Catella Aktie: Verzerrte Bilanz, klarer Kurs
Veröffentlicht am: 20.08.2026 um 11:44 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Auf den ersten Blick sieht das zweite Quartal von Catella dramatisch aus: Der Umsatz brach um 47 Prozent auf 400 Millionen schwedische Kronen ein, verglichen mit 754 Millionen Kronen im Vorjahr. Der Aktienkurs reagierte mit einem Abschlag von rund 4 Prozent und bewegt sich damit nahe seinem Jahrestief. Wer genauer hinschaut, entdeckt allerdings eine andere Geschichte.
Der Rückgang geht fast vollständig auf einen Basiseffekt zurück. Im Vorjahresquartal hatte Catella die Immobilienprojekte Kaktus Towers und CatWave verkauft — Einmalerlöse von knapp 360 Millionen Kronen, die 2026 naturgemäß fehlen. Rechnet man diese Sondereffekte heraus, stieg der underlying Nettoumsatz von 294 auf 310 Millionen Kronen. Der Rohertrag verbesserte sich auf bereinigter Basis um 5 Prozent, die Betriebskosten sanken um 6 Prozent.
Zwei Segmente, zwei Richtungen
Das Geschäft mit Immobilienberatung, Corporate Finance, war der Lichtblick im Quartal. Die Transaktionsvolumina legten um 31 Prozent auf 11,4 Milliarden Kronen zu, in Kontinentaleuropa sogar um 120 Prozent. Bereinigt um die Vorjahreseffekte verbesserte sich die Profitabilität in diesem Segment um 38 Prozent.
Investment Management lief dagegen schwächer. Die Managementgebühren fielen um 4 Prozent, variable Gebühren brachen um 55 Prozent ein, weil in den Fonds kaum Transaktionen stattfanden. Das verwaltete Vermögen blieb mit 161 Milliarden Kronen nahezu stabil, getragen von Währungseffekten — organisch bleiben die Nettoabflüsse bestehen, vor allem durch Rücknahmen.
Deutschland, wo Catella den größten Teil seines verwalteten Vermögens hält, bleibt nach Aussage des Managements zurückhaltend, während Schweden, Dänemark und Spanien Dynamik zeigen.
Unter dem Strich stand ein Nettoverlust von 12 Millionen Kronen — belastet auch durch Kosten im Zusammenhang mit einem Anleihenrückkauf im April, teilweise abgefedert durch positive Währungseffekte von 50 Millionen Kronen.
Umbau läuft weiter
CEO Rikke Lykke treibt parallel den strukturellen Umbau voran. Catella hat die eigene Investment-Management-Einheit in Schweden aufgelöst und die entsprechende Fondslizenz zurückgegeben, was rund 20 Millionen Kronen an Kapital freisetzt.
In Frankreich wurde der Betrieb neu organisiert, zusammen mit weiteren Maßnahmen sollen diese Schritte jährliche Einsparungen von etwa 6 Millionen Kronen bringen. Neu hinzugekommen sind ein Chief Digital Officer sowie eine Rolle für Kapitalbeschaffung — Investitionen, die laut Management die Wettbewerbsfähigkeit für den Aufschwung stärken sollen.
Das laufende Aktienrückkaufprogramm über 100 Millionen Kronen ist zur Hälfte ausgeschöpft: Rund 2,5 Millionen B-Aktien wurden zu einem Durchschnittskurs von 20,50 Kronen zurückgekauft. Das Analystenbild bleibt gespalten — die Kursziele reichen von 27 Kronen (Hold) bis 42 Kronen (Buy), je nachdem wie stark man auf die Erholung in Skandinavien und Spanien setzt.
Für die zweite Jahreshälfte dämpft das Management selbst die Erwartungen: Wegen sogenannter High-Water-Marks in größeren Fonds rechnet Catella nicht mit nennenswerten Performancegebühren. Ob die Erholung in Corporate Finance stark genug ausfällt, um die Schwäche in der Vermögensverwaltung auszugleichen, hängt maßgeblich davon ab, wie schnell sich die Marktaktivität in Deutschland dreht.
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