Gilead Sciences Aktie: Verlust überdeckt starkes Wachstum
Veröffentlicht am: 04.08.2026 um 23:09 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Quartalsverlust von 8,45 Dollar je Aktie klingt zunächst nach einem handfesten Problem. Bei Gilead Sciences steckt dahinter aber vor allem eine Serie teurer Übernahmen — während das eigentliche Produktgeschäft kräftig zulegt. Wachstum und Bilanzverlust laufen bei den Kaliforniern derzeit in entgegengesetzte Richtungen.
HIV-Geschäft treibt den Umsatz
Der Gesamtumsatz stieg im zweiten Quartal um 10 Prozent auf 7,8 Milliarden Dollar und lag damit über den Erwartungen der Analysten. Das HIV-Portfolio bleibt der wichtigste Wachstumstreiber: Die Erlöse legten hier um 12 Prozent auf 5,7 Milliarden Dollar zu.
Biktarvy, weiterhin das umsatzstärkste Medikament im Portfolio, wuchs um 7 Prozent auf 3,8 Milliarden Dollar. Deutlich dynamischer entwickelte sich Descovy mit einem Plus von 48 Prozent auf 967 Millionen Dollar. Auch die neue PrEP-Injektion Yeztugo übertraf mit 232 Millionen Dollar Quartalsumsatz die Markterwartungen und stützt das Ziel von einer Milliarde Dollar Jahresumsatz.
Außerhalb des HIV-Geschäfts wuchs das Leberkrankheiten-Portfolio um 10 Prozent auf 877 Millionen Dollar. Trodelvy legte um 26 Prozent auf 457 Millionen Dollar zu. Schwächer lief es dagegen bei der Zelltherapie: Yescarta und Tecartus verloren zusammen 14 Prozent auf 417 Millionen Dollar, weil der Wettbewerb in diesem Segment zunimmt.
Übernahmen belasten die Bilanz massiv
Der ausgewiesene Verlust erklärt sich fast vollständig durch sogenannte Acquired-IPR&D-Aufwendungen in Höhe von 11,2 Milliarden Dollar. Sie entfallen auf die jüngsten Zukäufe: Arcellx, Tubulis und Ouro Medicines. Zusammen mit Steuereffekten summiert sich die Belastung auf 9,08 Dollar je Aktie.
Ohne diesen Sondereffekt sieht das Bild anders aus. Der operative Cashflow lag bei 3,6 Milliarden Dollar, aus dem Gilead rund eine Milliarde Dollar an Dividenden auszahlte und Aktien im Volumen von 355 Millionen Dollar zurückkaufte. Der Non-GAAP-Verlust von 6,75 Dollar je Aktie fiel zudem geringer aus als von Analysten befürchtet.
Prognose für Kerngeschäft angehoben
Für das laufende Jahr rechnet Gilead nun mit einem Gesamtproduktumsatz zwischen 30,1 und 30,4 Milliarden Dollar, etwas mehr als bisher in Aussicht gestellt. Deutlicher fällt die Anhebung beim Kerngeschäft ohne das COVID-Medikament Veklury aus: Hier erwartet der Konzern jetzt 29,8 bis 30,1 Milliarden Dollar.
Veklury selbst verliert dagegen weiter an Bedeutung. Der Umsatz brach im Quartal um 81 Prozent auf 23 Millionen Dollar ein, für das Gesamtjahr rechnet Gilead nur noch mit rund 300 Millionen Dollar — halb so viel wie zuvor angenommen. Grund sind spürbar weniger COVID-bedingte Krankenhauseinweisungen.
Auf der Pipeline-Seite lieferte Gilead ebenfalls Neuigkeiten. Positive Phase-3-Daten aus den ISLEND-Studien zur wöchentlichen HIV-Kombination aus Islatravir und Lenacapavir sowie eine beschleunigte FDA-Zulassung für Hepcludex bei Hepatitis D unterstreichen die Breite der Entwicklungspipeline. Ein Rückschlag bleibt die eingestellte EVOKE-03-Studie, in der Trodelvy in Kombination mit Keytruda bei fortgeschrittenem Lungenkrebs getestet wurde.
Für die kommenden Quartale bleibt entscheidend, ob sich die milliardenschweren Übernahmen von Arcellx, Tubulis und Ouro Medicines in neue Umsatzquellen übersetzen lassen — das operative Geschäft liefert dafür mit der zweistelligen Wachstumsrate im Kerngeschäft aktuell einen soliden Ausgangspunkt.
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