Bitcoin, Hedgefonds

Bitcoin: Hedgefonds raus, Staatsfonds rein

Veröffentlicht am: 28.10.2026 um 18:19 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Neun Adressen erklären den institutionellen ETF-Rückgang; seit Juni haben Fonds 87.000 Bitcoin hinzugekauft.
Eine einzelne physische Bitcoin-Münze auf einem Schreibtisch in einem modernen Büro vor einer verschwommenen Skyline. Illustration mit AI erstellt.

Wer 2026 Bitcoin-ETFs verkauft hat, war kein Langfrist-Skeptiker. Es waren Händler, die eine Rechenaufgabe gelöst haben. Eine Auswertung zeigt, wie wenige Adressen den institutionellen Abverkauf getrieben haben und wer die Lücke füllte.

Carry-Trade verliert seinen Reiz

Institutionelle Investoren, die ihre Bestände quartalsweise melden, hielten Ende September 2025 rund 355.000 Bitcoin über Spot-ETFs. Bis Juni 2026 sank der Wert auf 307.000, ein Minus von 14 Prozent. Neun Adressen, darunter Millennium, Brevan Howard, Goldman Sachs und D.E. Shaw, erklären mehr als den gesamten Rückgang.

Ihr Motiv war laut Galaxy-Research-Chef Alex Thorn selten Überzeugung. Viele fuhren einen Cash-and-Carry-Trade: ETF-Anteile kaufen, CME-Futures leerverkaufen und die Differenz kassieren. Diese Prämie ist stark geschrumpft.

Vor dem Rekordhoch lag sie bei annualisiert 7,9 Prozent, zuletzt bei 4,8 Prozent. Nach Kosten bleiben etwa 1,5 Punkte über dem Geldmarkt. "Diese Rechnung, nicht der Preis, ist der Grund, warum die Multi-Strategie-Desks gegangen sind", so Thorn.

Auf der Gegenseite griffen Vermögensverwalter und Staatsfonds zu, darunter Morgan Stanleys Wealth-Sparte und Mubadala aus Abu Dhabi. Privatanleger und Berater reduzierten ihre Bestände nur um 6,6 Prozent, obwohl der Kurs um rund die Hälfte fiel. Seit dem Junitief haben die Fonds zudem 87.000 Bitcoin zugekauft, was Galaxy als gerichtetes Kaufen wertet.

Langfristige Prognose, kurzfristige Zinsfrage

Passend dazu hebt Bitwise sein Zehnjahresziel von 1,3 auf 1,6 Millionen Dollar an. Das entspräche einem jährlichen Plus von 34,3 Prozent. Im Bärenszenario landet Bitcoin 2036 bei 130.686 Dollar, im Bullenszenario bei 3,67 Millionen. Bitwise verweist auch darauf, dass der Rückgang vom Hoch über 126.000 Dollar mit etwa 53 Prozent deutlich flacher ausfiel als in früheren Zyklen.

Kurzfristig bestimmt die US-Notenbank die Stimmung. Sie entscheidet heute um 14 Uhr US-Ostküstenzeit über den Leitzins, er liegt bei 3,75 bis 4,00 Prozent. Eine Pause gilt als nahezu sicher. Die Inflation von 3,7 Prozent, ein Ölpreis nahe 100 Dollar und Zehnjahresrenditen um 5 Prozent machen renditelose Assets weniger attraktiv.

Bitcoin notiert bei rund 80.700 Dollar, knapp unter einer Zone, an der Verkäufer Rallyes dieses Jahr mehrfach gestoppt haben. Die ETF-Zuflüsse sind wechselhaft: Diese Woche kamen bisher etwa 286 Millionen Dollar herein.

Für Dezember rechnen Terminmärkte mit 75 bis 80 Prozent Wahrscheinlichkeit auf eine weitere Zinserhöhung beim Treffen am 8. und 9. Dezember. Abweichende Stimmen für eine Verschärfung im heutigen Votum würden dieses Szenario untermauern.

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