Energiekontor, Aktie

Energiekontor Aktie: Schottische Windparks erst 2031 am Netz

Veröffentlicht am: 24.08.2026 um 15:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Energiekontor senkt EBT-Prognose 2026 auf 5-10 Mio. Euro wegen Verzögerungen bei schottischen Windparks. Die Aktie fÀllt auf 25,55 Euro.

Energiekontor: Gewinnwarnung und Halbjahreszahlen belasten Aktie
Moderne Windkraftanlagen in einer nebligen schottischen HĂŒgellandschaft bei DĂ€mmerung. Illustration mit AI erstellt ĂŒbermittelt durch boerse-global.de

Die wirtschaftliche Lage des Bremer Projektentwicklers Energiekontor hat sich innerhalb weniger Tage grundlegend gewandelt. Nachdem der Vorstand am Morgen des 13. August die Jahresziele zunächst noch bestätigt hatte, folgte am selben Abend eine drastische Gewinnwarnung.

Massive Projektverzögerungen bei britischen Windparks zwingen das Unternehmen dazu, seine Prognose für das Konzernergebnis vor Steuern (EBT) für das Geschäftsjahr 2026 von ursprünglich 40 bis 60 Millionen Euro auf lediglich 5 bis 10 Millionen Euro herabzusetzen.

Verzögerungen in Schottland belasten die Bilanz

Hauptgrund für die Korrektur sind erhebliche Verschiebungen bei zwei schottischen Windparkprojekten. Wie Energiekontor mitteilte, verzögert sich deren Netzanschluss um zwei Jahre auf das Jahr 2031. Zuvor war das Unternehmen von einer Inbetriebnahme im Jahr 2029 ausgegangen. Da die für das Jahr 2026 fest eingeplanten Verkaufserlöse aus diesen Projekten nun vollständig entfallen, bricht eine wesentliche Säule der kurzfristigen Finanzplanung weg.

Parallel zur Prognosesenkung legte der Konzern die Zahlen für das erste Halbjahr 2026 vor. Zwar konnte der Umsatz im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 31,4 Prozent auf 99,9 Millionen Euro gesteigert werden, doch rutschte das Konzernergebnis nach Steuern mit minus 5,3 Millionen Euro in die Verlustzone.

Im Vorjahr stand hier noch ein Gewinn von 24,1 Millionen Euro. Belastet wurde das Ergebnis vor allem durch hohe Materialkosten und gestiegene Zinsaufwendungen.

Kurssturz bringt die Aktie nahe an das Jahrestief

Der Kapitalmarkt reagierte mit deutlichen Abverkäufen auf die überraschende Nachricht. Die Aktie notiert aktuell bei 25,55 Euro und hat seit Jahresbeginn bereits 29 Prozent an Wert verloren. Damit bewegt sich das Papier nur knapp über dem 52-Wochen-Tief von 25,30 Euro, das am Montag vor einer Woche markiert wurde. Die technologische Lage bleibt angespannt, auch wenn das Unternehmen operativ an anderen Stellen Fortschritte meldet.

Analystenhäuser haben ihre Einschätzungen infolge der neuen Nachrichtenlage teils drastisch angepasst. Thorsten Reigber von der DZ Bank stufte die Aktie am vergangenen Montag von „Kaufen“ auf „Halten“ ab. Er halbierte den fairen Wert des Papiers von 59,00 Euro auf nur noch 27,00 Euro und begründete dies mit den massiven Projektverzögerungen.

Etwas optimistischer bleibt hingegen Dr. Karsten von Blumenthal von First Berlin Equity Research. Er bestätigte am vergangenen Dienstag seine Kaufempfehlung, senkte jedoch das Kursziel von 66,00 Euro auf 49,00 Euro. Neben der Gewinnwarnung verwies er auf ein erwartetes schwierigeres regulatorisches Umfeld durch das neue Netzpaket der Bundesregierung.

Operative Lichtblicke und neue Finanzierung

Trotz der Rückschläge treibt Energiekontor den Ausbau des eigenen Bestands voran. Kürzlich wurden der Windpark „Holtumer Moor“ sowie der repowerte Windpark „Oederquart“ in Betrieb genommen. Durch diese Neuzugänge wuchs der Eigenbestand des Unternehmens auf rund 455 Megawatt an.

Zur weiteren Steigerung der Energieerträge führt der Konzern zudem schrittweise ein intelligentes Steuerungssystem der ventodyne GmbH ein, einer Ausgründung der Technischen Universität München.

Um künftige Projekte im Bereich der erneuerbaren Energien abzusichern, hat der Vorstand die Emission einer neuen nachhaltigen Unternehmensanleihe angekündigt. Das Zielvolumen liegt bei 15 Millionen Euro. Zudem meldete das Unternehmen den erfolgreichen Finanzierungsschluss für ein Solarprojekt in Kolitzheim-Herlheim.

Der Baubeginn für die 11-Megawatt-Anlage ist bereits erfolgt, wobei die Inbetriebnahme für die erste Jahreshälfte 2027 geplant ist. Ob diese operativen Fortschritte ausreichen, um das Vertrauen der Anleger nach dem Prognoseschock kurzfristig zurückzugewinnen, bleibt die zentrale Frage für die kommenden Monate.

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