BASF Aktie: Ludwigshafen erstmals unter 30.000 Stellen
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 10:48 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Seit 1954 ist die Zahl der Vollzeitstellen am Stammwerk Ludwigshafen nicht mehr unter 30.000 gefallen. Jetzt ist es passiert. Der Wendepunkt fällt ausgerechnet in eine Woche, in der BASF parallel den Rückkauf eigener Aktien startet und in China einen Milliardenstandort feiert.
Historischer Tiefstand in Ludwigshafen
Der Verband der Chemischen Industrie veröffentlichte am Dienstag seinen Bericht „Chemiewirtschaft in Zahlen". Die Daten zeigen: Die energieintensive Produktion in Deutschland steht weiter unter Druck. Für BASF bedeutet das eine historische Zäsur am Stammsitz.
Der Personalabbau ist Teil eines größeren Effizienzprogramms. Seit Anfang 2024 hat der Konzern weltweit rund 7.000 Stellen gestrichen. Allein im ersten Halbjahr 2026 fielen mehr Arbeitsplätze weg als in den beiden Jahren zuvor zusammen. Das Ziel bleibt eine Kostensenkung von 2,3 Milliarden Euro bis Ende 2026.
China läuft besser als erwartet
Während Ludwigshafen schrumpft, wächst BASF in Asien. Rund 100 Tage nach der Eröffnung des neuen Verbundstandorts in Zhanjiang im März 2026 zeigt sich: Das 8,7 Milliarden Euro teure Projekt läuft besser als geplant. Trotz eines globalen Überangebots an Basischemikalien arbeitete der Standort in den ersten Betriebsmonaten zeitweise bereits profitabel.
Diese Verschiebung der Produktionsschwerpunkte ist Kernbestandteil der „Winning Ways"-Strategie. BASF folgt damit dem Wachstum: China macht mittlerweile rund die Hälfte des weltweiten Chemiemarktes aus. Europa dagegen kämpft mit hohen Energiekosten und schwacher Inlandsnachfrage.
Rückkauf stützt den Kurs
Am Montag hat BASF mit dem Rückkauf eigener Aktien begonnen. Das Programm umfasst bis zu einer Milliarde Euro oder maximal 77 Millionen Aktien und soll spätestens bis zum 30. April 2027 abgeschlossen sein. Die zurückgekauften Papiere werden anschließend eingezogen, das Grundkapital sinkt entsprechend.
Die Finanzbasis dafür liefert ein solides zweites Quartal. BASF erzielte einen Umsatz von 17,2 Milliarden Euro. Das Konzernergebnis lag bei 4,1 Milliarden Euro – kräftig gestützt durch einen Veräußerungsgewinn von 3,9 Milliarden Euro vor Steuern aus dem Teilverkauf des Coatings-Geschäfts an den Finanzinvestor Carlyle.
Was der Kurs zeigt
Die Aktie schloss am Dienstag bei 50,59 Euro, ein Minus von 1,09 Prozent. Seit Jahresbeginn steht dennoch ein Plus von 13,86 Prozent zu Buche. Der Abstand zum 200-Tage-Durchschnitt von 47,97 Euro beträgt 5,47 Prozent – ein Hinweis auf einen intakten mittelfristigen Aufwärtstrend.
Der Konzern steht damit an einem Scheidepunkt zweier Entwicklungen. In Deutschland schrumpft die Stellenzahl auf ein Niveau von vor über 70 Jahren. In China wächst ein neuer Produktionsstandort schneller als geplant in die Profitabilität. Ob diese Rechnung langfristig aufgeht, hängt davon ab, wie sich das globale Überangebot bei Basischemikalien in den kommenden Quartalen entwickelt.
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