BASF Aktie: Sondiert Übernahme von Evonik
Veröffentlicht am: 26.09.2026 um 16:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Ludwigshafener Chemiekonzern BASF erwägt einen überraschenden Großdeal im Heimatmarkt: Das Unternehmen bestätigte explorative Sondierungsgespräche über ein mögliches freiwilliges öffentliches Übernahmeangebot für den Essener Spezialchemiekonzern Evonik. Evonik bestätigte seinerseits eine unverbindliche Ansprache.
Formelle Verhandlungen laufen derzeit nicht, der Ausgang der Initiative ist vollständig offen. Am Markt löste die Nachricht sofortige Reaktionen aus: Die BASF-Aktie ging am Freitag mit einem Minus von 2,6 Prozent bei 50,89 Euro aus dem Handel, womit sich die Marktkapitalisierung auf 45,03 Milliarden Euro belief.
Strategische Neuordnung der Spezialchemie
Mit dem Vorstoß zielt BASF auf eine erhebliche Verstärkung im margenstarken Spezialchemiegeschäft ab. Gemeinsam erzielten beide Konzerne im Vorjahr einen Umsatz von 74 Milliarden Euro, wovon rund 60 Milliarden Euro auf BASF und 14,1 Milliarden Euro auf Evonik entfielen. Ein Zusammenschluss brächte neben größeren Marktanteilen vor allem Einsparpotenziale in Verwaltung, Forschung und Entwicklung mit sich.
Gleichzeitig wirft ein möglicher Deal Fragen zur strategischen Kohärenz auf. BASF befindet sich mitten in einem tiefgreifenden Konzernumbau. Das Unternehmen verkaufte vor über einem Monat seine Coatings-Sparte an Carlyle, wodurch rund 5,8 Milliarden Euro erlöst wurden.
Zudem bereitet der Konzern gemeinsam mit den Investmentbanken Citi, Deutsche Bank, Goldman Sachs und JPMorgan die Abspaltung der Agrarsparte vor, deren Börsengang frühestens für Mitte 2027 anvisiert wird. Ein Zukauf in der Größenordnung von Evonik, dessen Börsenwert zuletzt bei rund 8,4 bis 9 Milliarden Euro lag, würde BASF erhebliche Integrationsressourcen abverlangen.
RAG-Stiftung als Schlüssel für den Deal
Der Erfolg des Vorhabens liegt maßgeblich bei der Essener RAG-Stiftung. Als größte Anteilseignerin kontrolliert sie einen Evonik-Anteil von 44 Prozent, während ihre langfristige Zielmarke bei 25,1 Prozent liegt.
Die Stiftung finanziert aus den Dividendenerträgen die Ewigkeitslasten des deutschen Steinkohlebergbaus, für die sie im Jahr 2025 insgesamt 309,3 Millionen Euro aufwenden musste. Evonik schüttete dafür im selben Jahr 252,3 Millionen Euro an die Stiftung aus.
Die Stiftung steht vor einer komplexen Abwägung: Die künftigen Verpflichtungen weisen einen Barwert von 31,4 Milliarden Euro auf, wofür bisher 9,9 Milliarden Euro zurückgestellt sind.
Evonik kürzte zuletzt die Dividende für 2025 von 1,17 Euro auf 1,00 Euro je Aktie und strebt ab 2026 eine Ausschüttungsquote von 40 bis 60 Prozent des bereinigten Konzernergebnisses an. Bei einer Kapitalrendite von 6,1 Prozent und Kapitalkosten von 10 Prozent steht der Essener Konzern selbst unter erheblichem Restrukturierungsdruck.
Hürden durch Kartellrecht und Restrukturierung
Bis zu einer möglichen Einigung bleiben zahlreiche Hürden zu überwinden. Neben der Bewertung und Finanzierung dürften die Kartellbehörden den Zusammenschluss zweier deutscher Branchenschwergewichte intensiv prüfen. Beide Unternehmen agieren zudem in einem herausfordernden Marktumfeld mit anhaltend hohen Energiekosten in Europa.
Evonik befindet sich bereits in einem umfassenden Sparprogramm. Bis Ende 2026 sollen die Kosten um rund 400 Millionen Euro sinken, zudem sind die Schließungen der Standorte in Hamburg und Bitterfeld bis 2027 sowie der Abbau von 3.200 Arbeitsplätzen zwischen 2027 und 2029 vorgesehen.
Ob BASF die Übernahme tatsächlich weiter vorantreibt, hängt von der Einigungsbereitschaft der RAG-Stiftung und den Konditionen ab, die der Konzern seinen eigenen Aktionären vermitteln kann.
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