Cadence Design Aktie: Maestro setzt auf Offenheit
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 18:59 Uhr | Redaktion boerse-global.deCadence geht beim Thema KI im Chipdesign bewusst einen anderen Weg als der größte Konkurrent. Der Softwarehersteller stellte heute das Modellportfolio Maestro vor, das Chiphersteller auch hinter den eigenen Firewalls betreiben können. Die Aktie legte nach der Ankündigung um 3,9 Prozent zu. Am Abend nach US-Börsenschluss folgen zudem die Quartalszahlen.
Offene Modelle statt Exklusivdeal
Maestro basiert teilweise auf Nvidias offenem Nemotron-Modell und nutzt dessen Sicherheitstechnik OpenShell. Kunden können die Modelle in der Cadence-Cloud, in jeder öffentlichen Cloud oder komplett im eigenen Rechenzentrum laufen lassen. Außerdem lassen sie sich mit den eigenen Chipdesigns nachtrainieren.
Cadence nennt erste Ergebnisse: bis zu 30 Prozent höhere Qualität und bis zu fünfmal mehr Effizienz bei der Token-Nutzung als bei universellen Modellen. Es handelt sich um frühe Werte aus Design-Workflows, unabhängig überprüft sind sie nicht.
Die Modelle steuern die sogenannten AI Super Agents des Konzerns, darunter ChipStack und InnoStack. Diese Agenten bedienen die bestehenden Entwurfswerkzeuge von Cadence. Ein Lernumfeld gleicht die Ergebnisse mit technischen Vorgaben ab und soll die Modelle so fortlaufend verbessern.
Gegenmodell zu Synopsys
Der Kontrast zum Konkurrenten ist deutlich. Synopsys hatte Ende September angekündigt, gemeinsam mit OpenAI ein Modell zu entwickeln und die Erlöse zu teilen. Dieses läuft auf der Infrastruktur des ChatGPT-Machers. Cadence setzt dagegen auf Modellvielfalt. Cadence-Manager Paul Cunningham verwies darauf, dass es mehr KI-Modellanbieter gebe als Anbieter von Chipdesign-Software.
Ein Deal mit proprietären KI-Laboren bleibt dennoch denkbar. Offene und geschlossene Ansätze würden „gleichermaßen verfolgt“, sagte Cunningham, die Zusammenarbeit mit kommerziellen Laboren sei Teil der Maestro-Vision. Details nannte er nicht.
Erste Kundenstimmen liefern Rückenwind. Socionext setzt den InnoStack-Agenten in der Produktion ein und erwartet bis zu fünffache Produktivitätsgewinne. Silicon Labs berichtet von schnellerer Fehlersuche bei der Verifikation stromsparender Chips.
Zahlen am Abend
Die ersten Maestro-Modelle gehen im vierten Quartal 2026 an ausgewählte Early-Access-Kunden. Ein breiter Marktstart ist damit noch nicht terminiert. Heute nach US-Börsenschluss legt Cadence die Quartalszahlen vor. Dort dürfte sich zeigen, wie stark die KI-Agenten bereits im Geschäft ankommen und ob das Management zu Maestro konkrete Erwartungen nennt.
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