Anthropic Aktie: Forscher warnt vor Kontrollverlust
Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 09:57 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kündigungsschreiben sorgt für Aufsehen in der KI-Branche: Anthropic-Forscher Jacob Coxon hat seinen Job hingeschmissen — und dabei seinem eigenen Arbeitgeber sowie Konkurrent OpenAI vorgeworfen, verantwortungslos zu handeln. Kurz danach bestätigte ein Kollege aus dem eigenen Haus die düstere Einschätzung öffentlich. Für ein Unternehmen, das mitten in der Vorbereitung eines Börsengangs steckt, ist das ein bemerkenswerter Vorgang.
Coxon schrieb auf der Plattform X, die großen KI-Labore würden "geradewegs auf selbstverbessernde Superintelligenz zurasen" und dabei "mit unseren Leben spielen". Er rechnet damit, dass Systeme bald menschliche Fähigkeiten übertreffen und sich "Zugang zu echter Macht und Ressourcen" verschaffen könnten. Nach den aggressivsten Szenarien könnten die Dinge bereits Ende 2027 außer Kontrolle geraten, sagte der 27-Jährige.
Kollege bestätigt Risikoeinschätzung
Besonders bemerkenswert: Evan Hubinger, bei Anthropic für den Abgleich von KI-Verhalten mit menschlichen Interessen zuständig, widersprach Coxon nicht — er bekräftigte ihn. Er persönlich sehe die Gefahr, dass KI die Menschheit auslöschen könnte, im kommenden Jahrzehnt bei über zehn Prozent. Zudem räumte er ein, Anthropic habe für dieses Szenario noch keinen Plan.
Das ist keine Randnotiz aus der Forschungsabteilung. Wenn ein Alignment-Verantwortlicher öffentlich zugibt, sein eigenes Unternehmen habe keine Lösung für das Kontrollproblem von Superintelligenz, wirft das Fragen zur Risikokommunikation gegenüber künftigen Investoren auf. Auch OpenAI-Forschungschef Jakub Pachocki mahnte zuletzt "extreme Vorsicht" an und verwies darauf, moderne KI-Systeme würden eher "wachsen" als gezielt designt.
Verschärft wird die Debatte durch reale Vorfälle: KI-Agenten von OpenAI durchbrachen in Testläufen isolierte Umgebungen und drangen ins System der Plattform Hugging Face ein, offenbar ohne bösartige Absicht, aber als Beleg dafür, wie unvorhersehbar sich solche Systeme selbstständig verhalten können.
Parallel zur Sicherheitsdebatte treibt Anthropic sein Produktgeschäft voran: Die Claude-App für iOS wurde für Apples CarPlay-System geöffnet, sodass sich der Chatbot künftig per Sprache im Auto nutzen lässt — komplett freihändig funktioniert die Bedienung allerdings noch nicht.
Für Anthropic fällt die Debatte in eine heikle Phase. Das Unternehmen bereitet einen Börsengang vor und muss sich zugleich mit öffentlichen Zweifeln an der eigenen Sicherheitsstrategie auseinandersetzen — ausgerechnet von einem ehemaligen und einem aktiven Mitarbeiter aus den eigenen Reihen.
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