Covestro Aktie: BPA-Produktion in Antwerpen soll enden
Veröffentlicht am: 15.10.2026 um 21:52 Uhr | Redaktion boerse-global.deCovestro will die Polycarbonat-Produktion in Antwerpen deutlich verkleinern und die dortige BPA-Produktion einstellen. Mit dem heute angekĂŒndigten Umbau reagiert das Unternehmen auf anhaltende Verluste, hohe Kosten und weltweite ĂberkapazitĂ€ten. Der Plan sieht eine stĂ€rkere Ausrichtung auf höherwertige Spezialprodukte vor. Eine endgĂŒltige Entscheidung fĂ€llt erst nach dem laufenden Konsultationsverfahren.
Weniger Standardprodukte, Fokus auf SpezialitÀten
Die belgische Tochter will die Polycarbonat-Produktion von vier Linien auf eine konzentrieren. Bis zu 260 BeschĂ€ftigte könnten von den MaĂnahmen betroffen sein. Damit steht ein erheblicher Eingriff in die Produktionsstruktur des Standorts bevor.
Die verbleibende Linie soll kĂŒnftig höherwertige Spezialprodukte wie das hitzebestĂ€ndige APEC herstellen. Covestro setzt damit nicht auf einen vollstĂ€ndigen RĂŒckzug aus Antwerpen. Stattdessen soll das Portfolio stĂ€rker auf Bereiche ausgerichtet werden, die das Unternehmen langfristig fĂŒr wettbewerbsfĂ€hig hĂ€lt.
Die Investition in eine neue Anilinanlage soll wie geplant weiterlaufen. Auch die Polyether-Produktion und das Technologiezentrum bleiben nach Unternehmensangaben von den vorgesehenen Einschnitten unberĂŒhrt. Der Umbau betrifft somit gezielt Teile der Produktion und nicht sĂ€mtliche AktivitĂ€ten am Standort.
Verluste und asiatischer Wettbewerbsdruck
Nach Angaben von Covestro schreibt der Standort seit 2022 zunehmend Verluste. Die Nachrichtenagentur Belga berichtet unter Berufung auf das Unternehmen von Betriebsverlusten im Antwerpener PolycarbonatgeschÀft in Höhe mehrerer zehn Millionen Euro im Jahr 2025.
Dahinter stehen sowohl eine schwache Nachfrage als auch struktureller Wettbewerbsdruck. Das Handelsblatt verweist auf Preisdruck durch asiatische Anbieter und die schwache Nachfrage in Europa. Der Branchendienst ICIS nennt zusĂ€tzlich hohe Einsatzstoffkosten sowie anhaltenden Importdruck infolge globaler ĂberkapazitĂ€ten.
Covestro-Chef Markus Steilemann begrĂŒndet den Schritt laut Handelsblatt mit verĂ€nderten Marktbedingungen. Die geplante Konzentration auf Spezialprodukte soll das Portfolio wettbewerbsfĂ€higer machen. FĂŒr Anleger ist damit entscheidend, ob der Konzern seine Verlustquellen begrenzen kann, ohne die weiterverfolgten AktivitĂ€ten am Standort zu schwĂ€chen.
Konsultationen bestimmen die nÀchsten Schritte
Der Produktionsabbau ist bislang eine AbsichtserklĂ€rung, keine abgeschlossene MaĂnahme. Covestro will die Ergebnisse des Konsultationsverfahrens prĂŒfen und erst anschlieĂend endgĂŒltig entscheiden. Gewerkschaften wollen laut VRT Alternativen zu Entlassungen untersuchen und kritisieren das Vorgehen des Unternehmens.
FĂŒr die wirtschaftliche Bewertung mĂŒssen Anleger daher zwischen strategischer Richtung und tatsĂ€chlicher Umsetzung unterscheiden. Der geplante RĂŒckzug aus verlustreichen Standardprodukten ist klar umrissen.
Welchen Ergebnisbeitrag der Umbau letztlich leisten kann, hÀngt jedoch auch vom Ausgang der Konsultationen ab. Die fortgesetzte Anilin-Investition und der Erhalt anderer AktivitÀten zeigen zugleich: Covestro plant eine Neuausrichtung in Antwerpen, keine Aufgabe des Standorts.
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