DAX: Ölpreise stützen Höhenflug
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 01:16 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Zweiter Handelstag im August, zweiter Rekord — der DAX lässt sich von einer Flut an Quartalszahlen nicht bremsen. Treibende Kraft ist ausgerechnet die Geopolitik: Eine mögliche Entspannung am Persischen Golf schickt die Ölpreise auf Talfahrt und die Anleger in Kauflaune.
Der deutsche Leitindex schloss 0,77 Prozent höher bei 26.202,35 Punkten, nachdem er intraday bei 26.267 Zählern ein neues Allzeithoch markiert hatte. Damit hat der DAX die psychologisch wichtige Marke von 26.000 Punkten fest im Rücken. Charttechniker sehen inzwischen Potenzial bis 27.000 Zähler.
Bessent nährt Hoffnung auf Hormuz-Lösung
Auslöser der Rally war ein Interview von US-Finanzminister Scott Bessent, der eine bevorstehende Einigung mit dem Iran in Aussicht stellte — zumindest was die freie Durchfahrt durch die Straße von Hormus angeht. Schon in den kommenden Tagen könnte die für den globalen Öl- und Gashandel zentrale Meerenge wieder ungehindert passierbar sein. Die Ölpreise reagierten prompt und gaben um mehr als 5 Prozent nach.
Ganz ausgestanden ist die Lage damit nicht. Das frühe Ausschalten wichtiger politischer und militärischer Führungsfiguren im Iran hat ein Verhandlungsvakuum hinterlassen, das die Gespräche über Vermittler aus Pakistan, Oman und Jordanien nur schwer greifbar macht. Ein Marktanalyst brachte es auf den Punkt: Der Sprung über die 26.000-Punkte-Marke wirke wie ein Dosenöffner, doch unter der Oberfläche glimmten weiterhin erhebliche Risiken.
Berichtssaison spaltet die Einzelwerte
Während der Index insgesamt feiert, zeigt der Blick auf die Einzeltitel ein gespaltenes Bild. Zalando brach um 13,4 Prozent ein, nachdem Umsatz und Ergebnis im zweiten Quartal die Erwartungen verfehlt hatten und der Ausblick nach unten korrigiert wurde — nach einer Kursrally von 50 Prozent im Vorfeld reichte der Bericht den Anlegern nicht. Fresenius Medical Care verlor trotz solider Zahlen 7,6 Prozent, belastet von Sorgen um die Behandlungszahlen in den USA. Lufthansa musste ein Minus von 8,2 Prozent hinnehmen, nachdem um rund 750 Millionen Euro gestiegene Kerosinkosten das Ergebnis drückten und sogar ein Rückgang des Jahresergebnisses nicht mehr ausgeschlossen wird.
Auf der Gewinnerseite standen die Profiteure des KI-Booms: Infineon legte um 3,7 Prozent zu, europaweit zogen STMicroelectronics und BE Semiconductor deutlich an. Bayer gewann 2,4 Prozent, nachdem das bereinigte EBITDA dank starkem Agrargeschäft auf 2,14 Milliarden Euro stieg — Analysten hatten mit einem Rückgang gerechnet. Adidas dagegen verlor nach dem Entzug der Kaufempfehlung durch die UBS 2,5 Prozent.
Am Mittwoch richtet sich der Blick auf Siemens Energy, dessen Aktie bereits im Vorfeld der Zahlen um 2,3 Prozent zulegte. Ob die Iran-Hoffnung trägt, dürfte sich in den kommenden Tagen an der Entwicklung der Ölpreise ablesen lassen.
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