Bitcoin: Wale kaufen, Kurs zuckt nicht
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 20:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Inflationsbericht, der exakt den Erwartungen entsprach, hätte eigentlich ein dovishes Signal für Bitcoin sein müssen. Stattdessen bewegte sich der Kurs kaum. Die Reaktion sagt mehr über den Zustand des Marktes aus als die Zahl selbst.
Die US-Verbraucherpreise stiegen im Juli um 3,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr, nach 3,5 Prozent im Juni. Die Kernrate sank leicht auf 2,5 Prozent. Beide Werte trafen exakt die Konsensschätzungen. Bitcoin fiel dennoch unter die Marke von 64.000 Dollar und notierte zuletzt bei rund 63.700 Dollar, nachdem der Kurs bereits am Nachmittag unter 64.000 Dollar gerutscht war.
Warum die Erleichterung ausblieb
Der Grund liegt im Timing. Spot-Bitcoin-ETFs hatten in der Vorwoche bereits rund 854 Millionen Dollar an Zuflüssen verzeichnet, die stärkste Serie seit Mai — der Markt hatte die Entspannung also vorweggenommen. Ein Wert exakt im Rahmen der Erwartungen liefert weder einen hawkishen Schock noch einen neuen dovishen Impuls. Die Wahrscheinlichkeit einer Zinserhöhung im September fiel zwar von 48 auf 36 Prozent, blieb aber Verhandlungsmasse für die kommenden Wochen.
Technisch bleibt Bitcoin in seiner Spanne gefangen. Seit einem heftigen Ausverkauf Anfang August hält sich der Kurs unter 65.000 Dollar, mit Unterstützung bei rund 62.000 Dollar und Widerstand bei 65.500 bis 67.000 Dollar. Der gleitende 50-Tage-Durchschnitt liegt unter dem 200-Tage-Durchschnitt — ein Signal, das Chartanalysten als bärisch werten.
Wale kaufen, Kleinanleger ziehen sich zurück
Während der Kurs stagniert, verschieben sich die Besitzverhältnisse im Hintergrund deutlich. Die Zahl der Wallets mit mindestens 10.000 Bitcoin ist auf 90 gestiegen, ein Sechsmonatshoch. Seit Ende Juli haben Adressen mit 10 bis 10.000 Bitcoin für rund 1,5 Milliarden Dollar zugekauft, während die kleinsten Wallets seit Anfang August schrumpfen.
Zwei Ereignisse dürften Privatanleger verunsichert haben: der Angriff auf die Hardware-Wallet Coldcard, der Nutzer rund 120 Millionen Dollar kostete, sowie die Verschiebung des Clarity Act im US-Senat auf September. Auf der Optionsseite zeigt sich ein ähnlich vorsichtiges Bild — Absicherungen gegen einen Rückgang auf 60.000 Dollar kosten mehr als vergleichbare Wetten auf einen Anstieg auf 70.000 Dollar.
Der Rückzug der Kleinanleger zeigt sich auch strukturell in der Branche. Bitwise hat rund 14 Prozent seiner Belegschaft abgebaut, nachdem zuvor bereits Coinbase, FalconX und mit BitMEX sowie BitMart zwei Handelsplätze komplett schließen mussten. Parallel wandert spekulatives Kapital zunehmend in Prognosemärkte und Aktien ab.
Die Produzentenpreise für Juli, die am Donnerstag veröffentlicht werden, liefern den nächsten Test für den Inflationspfad. Bis dahin bleibt die Zone zwischen 62.000 und 66.000 Dollar die entscheidende Marke — ein Ausbruch in die eine oder andere Richtung dürfte die Richtung für die kommenden Wochen vorgeben.
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