Intel Aktie: Speicher-Rückkehr mit ZAM bis 2027
Veröffentlicht am: 15.08.2026 um 05:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Intel steht vor einer tiefgreifenden strategischen Neuausrichtung. In einem Podcast am Donnerstag deutete CEO Lip-Bu Tan an, dass der Konzern eine Rückkehr in den Markt für Speicherchips anstrebt.
Diese Entscheidung markiert eine Kehrtwende, nachdem sich das Unternehmen in den vergangenen Jahren sukzessive aus mehreren Speichersparten zurückgezogen hatte. Getrieben wird dieser Schritt durch den anhaltenden Bedarf an spezialisierter Hardware für Anwendungen im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI).
Neue Architektur soll KI-Engpässe beheben
Technologisch fokussiert sich Intel auf innovative Ansätze, um den bis nach 2030 prognostizierten Speichermangel zu bewältigen. Im Zentrum stehen dabei die Projekte ZAM und XBM.
Bei ZAM handelt es sich um eine Form von gestapeltem DRAM, die Intel in einem Konsortium mit Partnern wie SoftBank, Saimemory und dem japanischen Forschungsinstitut RIKEN entwickelt. Erste Prototypen werden für das Jahr 2027 erwartet, während die Markteinführung für den Zeitraum zwischen 2029 und 2030 anvisiert wird.
Das zweite Großprojekt, XBM, setzt auf eine Architektur mit extrem hoher Bandbreite, die auf dem Verbindungsstandard UCIe basiert. Diese Technologie soll nach 2030 herkömmliche Zwischenlösungen in der Chip-Fertigung ersetzen.
Begleitet wird die Initiative von einer personellen Verstärkung an der Spitze: Seok-Hee Lee, der ehemalige Chef des Speicherriesen SK Hynix, wurde als Executive Vice President für die Bereiche Foundry und Advanced Packaging verpflichtet, um die Fertigungskompetenz des Konzerns auszubauen.
Rekord-Kapitalerhöhung finanziert Umbau zum Foundry-Riesen
Um diese ambitionierten Pläne sowie den Ausbau der eigenen Auftragsfertigung (Foundry) zu finanzieren, schloss Intel am vergangenen Montag eine massive Kapitalerhöhung ab.
Das Unternehmen sammelte dabei rund 20 Milliarden US-Dollar ein – die erste derartige Aktienemission des Konzerns seit dem Jahr 1971. CEO Lip-Bu Tan unterstrich sein Vertrauen in die neue Strategie, indem er am Dienstag persönlich 105.263 Aktien zu einem Kurs von 95 US-Dollar pro Stück erwarb und damit rund 10 Millionen US-Dollar investierte.
Die jüngsten Geschäftszahlen stützen den Expansionskurs. Im zweiten Quartal 2026 steigerte Intel den Umsatz im Vergleich zum Vorjahr um gut 25 Prozent auf 16,13 Milliarden US-Dollar. Ein wesentlicher Treiber war das Geschäft mit Chips für Rechenzentren, das ein Wachstum von 59 Prozent verzeichnete. Der Gewinn pro Aktie lag mit 0,42 US-Dollar deutlich über dem Marktkonsens, der lediglich von 0,21 US-Dollar ausgegangen war.
Analysten sehen Fortschritte bei der Neuausrichtung
Die Analysten von GF Securities bewerten das Volumen der Kapitalerhöhung als positives Signal. Laut dem Analysten Jeff Pu deutet die erfolgreiche Finanzierung auf Fortschritte im Foundry-Geschäft und einen wachsenden Kundenstamm hin. Er vergibt eine Kaufempfehlung für die Aktie mit einem Kursziel von 136 US-Dollar.
Während einige Marktbeobachter die Verwässerung der bestehenden Anteile durch die Neuemission kritisch sehen, überwiegt bei vielen Experten die Hoffnung auf eine langfristige Margenverbesserung.
Parallel dazu profitiert Intel von einer unerwartet hohen Nachfrage nach älteren Prozessoren der Raptor-Lake-Serie. Laut Robert Hallock, einem Vizepräsidenten des Unternehmens, sorgt das hohe Preisniveau für modernen DDR5-Arbeitsspeicher dafür, dass viele Kunden weiterhin auf Plattformen setzen, die den älteren DDR4-Standard unterstützen. Intel arbeitet derzeit daran, das Angebot in diesem Segment zu verbessern, um den plötzlichen Nachfrageschub zu bedienen.
Gestern gab die Aktie im Handel um 2,4 Prozent nach und schloss bei 88,60 Euro. Trotz des jüngsten Rücksetzers verzeichnet der Wert seit Jahresbeginn ein Plus von 182 Prozent. Das Papier notiert aktuell rund 29 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch von 124,58 Euro.
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