Gold, Allzeithoch

Gold: 27,5 Prozent unter Allzeithoch

Veröffentlicht am: 29.07.2026 um 18:17 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Geopolitische Spannungen treiben den Goldpreis, während die erwartete Fed-Entscheidung das Aufwärtspotenzial begrenzt.

Goldpreis im Spannungsfeld: Fed-Sitzung und Nahost-Konflikt
Ein glänzender Goldbarren auf einer dunklen Schieferplatte vor einem verschwommenen Hintergrund. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Elf Nächte in Folge greift das US-Militär Ziele im Iran an. Zeitgleich wartet die Fed-Sitzung mit einer möglichen Zinssignal-Wende auf. Gold steckt zwischen zwei starken Kräften fest — und der Kurs zeigt es.

Am Mittwoch notiert Spot-Gold bei rund 4.080 US-Dollar je Feinunze. Das sind 1,28 Prozent mehr als am Vortag. Die geopolitische Lage im Nahen Osten liefert dafür den Hauptgrund.

Nahost-Eskalation treibt die Nachfrage nach Sicherheit

Die USA setzen ihre Angriffe auf iranische Ziele fort. Ziel ist der Schutz der Straße von Hormus vor Bedrohungen des Schiffsverkehrs. Die US-Streitkräfte fingen zudem mehrere ballistische Raketen ab, die vom iranischen Staatsgebiet abgefeuert wurden.

Der Markt wertet das als klare Eskalationsstufe. Kelvin Wong von OANDA sieht Gold aktuell in einem Spannungsfeld: Auf der einen Seite treibt die geopolitische Unsicherheit den Preis. Auf der anderen Seite bremst die restriktive US-Geldpolitik das Edelmetall.

Trotz der Anspannung bleibt Gold weit von seinem Rekordhoch entfernt. Das im Januar erreichte Allzeithoch lag bei 5.626,80 US-Dollar. Aktuell fehlen dem Kurs rund 27,5 Prozent zu dieser Marke.

Fed-Entscheidung heute Abend im Fokus

Um 20:00 Uhr MESZ tagt der Offenmarktausschuss der US-Notenbank. Die Mehrheit der Marktteilnehmer erwartet ein Verharren des Leitzinses in der Spanne von 3,50 bis 3,75 Prozent. Laut CME FedWatch-Tool liegt die Wahrscheinlichkeit dafür bei etwa 70 Prozent.

Der jüngste ADP-Bericht liefert dafür Rückenwind. In den vergangenen vier Wochen entstanden im Schnitt nur 16.500 neue Stellen pro Woche — der vierte Rückgang in Folge. Diese Abkühlung am Arbeitsmarkt dämpft die Erwartung einer aggressiven Zinspolitik über den September hinaus.

Fed-Chef Kevin Warsh signalisiert dennoch wenig Toleranz für die aktuelle Inflation. Seine Rhetorik bleibt hart. Da Gold keine Zinsen abwirft, belasten hohe Realzinsen das Aufwärtspotenzial des Edelmetalls weiterhin.

Zentralbanken als Gegengewicht

Während private Anleger bei Gold-ETFs zuletzt eher verkauften, kaufen Notenbanken unbeirrt weiter. Die People's Bank of China baute ihre Reserven im Juni den 20. Monat in Folge aus. Sie hält nun offiziell rund 2.347 Tonnen.

Diese strukturellen Käufe wirken als Gegengewicht zu den Nettoabflüssen bei Gold-ETFs. Anleger zogen dort Kapital ab, weil festverzinsliche Wertpapiere zuletzt attraktivere Renditen boten.

Charttechnisch bleibt die Lage angespannt. RHB Research empfahl am Mittwoch, bestehende Short-Positionen zu halten, solange der Kurs unter 4.200 US-Dollar bleibt. Eine wichtige Unterstützung sieht das Haus bei 4.000 US-Dollar — ein Bruch dieser Marke könnte einen Test bei 3.850 US-Dollar auslösen.

Ein nachhaltiger Trendwechsel gilt laut RHB erst bei einem Ausbruch über 4.100 bis 4.200 US-Dollar als wahrscheinlich. Aktuell notiert Gold mit 4.080 US-Dollar bereits nah an dieser Zone. Die Entscheidung der Fed am heutigen Abend dürfte zeigen, in welche Richtung sich dieses enge Fenster auflöst.

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