Evonik Aktie: Prognose steigt auf 2,2 Milliarden Euro
Veröffentlicht am: 06.08.2026 um 02:27 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Der Spezialchemiekonzern Evonik hat seine Erwartungen für das laufende Geschäftsjahr nach einem operativ starken zweiten Quartal nach oben korrigiert. Während das Unternehmen von einer vorteilhaften Marktdynamik und Lieferengpässen bei der asiatischen Konkurrenz profitiert, treibt das Management gleichzeitig den tiefgreifenden Umbau der Konzernstruktur voran. Dies beinhaltet sowohl massive Personalkürzungen als auch strategische Investitionen in den US-amerikanischen Markt.
Sonderkonjunktur hebt operatives Ergebnis
Am Dienstag hob Evonik die Prognose für das bereinigte EBITDA im Gesamtjahr 2026 an. Der Konzern rechnet nun mit einer Spanne von 2,0 Milliarden Euro bis 2,2 Milliarden Euro, nachdem zuvor lediglich 1,7 Milliarden Euro bis 2,0 Milliarden Euro in Aussicht gestellt worden waren. Als wesentlicher Treiber für diese Entwicklung gilt eine Sonderkonjunktur, die durch Lieferprobleme asiatischer Wettbewerber ausgelöst wurde.
Die am selben Tag veröffentlichten finalen Zahlen für das zweite Quartal 2026 unterstreichen diesen Aufwärtstrend. Das bereinigte EBITDA stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 24 Prozent auf 630 Millionen Euro. Auch der Konzernumsatz legte um 11 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro zu. Eine deutliche Verbesserung verzeichnete das Unternehmen beim Free Cashflow, der mit 49 Millionen Euro wieder im positiven Bereich lag, nachdem im Vorjahr noch ein Minus von 211 Millionen Euro zu Buche gestanden hatte. Das Konzernergebnis sank hingegen um rund ein Drittel auf 84 Millionen Euro.
Effizienzprogramm sieht massiven Stellenabbau vor
Parallel zu den Geschäftszahlen konkretisierte das Unternehmen den Umfang seines Effizienzprogramms „Evonik Tailor Made“. Medienberichten zufolge bestätigte der Konzern gestern, dass bis Ende 2026 insgesamt 2.800 Stellen abgebaut werden sollen. In einer zweiten Phase zwischen 2027 und 2029 plant das Management eine weitere Reduktion um rund 3.200 Arbeitsplätze.
Trotz des Sparschubs investiert Evonik gezielt in die Modernisierung seiner Infrastruktur. Am Standort Mobile im US-Bundesstaat Alabama schloss der Konzern am 16. Juli die Rückwärtsintegration seines globalen MetAMINO-Produktionsnetzwerks ab. Durch die Inbetriebnahme der Methylmercaptan-Produktion will das Unternehmen seine Lieferketten für DL-Methionin stärken. Zudem fließen 100 Millionen US-Dollar in den Ausbau der US-Standorte für die Auftragsfertigung pharmazeutischer Wirkstoffe (Drug Substances).
Marktbeobachter reagieren gespalten
An der Börse wird die Entwicklung des Titels aufmerksam verfolgt. Die Aktie verzeichnet seit Jahresbeginn eine positive Entwicklung von 31,51 %. Mit einem aktuellen Kursniveau von 17,57 € am gestrigen Mittwoch notiert das Papier zudem mit einem Abstand von 15,96 % deutlich über dem gleitenden 200-Tage-Durchschnitt von 15,15 €.
Die Einschätzungen der Analysten gingen am Dienstag unmittelbar nach der Veröffentlichung der Quartalsdaten auseinander. Die Experten von Jefferies & Company Inc. bestätigten ihr Kursziel für Evonik bei 20,00 Euro. Demgegenüber steht die Bewertung der Analysten von JP Morgan Chase & Co., die ihre Einstufung auf einem Kursziel von 14,00 Euro beließen. Während die operative Dynamik im zweiten Quartal die Zuversicht einiger Beobachter stärkte, bleiben die langfristigen Auswirkungen der Restrukturierung und die Nachhaltigkeit der aktuellen Sonderkonjunktur Schwerpunkte der Marktbeurteilung. Die nächste detaillierte Übersicht zur Geschäftsentwicklung wird Evonik am 3. November mit der Quartalsmitteilung zum dritten Quartal 2026 vorlegen.
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