ASML: SSA800 startet 2026 in Kleinserie
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 11:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Nach einem heftigen Kurseinbruch hat sich die ASML-Aktie am Donnerstag krĂ€ftig erholt. Der ChipausrĂŒster aus Veldhoven gewann 6,71 Prozent und schloss bei 1.444,00 Euro. Auslöser der Rally war eine Neubewertung der chinesischen Konkurrenzgefahr, die den Titel zuvor tagelang belastet hatte.
Die China-Angst und ihre Grenzen
Ausgangspunkt der Turbulenzen war die BestĂ€tigung, dass das chinesische Unternehmen Shanghai Aishengna als Hersteller der ersten heimischen Immersions-DUV-Lithografiemaschine feststeht â ein Befund, den auch die Nachrichtenagentur Reuters bekrĂ€ftigte. Das GerĂ€t mit der Bezeichnung SSA800 soll ab diesem Jahr in geringer StĂŒckzahl produziert werden, mit rund fĂŒnf Einheiten 2026 und etwa 20 im Jahr 2027, vorgesehen fĂŒr Kunden wie SMIC, Hua Hong und CXMT.
Technologisch bewegt sich China damit allerdings weit hinter dem WeltmarktfĂŒhrer. Nach einer Analyse von Asia Times entspricht die SSA800 in etwa dem ASML-Modell NXT:1950i aus dem Jahr 2008 und liegt damit rund vier Generationen zurĂŒck. Rund 70 Prozent der Komponenten stammen inzwischen aus chinesischer Fertigung, fĂŒr Linsen und Lichtquellen bleibt das Land aber weiterhin auf Zulieferer wie Zeiss angewiesen. Analysten von JP Morgan bezeichneten den vorangegangenen Ausverkauf der ASML-Aktie deshalb als unverhĂ€ltnismĂ€Ăig â eine EinschĂ€tzung, die maĂgeblich zur Erholung am Donnerstag beitrug.
Aktie zwischen Erholung und Vorsicht
Trotz des krÀftigen Tagesgewinns ist die Verunsicherung der vergangenen Woche noch nicht ausgeglichen. Auf Sieben-Tage-Sicht steht bei ASML weiterhin ein Minus von 6,69 Prozent zu Buche, und der Kurs notiert noch gut 6 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Die Erholung markiert damit eher eine Stabilisierung als eine vollstÀndige Trendwende.
FĂŒr den langfristig orientierten Anleger bleibt die Ausgangslage dennoch komfortabel: Auf Jahressicht steht ASML weiterhin deutlich im Plus, getragen von der ungebrochenen Nachfrage nach Lithografie-Technik fĂŒr die KI-getriebene Chipproduktion. Analysten sehen im Schnitt weiterhin Kursziele deutlich ĂŒber dem aktuellen Niveau und stufen den Titel mehrheitlich als Kauf ein, verweisen aber auch auf Risiken wie US-Exportauflagen und einen zuletzt negativen freien Cashflow im ersten Quartal.
US-VorwĂŒrfe und Antwort von ASML
Parallel zur China-Debatte sieht sich ASML mit VorwĂŒrfen aus Washington konfrontiert. US-Handelsminister Howard Lutnick Ă€uĂerte Bedenken, wonach EUV-Komponenten nach China gelangt sein sollen. ASML-Chef Christophe Fouquet wies dies zurĂŒck und verwies auf eine interne âFirewallâ, die ein Reverse-Engineering der Technologie verhindere, sowie auf den erheblichen technologischen Abstand chinesischer Hersteller. Die US-Regierung investierte zugleich in das Start-up xLight, das ASMLs EUV-Monopol langfristig herausfordern soll, wĂ€hrend der Kongress ein Gesetz zur BeschrĂ€nkung von DUV-Lieferungen nach China prĂŒft.
Der Vorfall zeigt, wie sensibel der Markt derzeit auf geopolitische Nachrichten rund um die Halbleiterlieferkette reagiert. FĂŒr ASML bleibt China aber weiterhin ein bedeutender, wenn auch nicht mehr der wichtigste Absatzmarkt â das Unternehmen selbst rechnet fĂŒr das laufende Jahr mit einem China-Anteil von rund 20 Prozent am Konzernumsatz. Die Kombination aus technologischem Vorsprung, robuster Auftragslage im EUV-GeschĂ€ft und den anhaltenden politischen Unsicherheiten dĂŒrfte die Aktie in den kommenden Wochen volatil halten.
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