DAX, Schlagzeilen-Müdigkeit

DAX: Schlagzeilen-Müdigkeit bremst Rekordjagd

Veröffentlicht am: 17.08.2026 um 22:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Der DAX verliert zum Wochenstart 0,4 Prozent und bleibt unter seinem Rekordhoch. Analystenstimmen und Einzelwerte dominieren das dünne Handelsgeschehen.

DAX-Rekordjagd pausiert: Schlagzeilen-Müdigkeit bremst den Leitindex
Ein verschwommener Blick auf das Frankfurter Börsenparkett bei neutralem Tageslicht. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der DAX hat sein Rekordhoch von knapp 26.574 Punkten vom vergangenen Mittwoch am Montag nicht mehr angetestet. Zum Wochenauftakt schloss der Index 0,4 Prozent tiefer bei 26.338,61 Punkten. Der fehlende Schwung hat weniger mit neuer schlechter Nachrichtenlage zu tun als mit fehlendem Antrieb — ein dünnes Sommervolumen traf auf eine fast abgeschlossene Berichtssaison, die bislang als Kaufargument diente.

Ein Marktbeobachter von Mizuho brachte es auf den Punkt: Bei Investoren setze eine gewisse "Schlagzeilen-Müdigkeit" ein. Der Iran-Konflikt, der die Märkte über Wochen phasenweise um ein bis drei Prozent hat ausschlagen lassen, wirkt inzwischen eher wie Hintergrundrauschen.

Das Verhandlungsfenster des im Juni unterzeichneten Memorandums läuft aus, und US-Präsident Donald Trump hat seine Drohungen zuletzt sogar auf den Oman ausgeweitet. Die Börsen reagierten darauf erstaunlich gelassen.

Einzelwerte liefern die Impulse

Weil unternehmensseitig kaum Neuigkeiten anstehen, sorgten Analysten-Umstufungen für die auffälligsten Kursbewegungen. Salzgitter sprang um 3,4 Prozent, nachdem die Bank of America die Aktie mit einer Kaufempfehlung wieder aufgenommen hatte — Analyst Reinhardt van der Walt sieht angesichts europäischer Handelsschutzmaßnahmen Potenzial für die Konsensschätzungen zum operativen Ergebnis.

Infineon legte um 0,4 Prozent zu, nachdem Goldman Sachs optimistischer geworden sein soll. Siemens Energy gewann 1,3 Prozent im Sog der generellen KI-Nachfrage, nachdem der Chatbot-Betreiber Anthropic mit Aussagen zu starkem Umsatzwachstum in New York positive Stimmung verbreitet hatte.

Auf der Verliererseite traf es Vonovia mit einem Minus von 1,8 Prozent, nachdem die französische Investmentbank Exane BNP die Bewertung auf "Underperform" zurückgestuft hatte. Auch andere Immobilientitel wie Grand City Properties und LEG Immobilien gaben nach — die anhaltend hohen Anleiherenditen machen den Sektor derzeit unattraktiv. Im MDAX, der um 0,33 Prozent auf 32.356,98 Punkte nachgab, war das die dominierende Branchenschwäche.

Ausblick bleibt dünn

Der Kalender für die kommende Woche verspricht wenig Zündstoff: Aus dem breiten europäischen Aktienindex berichten nur noch rund 30 Unternehmen, wichtige Konjunkturdaten stehen erst mit den Einkaufsmanager-Indizes am Freitag an. In den USA dürften die Zahlen von Walmart und Home Depot Aufschluss über die Konsumlaune der Amerikaner geben, nachdem zuletzt bereits eine gewisse Kaufzurückhaltung sichtbar wurde.

Trotz der Verschnaufpause bleibt die Jahresbilanz beeindruckend: Seit dem Zwischentief von Mitte Juli hat der DAX um fast sieben Prozent zugelegt, das Jahresplus steht bei 7,6 Prozent. JPMorgan-Stratege Mislav Matejka bleibt für die zweite Jahreshälfte optimistisch und verweist auf steigende Unternehmensgewinne sowie eine Investorenpositionierung, die von Extremwerten noch entfernt sei.

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