Ferrexpo Aktie: 100 Millionen Dollar bis Ende August
Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 11:37 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Drohnenangriff auf ein Frachtschiff im Schwarzen Meer bringt Ferrexpo an den Rand der Zahlungsunfähigkeit. Der Eisenerzpelletproduzent braucht dringend frisches Kapital. Das Unternehmen will mindestens 100 Millionen US-Dollar einsammeln, um seine Betriebsmittel zu sichern.
Die Zeit drängt. Nach internen Berechnungen reicht das verfügbare Barvermögen nur noch bis Ende August 2026.
Angriff auf hoher See legt Exportroute lahm
Auslöser der Krise war ein Angriff auf ein Schiff, das 55.000 Tonnen hochwertiger DR-Pellets von Ferrexpo transportierte. Eine Drohne traf den Frachter in ukrainischen Gewässern. Ein Besatzungsmitglied starb, die Struktur des Schiffs wurde beschädigt.
Das Schiff schwimmt zwar noch. Der Zustand der Ladung im Wert mehrerer Millionen Dollar ist aber weiterhin ungeklärt.
Reeder kündigten daraufhin reihenweise Vorabstornierungen von Fahrten an. Ferrexpo zieht daraus einen klaren Schluss: Die Route durchs Schwarze Meer bleibt auf absehbare Zeit blockiert. Rund 189.000 Tonnen Pellets sitzen dadurch fest, davon liegen 90.000 Tonnen bereits auf Halde. Das bindet Produktions- und Lieferkosten von schätzungsweise 20 Millionen US-Dollar.
Zusätzlicher Druck durch Ukraine-Bürokratie
Die blockierte Exportroute ist nicht das einzige Problem. In der Ukraine bleiben Mehrwertsteuer-Rückerstattungen weiter ausgesetzt. Dazu kommen komplexe Rechtsstreitigkeiten rund um das Poltava-Bergbau- und Aufbereitungswerk, das Kernstück des Konzerns.
Der Vorstand prüft derzeit mehrere operative und finanzielle Szenarien. Eine Warnung ließ das Management aber schon durchblicken: Scheitert die Kapitalerhöhung, drohe der Konzernbewertung erheblicher Schaden.
Poltava steht vor Zwangspause
Die Flaggschiff-Anlage in Poltava bereitet sich auf einen vorübergehenden Stopp vor. Die Pause soll im August 2026 beginnen und zwischen zehn und zwanzig Tagen dauern. Ferrexpo will damit Zeit gewinnen: Zeit, um auf Zahlungen für bereits verkaufte Ware zu warten, und Zeit, um die Barreserven zu schonen.
Der Plan, im zweiten Halbjahr 2026 stärker auf hochwertigere Produkte und höhere Exportmengen zu setzen, gerät damit ins Stocken. Aktuell läuft ohnehin nur eine einzige Pelletlinie im Werk.
Verkäufe als Notlösung
Um die Liquidität zu strecken, hat Ferrexpo bereits Vermögenswerte verkauft. Erst in diesem Jahr trennte sich der Konzern vom Umschlagschiff Iron Destiny. Über alternative Bahn- und Flussrouten liefert das Unternehmen weiterhin nach Europa und in den Nahen Osten – deutlich eingeschränkter als über den Seeweg, aber immerhin ein Ausweg.
Beim Thema Sicherheit betont Ferrexpo seine Bilanz: Vor dem jüngsten Vorfall verzeichnete der Konzern über fünf Jahre lang keinen einzigen tödlichen Arbeitsunfall. Der Fokus liegt nun aber vollständig auf einem Ziel: die 100 Millionen US-Dollar noch vor Ende August zusammenzubekommen.
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