Hsbc Aktie: Palantir sorgt für Ärger
Veröffentlicht am: 20.10.2026 um 13:42 Uhr | Redaktion boerse-global.deZwei Themen beschäftigen die britische Großbank gerade gleichzeitig: ein Streit um einen Islamic-Fonds und eine Warnung des eigenen Chefs vor zu viel Euphorie bei KI-Rechenzentren. Beide Fälle zeigen, wie stark der KI-Boom inzwischen in das Geschäft der Bank hineinreicht.
Pensionsfonds hinterfragen Palantir
HSBC Asset Management prüft, ob Palantir im Islamic Global Equity Index Fund bleiben soll. Das Produkt verwaltet rund 9 Milliarden Dollar. Auslöser sind Nachfragen großer britischer Betriebsrentensysteme: Nest, das staatlich unterstützte Programm, und People's Pension mit mehr als 7 Millionen Mitgliedern sprachen die Bank auf den Wert an.
Der Fonds bildet den S&P Global 1200 Shariah Select Index ab und kaufte im ersten Halbjahr Palantir-Aktien für 38,3 Millionen Dollar. Im März hatte HSBC den zugrunde liegenden Index gewechselt, zuvor folgte der Fonds dem Dow Jones Islamic Market Titans 100. Bei Nest waren rund 40.000 Mitglieder investiert, dort gingen einzelne Anfragen zu Palantir ein.
Kritik entzündet sich an Palantirs Verbindungen zum US-amerikanischen und israelischen Verteidigungssektor. Behörden in der Schweiz, Deutschland und Frankreich haben Palantir-Werkzeuge abgelehnt oder ersetzt. Ein Vorstandsmitglied des Islamic Finance Council UK berichtet von Anlegern, die sich empört über die Aufnahme äußerten.
HSBC erklärt, man nehme die Bedenken ernst und werde prüfen, ob der Ansatz die Erwartungen der Anleger erfüllt. Eine Entscheidung steht aus.
Elhedery mahnt zur Auswahl bei Rechenzentren
Konzernchef Georges Elhedery äußerte sich im Interview mit CNBC zur KI. Die Technologie sei ein "wichtiger Hebel", um alle Geschäftsbereiche der Bank neu zu denken. Bei der Infrastruktur dahinter rät er jedoch zur Selektion. Man müsse die Qualität der Mietverträge und die Preise der Kontrakte prüfen, sagte er. Nicht alle seien gleich tragfähig.
Das Thema ist für HSBC kein Randaspekt. Die Bank, mit Bilanzsumme von knapp 3 Billionen Dollar, finanziert Rechenzentren und betreibt sie zum Teil selbst. Laut McKinsey könnten die weltweiten Ausgaben dafür bis 2030 auf 7 Billionen Dollar steigen.
Die Finanzierung wird dabei zum Spannungsfeld. Anleiherenditen großer Volkswirtschaften erreichten 2026 Mehrjahrzehntehochs, während Tech-Konzerne massiv Schulden aufnehmen. JPMorgan schätzt, dass bis Ende des Jahrzehnts KI-bezogene Schulden von 4,1 Billionen Dollar entstehen.
Elhederys Worte klingen damit wie eine Selbstverpflichtung: Die Bank will vom KI-Boom profitieren, aber bei Kreditvergabe an Rechenzentren auf Vertragsqualität und Konditionen achten. Beim Palantir-Fall dürfte die Bank ihre Prüfung zeitnah abschließen müssen, denn der Druck der Pensionsschemata bleibt bestehen.
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