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IBM Aktie: 13 europäische Märkte für neue Bankplattform

Veröffentlicht am: 31.07.2026 um 22:59 Uhr | Redaktion boerse-global.de

IBM verkündet Partnerschaft mit Accenture und UniCredit für europäische Bankplattform. Die Aktie bleibt nach dem historischen Einbruch vom Juli angeschlagen, während eine US-Kanzlei mögliche Klagen prüft.

IBM schmiedet Banken-Allianz mit Accenture und UniCredit nach Kurssturz
Abstraktes, modernes Bürogebäude bei Sonnenuntergang als Symbol für Unternehmensberatung und digitale Transformation. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Zwei Wochen nach dem heftigsten Kursrutsch seiner jüngeren Geschichte meldet IBM eine neue strategische Allianz: Gemeinsam mit Accenture und der italienischen Großbank UniCredit kündigte der Konzern heute eine langfristige Zusammenarbeit für eine neue europäische Bankplattform an. Die Nachricht überlagert die anhaltende Debatte um die enttäuschenden Quartalszahlen vom Juli und die Klagevorbereitungen einer US-Kanzlei.

Accenture übernimmt Mehrheit am Bank-Joint-Venture

Im Kern der heutigen Ankündigung steht ein Rückzug: Accenture erwirbt die Mehrheitsbeteiligung an jenem Joint Venture, das bislang IBM gehörte und einen Großteil der IT-Infrastruktur von UniCredit betreibt. UniCredit selbst behält einen Minderheitsanteil. IBM bleibt jedoch als Technologielieferant im Boot und stellt modernisierte Plattformen rund um IBM Z, Software und Beratung bereit. Ziel des mehrjährigen Programms ist ein neues Betriebsmodell für Banktechnologie in 13 europäischen Märkten, das laut Mauro Macchi von Accenture EMEA vor allem die Beschleunigung von Cloud, Daten und Künstlicher Intelligenz vorantreiben soll. Der Abschluss steht noch unter dem Vorbehalt regulatorischer Genehmigungen, finanzielle Details wurden nicht offengelegt.

Der Kurs bleibt tief im Krisenmodus

Die Ankündigung ändert wenig an der grundsätzlichen Schwäche der Aktie. Im deutschen Handel notiert IBM aktuell bei 191,74 Euro und damit auf Monatssicht satte 23,72 Prozent tiefer als vor 30 Tagen. Immerhin liegt der Kurs noch 9,48 Prozent über dem 52-Wochen-Tief, das die Aktie erst kürzlich markiert hatte. Der Wertverlust der vergangenen Wochen erklärt sich vor allem aus einem einzigen Handelstag im Juli, der die Anlegerstimmung nachhaltig eingetrübt hat.

Am 14. Juli brach die IBM-Aktie im US-Handel um rund 25,2 Prozent ein, von 290,23 auf 217,07 Dollar – der größte Tagesverlust in der jüngeren Firmengeschichte. Auslöser waren die Zahlen zum zweiten Quartal: IBM senkte die Umsatzprognose für das laufende Jahr auf ein Wachstum von 4 bis 5 Prozent, nachdem das Management zuvor eine höhere Rate in Aussicht gestellt hatte. Verantwortlich waren vor allem eingebrochene Verkäufe der Mainframe-Reihe IBM Z, die um 42 Prozent zurückgingen, während der Softwareumsatz noch zulegte und die Infrastruktursparte insgesamt schrumpfte. Konzernchef Arvind Krishna räumte einen "Z-Shortfall" ein und bestätigte, dass zahlreiche große Geschäftsabschlüsse nicht wie geplant zustande gekommen waren. Nach eigenen Angaben konnte IBM binnen drei bis vier Wochen jedoch bereits rund ein Drittel der zunächst verschobenen Deals doch noch abschließen.

Anwaltskanzlei prüft Klage, Bewertung bleibt umstritten

Der Kursrutsch zieht juristische Konsequenzen nach sich. Die Kanzlei BFA Law untersucht mögliche Ansprüche wegen Wertpapierbetrugs und wirft IBM vor, Anleger über das Tempo neuer Geschäftsabschlüsse und die Aussichten der Z-Serie im Unklaren gelassen zu haben. Betroffene Investoren können sich der Untersuchung anschließen.

Auf der Bewertungsseite zeichnet sich ein gespaltenes Bild ab. Eine Discounted-Cashflow-Analyse von Simply Wall St taxiert den fairen Wert der Aktie auf 283 Dollar und sieht damit ein Aufwärtspotenzial von 21,7 Prozent gegenüber dem damaligen US-Kursniveau. Zugleich liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von 19,5 klar unter dem von den Analysten berechneten fairen KGV von 33,1 – ein Hinweis darauf, dass der Markt dem laufenden Gewinn misstraut, während der freie Cashflow der vergangenen zwölf Monate mit 13,1 Milliarden Dollar solide ausfiel.

Quantencomputing als langfristiges Zugpferd

Während das Kerngeschäft unter Druck steht, verweist Krishna auf das Quantencomputing als künftigen Wachstumstreiber. Er erwartet ab 2028/2029 einen messbaren Beitrag zu Umsatz und Gewinn und bis Ende der 2030er Jahre einen Wert von 1 Billion Dollar für diese Technologie. IBM investiert gemeinsam mit dem US-Handelsministerium jeweils rund 1 Milliarde Dollar in eine eigene Chip-Foundry für Quantenprozessoren. Erst kürzlich hatte der Konzern zudem die Boeing- und GM-Tochter HRL Laboratories übernommen, deren Verkabelungstechnik die Fehlerraten von Quantenchips um den Faktor zehn senken soll. Ob diese langfristige Wette die kurzfristige Skepsis der Anleger auffangen kann, bleibt angesichts der aktuellen Kursschwäche und der laufenden Anwaltsprüfung die zentrale Frage für die kommenden Quartale.

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