Heidelberger, Druckmaschinen

Heidelberger Druckmaschinen: Drohnen statt Druck

Veröffentlicht am: 19.08.2026 um 20:58 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Heidelberger Druckmaschinen verzeichnet schwaches Quartal, hĂ€lt aber an Jahreszielen fest und forciert den Ausbau des RĂŒstungsgeschĂ€fts mit Drohnenabwehrsystemen.

Heidelbergs Wandel: Drohnenabwehr als neues Standbein trotz Umsatzminus
Eine technologische Drohne ĂŒber einer metallischen OberflĂ€che, die industrielle Innovation symbolisiert. Illustration mit AI erstellt.

Ein Umsatzminus von 13 Prozent, ein fast verdreifachter Quartalsverlust, ein Ebitda, das von 20 Millionen auf gerade einmal eine Million Euro einbricht — die Zahlen von Heidelberger Druckmaschinen lesen sich zunĂ€chst wie eine EnttĂ€uschung auf ganzer Linie.

Die Aktie reagierte entsprechend nervös und gab im Handelsverlauf zeitweise mehr als sechs Prozent nach. Trotzdem hĂ€lt der Vorstand an seinen Jahreszielen fest — und setzt dabei zunehmend auf ein GeschĂ€ft, das mit Druckmaschinen nichts mehr zu tun hat.

Schwaches Auftaktquartal, bestÀtigte Ziele

Im ersten GeschĂ€ftsquartal bis Ende Juni schrumpfte der Erlös auf 404 Millionen Euro. WĂ€hrend China, Großbritannien und Brasilien zulegten, brach das GeschĂ€ft in Europa, dem Nahen Osten und Afrika ein. Unter dem Strich stand ein Verlust von 32 Millionen Euro — deutlich mehr als im Vorjahresquartal.

Der Auftragseingang ging um knapp vier Prozent auf 537 Millionen Euro zurĂŒck, wobei ein ausgelaufenes Förderprogramm in Italien allein mit ĂŒber 60 Millionen Euro zu Buche schlug.

Positiver fĂ€llt der Blick auf den Auftragsbestand aus: Der stieg zum Ende Juni auf 762 Millionen Euro, nach 639 Millionen Euro zum GeschĂ€ftsjahresende im MĂ€rz. Warburg Research wertete das erste Quartal als erwartungsgemĂ€ĂŸ schwach — die Gewinne lĂ€gen sogar leicht ĂŒber den eigenen SchĂ€tzungen, der Umsatz aber darunter.

FĂŒr das laufende GeschĂ€ftsjahr rechnet der Vorstand mit einem stabilen Umsatz auf Vorjahresniveau, nach 2,29 Milliarden Euro im abgelaufenen Jahr. Die bereinigte Ebitda-Marge, zuletzt bei 6,6 Prozent, soll sich spĂŒrbar verbessern. Dabei sollen ein Sparprogramm und die Verlagerung von Produktion ins gĂŒnstigere Ausland helfen — etwa nach Nordmazedonien, wo die Lohnkosten laut Unternehmensangaben in etwa auf chinesischem Niveau liegen.

Der Vorstoß in die Drohnenabwehr

WĂ€hrend das klassische DruckgeschĂ€ft unter der Digitalisierung leidet, baut Heidelberg parallel neue Standbeine auf. Neben Ladeboxen fĂŒr Elektrofahrzeuge rĂŒckt nun die RĂŒstungssparte in den Fokus. Mit der neu gegrĂŒndeten HD Advanced Technologies GmbH will Konzernchef JĂŒrgen Otto eine eigenstĂ€ndige WachstumssĂ€ule etablieren.

Kern dieser Strategie ist das Joint Venture Onberg mit dem US-israelischen Unternehmen Ondas Autonomous Systems, das Systeme zur Drohnenabwehr entwickelt. Erst kĂŒrzlich unterzeichnete Onberg eine AbsichtserklĂ€rung fĂŒr ein weiteres Gemeinschaftsunternehmen mit dem ukrainischen Drohnenentwickler Skyeton.

Am Standort Brandenburg hat Heidelberg zudem ein VorfĂŒhrzentrum eröffnet, um Behörden, Betreiber kritischer Infrastruktur und StreitkrĂ€ften die eigene Systemkompetenz zu demonstrieren. Otto verwies auf ein gestiegenes Interesse an solchen Lösungen, insbesondere nach dem Vorfall in Leipzig, und forderte eine klare rechtliche Grundlage fĂŒr die Drohnenabwehr in Deutschland und Europa.

Die kommenden Quartale mĂŒssen zeigen, ob die neue RĂŒstungssparte schnell genug wĂ€chst, um die SchwĂ€che im KerngeschĂ€ft auszugleichen. Bis dahin bleibt der Ausblick des Unternehmens fĂŒr das GeschĂ€ftsjahr bis Ende MĂ€rz 2027 der zentrale Maßstab, an dem sich Investoren orientieren.

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