Deutsche Bank Aktie: Sewing fordert schnellere Reformen
Veröffentlicht am: 11.10.2026 um 18:35 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing erhöht heute den Druck auf die Bundesregierung. Im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ kritisiert er das Reformtempo als unzureichend und verlangt eine schnellere, konsequentere Umsetzung. Seine Forderungen betreffen vor allem Bürokratie und Kündigungsschutz. Zugleich warnt er vor politischen Risiken für Deutschland als Wirtschafts- und Investitionsstandort.
Für Anleger steht damit Sewings Einschätzung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen im Mittelpunkt. Er verbindet die Forderung nach weniger staatlichen Hürden mit einem klaren Bekenntnis zur kapitalgedeckten Altersvorsorge. Nicht sämtliche Reformpläne lehnt er ab: Beim Altersvorsorgedepot fordert er ausdrücklich eine Umsetzung ohne Abstriche.
Weniger Bürokratie und flexiblerer Kündigungsschutz
Beim Kündigungsschutz geht Sewing die bisherige Lockerung nicht weit genug. Die Einschränkung für Beschäftigte mit mehr als 180.000 Euro Jahresverdienst sei lediglich ein erster Schritt. Er fordert, die Einkommensgrenze weiter zu senken. Eine neue Schwelle nennt er nicht.
Damit zielt seine Forderung auf einen größeren Kreis von Beschäftigten als bislang. Einen konkreten Vorschlag zur künftigen Gehaltsgrenze legt er allerdings nicht vor. Seine Position bleibt deshalb eine politische Forderung und beschreibt keine zusätzliche, bereits beschlossene Änderung.
Beim Bürokratieabbau wird der Deutsche-Bank-Chef konkreter. Bleiben Anträge drei oder vier Monate unbeantwortet, sollen sie nach seiner Vorstellung automatisch als genehmigt gelten. Dahinter steht sein Anliegen, Entscheidungen zu beschleunigen und die Umsetzung von Vorhaben weniger durch Verwaltungsverfahren zu verzögern.
Zustimmung zur kapitalgedeckten Altersvorsorge
Das für Anfang 2027 vorgesehene Altersvorsorgedepot lobt Sewing ausdrücklich. Die staatliche Förderung soll von der privaten Einzahlung abhängen. Eltern und Berufseinsteiger sollen zusätzliche Unterstützung erhalten. Kapitalerträge sollen während der Ansparphase steuerfrei bleiben.
Sewing verlangt, die Rentenreform unverändert umzusetzen. Zu deren Bestandteilen zählen neben dem Altersvorsorgedepot die Frühstartrente und eine kapitalgedeckte Rente. Seine Zustimmung gilt damit gerade den Elementen, die den Kapitalmarkt stärker in die Altersvorsorge einbeziehen.
Nach seiner Einschätzung könnte die Reform monatlich einen hohen dreistelligen Betrag an zusätzlicher Rente ermöglichen. Das ist eine Erwartung Sewings, keine bereits erreichte Verbesserung. Entscheidend ist für ihn, dass die Bundesregierung die vorgesehenen Maßnahmen nicht verwässert.
Warnung vor politischen Standortrisiken
Sewing bezeichnet die politischen Entwicklungen in Sachsen-Anhalt und Berlin als „brandgefährlich“ für den Wirtschaftsstandort. Seine Warnung richtet sich gegen AfD-Erfolge und die Enteignungsdebatten in Berlin. Er sieht darin erhebliche Risiken für Investitionen in Deutschland.
Den Tankrabatt lehnt er dagegen ab. Er verweist auf dessen monatliche Kosten und die Staatsverschuldung. Angesichts der anhaltenden Lage im Mittleren Osten hält er die Maßnahme nicht für dauerhaft hilfreich.
Sewings Botschaft setzt damit klare Prioritäten: schnellere Genehmigungen, weitergehende Reformen beim Kündigungsschutz und eine unveränderte Umsetzung der kapitalgedeckten Altersvorsorge. Kurzfristige Entlastungen wie den Tankrabatt bewertet er deutlich kritischer.
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