DAX: Allzeithoch bei 26.514 Punkten
Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 18:10 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der DAX hat am Mittwoch ein neues Allzeithoch markiert. Der deutsche Leitindex notiert aktuell bei 26.514,14 Punkten und liegt damit nur noch 0,09 Prozent unter seinem gerade erst erreichten 52-Wochen-Hoch. Anleger warten gespannt auf die US-Verbraucherpreise für Juli, die am Nachmittag veröffentlicht werden – sie könnten darüber entscheiden, ob die Rekordjagd weitergeht oder ins Stocken gerät.
Volkswirte rechnen mit einer Jahresrate von rund 3,4 bis 3,5 Prozent, nach 3,5 Prozent im Vormonat. Die Kernrate wird bei etwa 2,5 Prozent erwartet. Von der Zahl hängt maßgeblich ab, wie die US-Notenbank im September mit den Leitzinsen verfährt – laut Terminmarkt-Daten liegt die Wahrscheinlichkeit für eine Zinserhöhung bei etwa 50 Prozent, was ungewöhnlich ist für eine Fed, die zuletzt eher über Lockerung diskutiert hatte.
Zusätzliche Nervosität bringt der Ölpreis: Brent kostet rund 89 US-Dollar, WTI notiert bei etwa 83 bis 84 Dollar – getrieben von der Zuspitzung im Iran-Konflikt und Angriffen der Huthi-Milizen sowie einem nordkoreanischen Raketentest.
Trotz Krisensignalen bleibt die Stimmung robust
Bemerkenswert ist, dass der Rekordlauf des DAX in einem Umfeld stattfindet, das eigentlich zur Vorsicht mahnen würde. Die deutsche Wirtschaft wuchs im zweiten Quartal nur um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal, die Arbeitslosenquote lag im Juli bei 6,4 Prozent. Das ifo-Institut erwartet für die kommenden beiden Jahre lediglich ein Wachstum von 0,8 Prozent.
Auch die Gasspeicher bereiten Sorgen: Sie liegen EU-weit bei 58 Prozent und damit 16 Prozentpunkte unter dem Fünfjahresschnitt, in Deutschland sind es 47 Prozent. Die Bundesregierung hat Notfallkäufe abgelehnt und das Winterziel von 90 auf 80 Prozent gesenkt.
Der Handel selbst verläuft an den vergangenen Tagen auffällig ruhig. Laut Handelsblatt wurden am Montag und Dienstag zusammen nur rund 40 Millionen Dax-Aktien umgesetzt – ein Zeichen dafür, dass viele Marktteilnehmer vor den US-Daten lieber an der Seitenlinie bleiben, statt neue Positionen aufzubauen.
Einzelwerte treiben den Index
Getragen wird die Rekordjagd von einzelnen Schwergewichten. Siemens Energy legte deutlich zu, nachdem positive Quartalszahlen der Tochter Siemens Gamesa und eine verbesserte charttechnische Lage das Papier über 165 Euro trieben; Bernstein Research stufte die Aktie auf "Outperform".
Auch Chipwerte wie Infineon profitierten von einer neuen KI-Fantasie, ausgelöst durch starke Auftragszahlen des Cloud-Anbieters Coreweave. Im MDax sprang TKMS nach einer Prognoseerhöhung kräftig nach oben. Gegenläufig entwickelte sich Tui, das nach Zahlen unter Druck geriet.
Charttechnisch überkauft
Mit einem RSI von 73 gilt der DAX charttechnisch als überkauft – ein Warnsignal für kurzfristige Rückschläge, auch wenn es allein noch keine Trendwende bedeutet. Der Index notiert rund 5 Prozent über seinem 50-Tage-Durchschnitt, was die Dynamik der jüngsten Rally unterstreicht. Sollte die US-Inflation die Markterwartung deutlich verfehlen, dürfte die Reaktion an den Börsen entsprechend heftig ausfallen – in die eine oder andere Richtung.
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