Ethereum, Testnetz

Ethereum: Testnetz sprengt Limit

Veröffentlicht am: 08.10.2026 um 23:08 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Sepolia testet höhere Blockkapazität, während Ethereum-Forscher über mögliche KI-Risiken für die Kryptografie diskutieren.

Ethereum-Testnetz Sepolia startet Glamsterdam mit fast 200 Millionen Gas
Dunkler Serverraum mit leuchtenden Glasfaserkabeln und unscharfen Server-Racks im Hintergrund. Illustration mit AI erstellt.

Ethereums Testnetz Sepolia hat am 6. Oktober das Glamsterdam-Upgrade aktiviert und produziert seitdem Blöcke mit einem Gaslimit von knapp 200 Millionen. Das ist mehr als das Dreifache dessen, was das Hauptnetz heute erlaubt. Parallel dazu sorgt eine Sicherheitsdebatte um Kryptografie und künstliche Intelligenz für Unruhe in der Branche.

Mehr Platz pro Block

Gas misst die Rechenarbeit im Netzwerk, das Gaslimit deckelt, wie viel davon in einen Block passt. Im Hauptnetz liegt die Grenze bei 60 Millionen. Das Fusaka-Upgrade machte diesen Wert am 3. Dezember 2025 zum Standard.

Die Blöcke nutzen den neuen Spielraum bislang kaum. Eine Stichprobe von 25 aufeinanderfolgenden Blöcken vom 8. Oktober zeigt eine Auslastung von etwa 24 bis 43 Prozent. Ein höheres Limit bedeutet also nicht dreimal so viele Transaktionen. Es schafft Reserve für Phasen hoher Nachfrage und kann Gebührenspitzen dämpfen.

Der Haken: Größere Blöcke belasten die Validatoren. Forscher der Ethereum Foundation hatten gewarnt, dass Limits oberhalb von 40 Millionen sich womöglich nicht wie vorgesehen im Netz verbreiten. Deshalb stieg der Wert bisher in kleinen Schritten.

Ein Termin für das Testnetz Hoodi steht noch aus. Auch ein Upgrade des Hauptnetzes ist nicht angesetzt, dort bleibt es vorerst bei 60 Millionen.

KI-Warnung spaltet die Branche

Zeitgleich beschäftigt ein anderes Thema die Szene. Ethereum-Forscher Justin Drake rief am Mittwoch dazu auf, sich auf einen „Bunker Mode" vorzubereiten.

Seine These: Fortschritte der KI in der Mathematik könnten gängige Verschlüsselung womöglich schon vor dem sogenannten Q-Day knacken, also vor dem Zeitpunkt, an dem Quantencomputer dazu in der Lage sind. Er empfahl, Gelder kontrolliert auf neue Adressen mit unveröffentlichten öffentlichen Schlüsseln zu verschieben.

Mitgründer Vitalik Buterin hält ein solches Szenario innerhalb von zwei Jahren für „plausibel". Er mahnt aber zur Ruhe: Niemand müsse jetzt hektisch Wallets wechseln. Fehlerhafte, überstürzte Migrationen hätten ihn mehr Geld gekostet als Hacks.

Die Reaktionen fallen gemischt aus. Coinbase-Kryptografiechef Yehuda Lindell sieht „keinerlei Beleg" für geschwächte Annahmen hinter der Elliptische-Kurven-Kryptografie und nennt die Aussagen unverantwortlich. Dragonfly-Partner Haeeb Qureshi spricht dagegen von einem „sehr nüchternen Weckruf". Der Analysehaus-Gründer Ananda Banerjee betont, dass bislang nichts darauf hindeutet, dass die Systeme tatsächlich gebrochen wurden.

Auslöser war offenbar, dass OpenAI am Dienstag hunderte mathematische Manuskripte eines internen Modells veröffentlichte. Drake sieht darin Beleg für eine „mathematische Superintelligenz".

Für Ethereum laufen damit zwei Linien nebeneinander: technische Skalierung über höhere Blockkapazität und eine Grundsatzdebatte über die Zukunftssicherheit der Kryptografie. Konkrete Maßnahmen zur Wallet-Migration hat bislang niemand beschlossen.

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