DocGo Aktie: Übernahme überschattet Zahlen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 00:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de
DocGo hat sein größtes Übernahmeprojekt aller Zeiten eingefädelt – und trotzdem straft die Börse das Unternehmen ab. Die Aktie fiel nachbörslich um mehr als elf Prozent auf 0,63 Dollar, nachdem sie im regulären Handel noch 6,4 Prozent zugelegt hatte. Der Grund: enttäuschende Quartalszahlen und eine deutlich schwächere Gewinnprognose überlagerten die Nachricht zur geplanten Übernahme von Hicuity Health.
Im zweiten Quartal 2026 verfehlte DocGo die Erwartungen der Analysten auf breiter Front. Der bereinigte Verlust je Aktie lag bei 0,16 Dollar, während der Markt nur mit 0,10 Dollar gerechnet hatte. Der Umsatz sank auf 73,4 Millionen Dollar und blieb damit knapp 2 Millionen Dollar unter der Konsensschätzung.
Migranten-Geschäft läuft aus, Kerngeschäft wächst
Der Rückgang beim Gesamtumsatz täuscht über die eigentliche Entwicklung hinweg. Ohne das auslaufende Geschäft mit migrationsbezogenen Dienstleistungen wuchs DocGo um 19 Prozent im Jahresvergleich, organisch – also ohne die im Oktober 2025 übernommene SteadyMD – blieben rund 5 Prozent Wachstum übrig. Der Krankentransport, DocGos größtes Segment, erreichte mit 52,0 Millionen Dollar einen Rekordwert.
Belastend wirkten dagegen steigende Treibstoffkosten und höhere Löhne für Fahrpersonal, die auf die Margen im Transportgeschäft drückten. Die bereinigte Bruttomarge sank insgesamt leicht auf 30,5 Prozent. Immerhin verringerte sich der operative Verlust auf EBITDA-Basis sequenziell deutlich, von 10,3 Millionen Dollar im ersten auf 6,3 Millionen Dollar im zweiten Quartal.
Ausblick wird vorsichtiger, Kassenbestand schmilzt
Für das Gesamtjahr weitete DocGo die Verlustprognose auf EBITDA-Basis spürbar aus – auf 17 bis 22 Millionen Dollar, nach zuvor 5 bis 10 Millionen Dollar.
Als Gründe nannte das Management höhere Verluste in der ersten Jahreshälfte, langsamere Kosteneinsparungen als geplant und Margendruck. Die Umsatzprognose für 2026 wurde dagegen leicht auf 305 bis 310 Millionen Dollar präzisiert, ohne Berücksichtigung möglicher Hicuity-Erlöse.
Der Kassenbestand schrumpfte im Quartal von 59,9 auf 48,1 Millionen Dollar, die frei verfügbaren Mittel sanken auf 25,2 Millionen Dollar. Vor diesem Hintergrund bekommt die geplante Übernahme von Hicuity Health zusätzliches Gewicht: Der Finanzinvestor Perceptive Advisors übernimmt die bestehenden Schulden des Telemedizin-Anbieters von rund 52 Millionen Dollar und stellt DocGo zusätzlich bis zu 50 Millionen Dollar an neuer Finanzierung in Aussicht.
Hicuity selbst bringt etwa 65 Millionen Dollar Jahresumsatz und rund 400 Kliniker mit, die künftig mit DocGos eigenem Team von 500 bis 600 Fachkräften zusammenarbeiten sollen.
Die Integration von Hicuity dürfte die kommenden Quartale prägen. Bis zum Jahresende peilt das Management einen ausgeglichenen EBITDA-Lauf an – gestützt auf Kosteneinsparungen von schätzungsweise 6 Millionen Dollar jährlich durch Effizienzprogramme und saisonale Erholung bei SteadyMD. Der Deal selbst steht noch unter dem Vorbehalt behördlicher Genehmigungen und ausstehender Kundenzustimmungen.
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