Coinbase Aktie: Politik als GeschÀftsmodell
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 19:58 Uhr | Redaktion boerse-global.deCoinbase zahlt nicht nur GebĂŒhren an Washington, sondern investiert dort in Einfluss. Die Kryptobranche hat in diesem Wahlzyklus rund 176 Millionen Dollar in mehr als 100 Rennen um Kongresssitze gesteckt. Coinbase gehört zu den wichtigsten Geldgebern dahinter.
Der Plan fĂŒr die Zeit nach Trump
Im Zentrum steht das Super-PAC Fairshake, das Coinbase gemeinsam mit Ripple und dem Wagniskapitalgeber Andreessen Horowitz finanziert. Bis zum 20. Oktober gaben Fairshake und seine Ableger etwa 150,8 Millionen Dollar aus. Andere Krypto-Gruppen kamen auf rund 25 Millionen Dollar.
Das Ziel ist langfristig. Die Branche will Kandidaten mit realen Wahlchancen unterstĂŒtzen, die ihr spĂ€ter im Kongress nĂŒtzen. Hintergrund: SpĂ€testens 2029 dĂŒrfte im WeiĂen Haus kaum jemand sitzen, der so stark an Krypto interessiert ist wie Donald Trump. Regeln auf Behördenebene lieĂen sich dann wieder kassieren, warnen Analysten von JPMorgan.
Coinbases oberster Politikchef Faryar Shirzad gilt als Architekt von Fairshake und der Lobbygruppe Stand With Crypto. Beide starteten 2023. Seither stieg die Zahl der Abgeordneten mit Bestnote der Gruppe von 96 auf 332.
Clarity Act als eigentliches Ziel
Der Stablecoin-Rahmen des Genius Act ist seit 2025 Gesetz. Wichtiger fĂŒr Börsen wie Coinbase wĂ€re der Clarity Act, der die Aufsicht der Handelsbehörde CFTC unterstellen wĂŒrde. Das Gesetz stockt im aktuellen Kongress. Demokraten im Senat blockierten die Abstimmung, vor allem wegen einer Ethikklausel, die die Trump-Familie zum Verkauf ihrer Krypto-BestĂ€nde gezwungen hĂ€tte. Fairshake unterstĂŒtzt im Senat deshalb nur noch Republikaner.
Am schĂ€rfsten lĂ€uft der Kampf in Ohio. Dort will der langjĂ€hrige Krypto-Kritiker Sherrod Brown zurĂŒck in den Senat. Die Branche hat dort mehr als 68 Millionen Dollar ausgegeben, Umfragen sehen Brown knapp vorn. Zwar bringen die Anzeigen Krypto kaum zur Sprache, Kritiker sehen darin dennoch eine Einflussnahme, bei der WĂ€hler die Geldgeber nicht erkennen.
Zahlen am Donnerstag
Operativ steht Coinbase unter Druck. Bernstein senkte das Kursziel von 330 auf 250 Dollar und kappte die Umsatzprognose fĂŒr 2026 um 32 Prozent. Die Analysten erwarten nun einen Verlust von 2,60 Dollar je Aktie statt eines Gewinns. Die Kaufempfehlung bleibt, weil PrognosemĂ€rkte und Derivate bis 2028 rund zwei Milliarden Dollar Jahresumsatz bringen könnten.
Ob die Politik-Investitionen den schwachen Handel ausgleichen, ist offen. Am Donnerstag, dem 29. Oktober, legt Coinbase nach US-Börsenschluss die Quartalszahlen vor. Die Wahlen folgen am 3. November.
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