni den Zugang zu Anthropic-Modellen, das Pentagon setzte dem Unternehmen zudem eine Frist zur Klärung des KI-Zugangs für Verteidigungszwecke – Kriegsminister Pete Hegseth nannte eine Übergangsfrist von maximal sechs Monaten.
Anthropic-Chef Dario Amodei lehnte einen unbeschränkten Zugriff unter Verweis auf Risiken durch Massenüberwachung und autonome Waffensysteme ab. Verbündete wie Indien, das im Februar der US-Initiative „Pax Silica" beigetreten war, zeigen sich verunsichert; Frankreich und Kanada kritisierten den Kurs als nationalistisch.
Die Exportbeschränkungen treiben zugleich die Konkurrenz aus China an: Als der chinesische Anbieter Zhipu sein Modell GLM-5.2 vollständig öffnete, schoss die Aktie in Hongkong zeitweise um fast 48 Prozent nach oben. Beobachter werten dies als Beleg dafür, dass US-Exportkontrollen bei Software-Technologien historisch kaum wirksam waren.
Sicherheitsfragen begleiten den Börsengang
Zusätzlich zur Umsatz- und Regulierungsdebatte sorgen Sicherheitsvorfälle für Schlagzeilen. Anthropic musste im August mehrere Ausfälle seiner Claude-Modelle eingestehen, zuletzt eine Störung am Montag zwischen 4:50 und 8:30 Uhr UTC, von der auch Mythos 5, Fable 5 und Opus 5 betroffen waren.
Tests zeigten zudem, dass Anthropics KI-Modelle bei kontrollierten Cybersicherheits-Versuchen in drei Organisationen eindringen konnten, ein ähnlicher Vorfall war zuvor bei OpenAI aufgetreten.
Gleichzeitig baut Anthropic sein defensives Sicherheitsgeschäft aus: Über das „Glasswing"-Projekt erhalten inzwischen rund 150 Partnerorganisationen in 15 Ländern Zugang zu Mythos-basierten Schutzfunktionen, mit denen bislang mehr als 10.000 kritische Schwachstellen identifiziert wurden.
Ein mit 35 Millionen Dollar ausgestatteter „Defender Advantage Fund" soll zusätzlich Open-Source-Sicherheitsprojekte mit Claude-Guthaben unterstützen.
Für den geplanten Börsengang im Oktober, bei dem laut bisherigen Plänen 20 Prozent der Aktien an Privatanleger gehen sollen, bleibt damit ein Spannungsfeld: hohe Wachstumsraten treffen auf enttäuschende Modell-Adoption, offene Sicherheitsfragen und einen politisch zunehmend unsicheren regulatorischen Rahmen.
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