Evonik Aktie: Prognose auf 2,2 Milliarden angehoben
Veröffentlicht am: 08.08.2026 um 13:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Spezialchemiekonzern Evonik blickt nach einem starken zweiten Quartal deutlich optimistischer auf das laufende Geschäftsjahr. Wie das Unternehmen am vergangenen Dienstag mitteilte, wurde die Prognose für das bereinigte EBITDA auf eine Spanne von 2,0 bis 2,2 Milliarden Euro angehoben. Zuvor war das Management von einem operativen Ergebnis zwischen 1,7 und 2,0 Milliarden Euro ausgegangen. Triebfeder für diese Entscheidung ist eine unerwartet kräftige Erholung in wichtigen Geschäftsbereichen, die sich bereits in den aktuellen Quartalszahlen widerspiegelt.
Operative Stärke im zweiten Quartal
In den Monaten April bis Juni verzeichnete Evonik ein bereinigtes EBITDA von 630 Millionen Euro, was einer Steigerung von 24 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum entspricht. Medienberichten zufolge lag dieser Wert deutlich über den Markterwartungen. Der Umsatz kletterte im gleichen Zeitraum um 11 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro. Dieses Wachstum resultiert zu gleichen Teilen aus gestiegenen Verkaufsmengen und einer verbesserten Preisgestaltung, die jeweils um 7 Prozent zulegten.
Besonders deutlich zeigte sich die Erholung beim bereinigten Ergebnis je Aktie, das sich von 0,34 Euro im Vorjahr auf nun 0,65 Euro nahezu verdoppelte. Auch die Cashflow-Situation hat sich signifikant verbessert: Der Free Cashflow drehte im zweiten Quartal mit 49 Millionen Euro ins Plus, nachdem im Vorjahreszeitraum noch ein Minus von 211 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Für das gesamte erste Halbjahr 2026 weist der Konzern nun einen Free Cashflow von 232 Millionen Euro aus.
Performance der Segmente und internationale Impulse
Ein wesentlicher Gewinntreiber war das Segment Advanced Technologies, das ein EBITDA von 333 Millionen Euro beisteuerte und eine operative Marge von 20,2 Prozent erreichte. Das Unternehmen profitierte hierbei unter anderem von Lieferengpässen asiatischer Wettbewerber, die durch Limitierungen in der Rohstoffversorgung gebremst wurden. Evonik wies jedoch darauf hin, dass dieser positive Sondereffekt in der zweiten Jahreshälfte nachlassen könnte, sobald sich der globale Schiffsverkehr nach einer Normalisierung der Lage an der Straße von Hormus stabilisiert.
Parallel zum Tagesgeschäft investiert der Konzern in die Modernisierung seiner internationalen Standorte. In Lafayette im US-Bundesstaat Indiana plant Evonik über die nächsten fünf Jahre Investitionen in Höhe von 100 Millionen US-Dollar, um Reaktoren und kritische Systeme auf den neuesten Stand zu bringen. Auch für den Bereich Animal Nutrition wird für das dritte Quartal ein anhaltend positives Momentum erwartet.
Strategischer Umbau und Stellenabbau bis 2029
Trotz der kurzfristig positiven Ergebnisentwicklung hält Evonik an seinem strikten Sparkurs und der langfristigen Umstrukturierung fest. Der Konzern wird sein globales Polyestergeschäft, das zuletzt einen Jahresumsatz von rund 150 Millionen Euro erzielte, aber seit Jahren nicht profitabel war, bis zum Jahr 2027 einstellen. Davon betroffen sind die Standorte Witten und Marl in Deutschland sowie Shanghai in China. Allein am Standort Witten, der komplett geschlossen werden soll, sind 266 Beschäftigte betroffen.
Dieser Schritt ist Teil einer größeren Restrukturierungswelle. Zwischen 2027 und 2029 plant das Unternehmen den Abbau von weltweit 3.200 Stellen, wovon 2.150 auf deutsche Standorte entfallen. Diese Maßnahmen ergänzen das bereits laufende Programm „Evonik Tailor Made“, in dessen Rahmen bis Ende dieses Jahres rund 2.800 Stellen wegfallen sollen. Ziel dieser Einschnitte ist eine dauerhafte Senkung der Kostenstrukturen und eine Fokussierung auf margenstarke Kernbereiche.
Kapitalmaßnahmen und Marktbewertung
Flankiert wird die Unternehmensentwicklung durch Bewegungen auf der Aktionärsseite. Die RAG-Stiftung, die rund 44 Prozent der Anteile an Evonik hält, begab im Juni eine neue Umtauschanleihe im Volumen von 375 Millionen Euro, die in bestehende Stammaktien gewandelt werden kann. Es ist bereits die vierte derartige Anleihe des Großaktionärs, womit die Stiftung ihre Finanzierungsstrategie rund um die Beteiligung fortsetzt.
An der Börse wird die Entwicklung des Konzerns derzeit positiv honoriert. Die Aktie konnte seit Jahresbeginn um 34,96 % zulegen und unterstreicht damit den Erholungskurs des Chemie-Sektors. Mit einem aktuellen Kursniveau von 18,03 Euro notiert das Papier nur noch knapp unter seinem 52-Wochen-Hoch von 18,23 Euro. Zudem untermauert der Abstand zum 50-Tage-Durchschnitt, über dem die Aktie derzeit mit 9,62 % notiert, den kurzfristigen Aufwärtstrend nach den starken Quartalszahlen.
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