Astrazeneca Aktie: Reuters erklĂ€rt 400-Milliarden-Fusion fĂŒr hinfĂ€llig
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 21:39 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Reuters hat am Mittwoch die Spekulationen ĂŒber eine milliardenschwere Fusion zwischen AstraZeneca und Bristol Myers Squibb fĂŒr hinfĂ€llig erklĂ€rt. Eine hochrangige Quelle sagte der Nachrichtenagentur: "Es gibt keinen Deal, es gab nie einen, keine GesprĂ€che." Die Aussage traf einen Markt, der seit dem Wochenende ĂŒber eine mögliche Megafusion im Wert von rund 400 Milliarden US-Dollar spekuliert hatte.
Reuters widerspricht FT-Bericht
Ausgelöst hatte die GerĂŒchte ein Bericht der Financial Times, wonach AstraZeneca und Bristol Myers Squibb ĂŒber einen Zusammenschluss verhandelten. Die AstraZeneca-Aktie brach am Montag um rund 9 Prozent ein, bevor Reuters am heutigen Mittwoch mit der ranghohen Quelle das Gegenteil verkĂŒndete. Beide Konzerne lehnten eine Stellungnahme zu den Berichten ab. Nach britischen Marktmissbrauchsregeln hĂ€tten laufende Verhandlungen ohnehin öffentlich gemacht werden mĂŒssen â ein Argument, das mehrere Berichte gegen ernsthafte GesprĂ€che anfĂŒhrten.
Die Reaktion an der Börse fiel entsprechend deutlich aus. Aktuell notiert das Papier bei 140,80 Euro, ein Plus von 4,22 Prozent auf Tagessicht. Der jĂŒngste Kursverlauf zeigt aber, wie tief die Verunsicherung saĂ: Ăber die vergangenen 30 Tage steht fĂŒr die Aktie weiterhin ein Minus von 15,28 Prozent zu Buche â die Fusionsspekulation hat also nur einen Teil eines lĂ€nger laufenden AbwĂ€rtstrends ausgemacht.
Analysten zweifeln an strategischer Logik
Selbst wĂ€hrend die Spekulation noch lief, Ă€uĂerten sich Analysten skeptisch. Ein Analyst von Jefferies bezeichnete die Idee einer Fusion als "mehr als nur ein KopfschĂŒtteln wert". Die BegrĂŒndung: Beide Konzerne konkurrieren mit ihren Onkologie-PrĂ€paraten Imfinzi und Opdivo direkt gegeneinander, was eine Zusammenlegung strategisch fragwĂŒrdig erscheinen lĂ€sst. Hinzu kommt, dass Bristol Myers Squibb 2028 den Patentschutz fĂŒr seine umsatzstĂ€rksten PrĂ€parate Eliquis und Opdivo verliert, die zusammen zuletzt gut die HĂ€lfte des Konzernumsatzes ausmachten.
Nach den zuletzt kursierenden Marktwerten hĂ€tte ein Zusammenschluss ein Unternehmen von rund 264 Milliarden Dollar (AstraZeneca) und 133 Milliarden Dollar (Bristol Myers Squibb) auf eine kombinierte Bewertung von etwa 400 Milliarden Dollar gebracht. FĂŒr Anleger dĂŒrfte inzwischen wichtiger sein, dass sich der Blick wieder auf das operative GeschĂ€ft richtet.
Operatives GeschĂ€ft liefert RĂŒckenwind
Im zweiten Quartal ĂŒbertraf AstraZeneca mit einem Gewinn je Aktie von 2,63 US-Dollar den Analystenkonsens von 2,48 Dollar. Der Konzern bekrĂ€ftigte zudem sein Ziel, den Jahresumsatz bis 2030 auf 80 Milliarden US-Dollar zu steigern. Im Onkologie-Bereich sorgte die Empfehlung des CHMP-Ausschusses der EuropĂ€ischen Arzneimittel-Agentur fĂŒr die Kombination aus Enhertu und Pertuzumab fĂŒr zusĂ€tzliche positive Nachrichten â Studiendaten zeigten ein um 44 Prozent geringeres Progressionsrisiko. Die CLARITY-Gastric01-Studie lieferte laut Berichten zudem einen signifikanten Vorteil beim GesamtĂŒberleben. Erst gestern hatte AstraZeneca eine mehrjĂ€hrige Zusammenarbeit mit SOPHiA Genetics zur Entwicklung von zwei Begleitdiagnostika fĂŒr die PrĂ€zisionsonkologie angekĂŒndigt.
Sektor im Blick der Investoren
Die Fusionsspekulation traf auf einen Gesundheitssektor, der zuletzt wieder verstÀrkt Kapital anzog. US-Gesundheitsaktien verzeichneten binnen drei Monaten ein Plus von 11,2 Prozent, wÀhrend der marktbreite S&P 500 im selben Zeitraum um 6 Prozent zulegte. Allein im Juli flossen dem Sektor rund 2,44 Milliarden Dollar an frischem Fondskapital zu.
Die Entwarnung wirkte ĂŒber AstraZeneca hinaus. Auch der vermeintliche Fusionspartner profitierte im Handelsverlauf vom Wegfall der Unsicherheit.
Das Analysehaus Argus stufte Bristol Myers Squibb am Mittwoch von "Halten" auf "Kaufen" hoch und nannte ein Kursziel von 75 Dollar. Grundlage war ein Quartalsgewinn von 2,04 Dollar je Aktie, der den Konsens von 1,60 Dollar deutlich ĂŒbertraf.
FĂŒr AstraZeneca-Anleger bleibt die Botschaft des Tages klar: Die Fusionsfantasie ist vom Tisch, das operative GeschĂ€ft lĂ€uft weiter rund. Ob die heutige Erholung ĂŒber eine kurzfristige Gegenbewegung hinaustrĂ€gt, dĂŒrfte sich an der weiteren Entwicklung der Onkologie-Pipeline und den kommenden Quartalszahlen entscheiden.
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