Hermes Aktie: Berenberg kappt Wachstumsprämie gegenüber LVMH
Veröffentlicht am: 26.10.2026 um 03:53 Uhr | Redaktion boerse-global.deHermès verliert einen Teil seines bisherigen Wachstumsbonus. Nach enttäuschenden Quartalszahlen stellte Berenberg am Donnerstag den historischen Wachstumsvorsprung gegenüber LVMH in wichtigen Regionen infrage und stufte die Aktie herab. Die Verkaufsreaktion auf die Geschäftszahlen setzte das Papier unter Druck: Am Freitag betrug die Tagesveränderung -2,7%.
Der Wachstumsaufschlag gerät unter Druck
Berenberg senkte die Empfehlung am Donnerstag von Kaufen auf Halten. Das Kursziel fiel von 1.850 auf 1.230 Euro. Als Gründe nannte das Analysehaus die Schwäche in China und den Verlust der historisch zweistelligen Wachstumsprämie gegenüber LVMH in wichtigen Regionen.
Damit geht die Kritik über eine einzelne verfehlte Umsatzerwartung hinaus. Im Mittelpunkt steht die Frage, wie stark sich Hermès beim Wachstum noch vom Wettbewerber abheben kann. Für Anleger ist das eine Bewertungsfrage: Ein besonderer Wachstumsvorsprung liefert ein Argument für einen Aufschlag. Wird dieser Vorsprung kleiner, verliert auch dieses Argument an Gewicht.
Die Herabstufung auf Halten ist dabei keine Verkaufsempfehlung. Sie signalisiert eine vorsichtigere Einschätzung des weiteren Potenzials. Das deutlich reduzierte Kursziel unterstreicht allerdings, wie stark Berenberg seine Erwartungen zurückgenommen hat.
Regionale und operative Schwächen
Laut Reuters stieg der Umsatz im dritten Quartal 2026 bei konstanten Wechselkursen um 4,3% auf 4,096 Milliarden Euro. Analysten hatten ein Wachstum von 5,2% erwartet.
Entscheidend ist dabei nicht allein die Abweichung von der Erwartung. Auch die Verteilung des Geschäfts erklärt die vorsichtigere Einschätzung: In Asien-Pazifik ohne Japan stagnierten die Umsätze. Bei Bekleidung und Accessoires gingen sie um 2% zurück.
Diese Entwicklung stützt Berenbergs Hinweis auf Schwächen in wichtigen Absatzregionen. Zugleich bleibt die Unterscheidung wichtig: Hermès meldete insgesamt weiterhin Wachstum. Die Enttäuschung betrifft dessen Tempo und die Frage, ob das Unternehmen seinen bisherigen Vorsprung halten kann.
Jahreszahlen als nächster Prüfstein
Für den 12. Februar 2027 hat Hermès die Veröffentlichung der Ergebnisse für das Geschäftsjahr 2026 angekündigt. Damit steht der nächste Termin fest, an dem Anleger die Geschäftsentwicklung umfassender beurteilen können.
Bis dahin prägt ein Spannungsfeld die Einordnung: Das Geschäft wächst weiter, während die jüngste Quartalsentwicklung die hohen Erwartungen nicht erfüllte. Für die Bewertung zählt deshalb weniger das Umsatzplus allein als dessen Qualität und regionale Breite. Genau dort setzt die vorsichtigere Einschätzung von Berenberg an.
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