Aurora Cannabis Aktie: Curaleaf fordert faire Übernahmegespräche
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 14:03 Uhr | Redaktion boerse-global.deSchwere Vorwürfe gegen das Management
Curaleaf verschärft die Gangart im Übernahmekampf um Aurora Cannabis. Der US-Konkurrent warf der Führung des kanadischen Unternehmens gestern vor, ihm die notwendige Buchprüfung zu verweigern. Obwohl Curaleaf nach eigenen Angaben als einziger Bieter ein verbindliches Kaufangebot vorgelegt habe, bleibe ihm der Zugang zu vertraulichen Daten verwehrt. Andere nicht genannte Interessenten erhielten hingegen umfassende Einsicht in die Bücher.
Curaleaf-Chef Boris Jordan forderte den Verwaltungsrat von Aurora deshalb öffentlich auf, den Bieterprozess fair zu gestalten und Gespräche aufzunehmen. Die Offensive folgt auf die Entscheidung der Aurora-Spitze, die Übernahmeofferte vor wenigen Tagen zurückzuweisen. Curaleaf versucht damit, den Druck über die Aktionäre zu erhöhen, um doch noch Verhandlungen zu erzwingen.
Streit über Bewertung und Schulden
Die Offerte sieht vor, dass Aurora-Aktionäre je Anteilsschein 0,4013 Curaleaf-Stimmrechtsaktien sowie einen US-Dollar in bar erhalten. Daraus leitet Curaleaf einen rechnerischen Gesamtwert von 5 US-Dollar je Aktie ab.
Curaleaf hält diesen Preis für attraktiv und verweist auf frühere Kapitalmaßnahmen der Kanadier. Im Juli hatte Aurora über ein Aktienausgabeprogramm Papiere zu Kursen ab 2,60 US-Dollar ausgegeben. Zugleich attackiert Curaleaf die Unabhängigkeit der von Aurora genutzten Bewertungsgutachten und kritisiert erfolgsabhängige Honorare für die Investmentbank Fort Capital.
Inhaltlich liegen die beiden Konzerne weit auseinander. Während Aurora abgesehen von Leasingverträgen schuldenfrei ist und über Barmittel verfügt, lasten auf Curaleaf Verbindlichkeiten von knapp einer Milliarde US-Dollar. Zwar stellt Curaleaf im Falle eines Zusammenschlusses jährliche Kostensynergien von mindestens 40 Millionen US-Dollar in Aussicht, die Unternehmensführung von Aurora hält diese Berechnungen jedoch für unzureichend belegt.
Offenes Rennen bis Dezember
Aurora prüft über einen eigens eingesetzten Sonderausschuss weiterhin alternative Transaktionen sowie die Option, eigenständig zu bleiben. Marktbeobachter reagierten unterschiedlich auf das Tauziehen: Während ATB Capital Markets die Offerte von Curaleaf als günstig bewertete, zog Seaport Research Partners die Art und Weise in Zweifel, wie Aurora mit potenziellen Interessenten umgeht.
Die Entscheidung liegt vorerst bei den Anteilseignern, die ihre Papiere bis zum 4. Dezember 2026 andienen können. An der Heimatbörse in Toronto gaben die Aktien von Aurora Cannabis gestern um 1,1 Prozent auf 5,58 CAD nach.
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