Flex Aktie: Ausverkauf laut BofA übertrieben
Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 21:33 Uhr | Redaktion boerse-global.deBofA hält den jüngsten Ausverkauf bei Flex für übertrieben, senkt aber die Bewertung. Analyst Ruplu Bhattacharya hat heute das Kursziel von 180 auf 150 US-Dollar zurückgenommen und die Kaufempfehlung bestätigt. Damit bleibt das Haus vor den anstehenden Quartalszahlen optimistisch, berücksichtigt jedoch höhere Schulden und Vorzugsaktien stärker.
Niedrigeres Kursziel trotz Wachstumserwartungen
Die Botschaft ist zweigeteilt: BofA erwartet in den nächsten Jahren weiterhin starkes Umsatz- und Gewinnwachstum. Zugleich setzt das Analysehaus niedrigere Bewertungsmultiplikatoren an. Die Zielsenkung beruht damit auf einer vorsichtigeren Bewertung und bedeutet keine Abkehr von der positiven Geschäftseinschätzung.
Die Aktie gewinnt heute 8,1%. Das passt zur positiven Einschätzung nach dem mehrwöchigen Ausverkauf, nimmt den morgigen Ergebnissen aber nichts von ihrer Bedeutung.
Für Anleger ist die Unterscheidung wichtig: Ein bestätigtes Kaufvotum allein beseitigt die Bewertungsrisiken nicht. BofA traut Flex weiteres Wachstum zu, gesteht den erwarteten Gewinnen aber einen geringeren Bewertungsaufschlag zu als zuvor.
Abspaltung prägt die Bewertungsrechnung
Eine zentrale Rolle spielt die geplante Abspaltung des Bereichs Cloud and Power Infrastructure. Das Unternehmen soll Axiom Solutions International heißen. Die Trennung ist für das erste Kalenderquartal 2027 vorgesehen und bildet einen wesentlichen Bezugspunkt für die Bewertung der künftigen Unternehmensteile.
Für das Kalenderjahr 2028 prognostiziert BofA einen Pro-forma-Gewinn je Aktie von 5,94 US-Dollar für die Abspaltung und 2,76 US-Dollar für das verbleibende Flex-Geschäft.
Damit bewertet das Haus nicht nur den heutigen Konzern. Entscheidend ist auch, welche Ertragskraft die beiden Unternehmen nach der geplanten Trennung erreichen könnten. Die angesetzten Gewinne sind Prognosen und keine bereits erzielten Ergebnisse.
Insgesamt kalkuliert BofA mit einem Pro-forma-Gewinn von 8,70 US-Dollar je Aktie. Darauf setzt das Haus einen Bewertungsfaktor von 17 an, nach zuvor 19. Für die Abspaltung verwendet es weiterhin einen höheren Multiplikator als für das verbleibende Geschäft.
Quartalszahlen liefern den nächsten Prüfstein
Der nächste Prüfstein folgt am 28.10.2026 vor Börsenöffnung. Dann soll Flex die Zahlen für das zweite Quartal des Geschäftsjahres 2027 veröffentlichen.
Im Mittelpunkt steht, ob die Ergebnisse und der Ausblick die Wachstumserwartungen stützen. Der Markt rechnet mit einem Umsatz von etwa 8,18 Milliarden US-Dollar und einem Gewinn je Aktie von ungefähr 1,05 US-Dollar.
Besonders wichtig wird dabei die Entwicklung des zur Abspaltung vorgesehenen Geschäfts. Dessen Wachstum und Auftragslage können Hinweise darauf geben, wie belastbar die längerfristigen Erwartungen sind.
Das Management erwartet für Cloud and Power Infrastructure ein Umsatzplus von 45–55% gegenüber dem Vorjahr. Mehr als 90% des erwarteten Geschäfts für die verbleibenden drei Quartale des Geschäftsjahres 2027 seien bereits gebucht.
Die hohe Buchungsquote stützt die Planungssicherheit. Für die positive BofA-These kommt es nun darauf an, dass Flex diese Nachfrage in Ergebnisse umsetzt und den Wachstumskurs bestätigt. Die niedrigere Bewertung zeigt zugleich: Auch bei starkem Wachstum bleiben Finanzierung und Kapitalstruktur für den Aktienwert entscheidend.
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