Intel Aktie: TSMC entwickelt eigene EMIB-Version
Veröffentlicht am: 02.08.2026 um 20:29 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Intel-AktionĂ€re erleben dieser Tage zwei Geschichten gleichzeitig. Die eine handelt von einem technologischen Sieg: Ausgerechnet TSMC kopiert offenbar Intels Verpackungstechnik fĂŒr Chips. Die andere handelt von einem harten Kurssturz, der wenig mit dem eigentlichen GeschĂ€ft zu tun hat.
Der Kurs ist in den vergangenen 30 Tagen um rund 30 Prozent eingebrochen und liegt nun gut 20 Prozent unter seinem 50-Tage-Durchschnitt. Ein Zeichen, wie stark sich die Stimmung zuletzt gedreht hat.
TSMC kopiert Intels Verpackungstechnik
Laut einem Bericht von The Information vom 30. Juli entwickelt TSMC eine eigene Version von Intels Embedded Multi-die Interconnect Bridge, kurz EMIB. Zwei Personen mit direkter Kenntnis des Projekts bestÀtigten das dem Magazin. TSMC arbeite demnach mit dem Substrat-Hersteller Kinsus Interconnect Technology zusammen. Weder TSMC noch Kinsus haben das öffentlich bestÀtigt.
Marktbeobachter werten den Schritt als Anerkennung, dass Intels Wette auf die Verpackungstechnik aufgeht. Google hat sich verpflichtet, mehr als drei Millionen Einheiten von Intels EMIB-T-Technik fĂŒr seine kommende Tensor Processing Unit zu bestellen. Die Lieferung ist fĂŒr 2028 geplant.
Nvidia prĂŒft die Technik parallel fĂŒr seinen Feynman-Prozessor, ein kĂŒnftiges Multi-Die-Design mit vier Chips. Im Juli erreichte Intels EMIB-T-Plattform eine Ausbeute von 98 Prozent â laut Lieferketten-Checks von KeyBanc Capital Markets auf Augenhöhe mit TSMCs CoWoS-Technik.
FĂŒr Intel ist das kein Grund zur Sorge, sagen Analysten. Verpackung macht nur etwa 10 bis 15 Prozent von TSMCs Umsatz aus. Intels EMIB zielt auf kostensensible KI-Chips fĂŒr Hyperscaler wie Google und AWS, wĂ€hrend CoWoS das Hochleistungssegment fĂŒr GPU-Training dominiert.
TSMCs CoWoS-KapazitĂ€t bleibt trotzdem knapp. Nomura Securities schĂ€tzt, dass sie bis 2027 auf zwei Millionen Wafer wĂ€chst, wovon Nvidia allein rund 55 Prozent verbraucht. Lieferzeiten fĂŒr CoWoS-L-Verpackungen erreichen inzwischen bis zu 78 Wochen.
Ein Hedgefonds erzwingt den Ausverkauf
Parallel zu den Verpackungs-Neuigkeiten sorgte ein ganz anderes Ereignis fĂŒr die eigentliche KursvolatilitĂ€t. Der Hedgefonds Situational Awareness, gegrĂŒndet vom frĂŒheren OpenAI-Forscher Leopold Aschenbrenner, musste nach schweren Verlusten bei KI-Aktien viele seiner Positionen auflösen. Die Prime Broker des Fonds drĂ€ngten auf frisches Kapital, um Margin-Anforderungen zu erfĂŒllen. Ken Griffins Citadel einigte sich schlieĂlich darauf, die börsennotierten Vermögenswerte des Fonds zu ĂŒbernehmen.
Auf dem Höhepunkt Anfang des Monats verwaltete der Fonds noch 45 Milliarden Dollar. Nachdem er gezwungen war, sĂ€mtliche gehebelten Aktienwetten abzustoĂen, schrumpfte das Volumen bis Donnerstag auf rund 10 Milliarden Dollar. Intel-Aktien zĂ€hlten zu den Positionen, die der Fonds dabei ĂŒber den Markt abstieĂ.
CNBC-Moderator Jim Cramer brachte den Kurssturz direkt mit der Fonds-Liquidation in Verbindung. Er behauptete, die Intel-Aktie sei kĂŒnstlich gedrĂŒckt und gehöre eigentlich auf 110 Dollar. Nach starken Quartalszahlen habe eine ungewöhnlich aggressive Verkaufswelle eingesetzt, die viele Marktteilnehmer zunĂ€chst ratlos zurĂŒcklieĂ. Cramers eigenes Team blieb der Aktie treu: Der CNBC Investing Club kaufte wĂ€hrend des Ausverkaufs zu und signalisierte, bei anhaltendem Druck weiter aufzustocken.
Trotz der jĂŒngsten Talfahrt bleibt die lĂ€ngerfristige Bilanz beeindruckend. Seit Jahresbeginn steht die Aktie noch immer 149,75 Prozent im Plus.
Ein Bilanztrick verzerrt das Bild
Die Zahlen zum zweiten Quartal lieferten zusĂ€tzlichen GesprĂ€chsstoff â allerdings aus einem ĂŒberraschenden Grund. Nach US-GAAP wies Intel einen Nettoverlust von 11 Milliarden Dollar aus, umgerechnet 2,16 Dollar je Aktie. Verantwortlich dafĂŒr war ein Bewertungsverlust von 12,5 Milliarden Dollar auf Aktien, die die US-Regierung im Rahmen des CHIPS-Act-Abkommens treuhĂ€nderisch hĂ€lt.
Operativ zeigt sich ein anderes Bild. Intel Foundry steigerte den Umsatz um 31 Prozent auf 5,8 Milliarden Dollar.
Die non-GAAP operative Marge lag bei 17,2 Prozent, verglichen mit minus 3,9 Prozent im Vorjahresquartal.
Der scharfe GAAP-Verlust ist im Kern eine Rechnungslegungs-Eigenheit, keine operative SchwĂ€che. Weil Intels Aktienkurs stark gestiegen ist, fiel die quartalsweise Neubewertung der Treuhand-Aktien besonders hoch aus. Sie ĂŒberstieg sogar Intels gesamtes operatives Ergebnis von 1,8 Milliarden Dollar. Das drehte ein eigentlich profitables Quartal in einen groĂen ausgewiesenen Verlust um.
Ein Wermutstropfen bleibt: Der externe Umsatz von Intel Foundry, also AuftrĂ€ge von Kunden auĂerhalb des eigenen Konzerns, liegt bei nur 293 Millionen Dollar. Das entspricht etwa 5 Prozent des Segmentumsatzes. Das Foundry-GeschĂ€ft schreibt weiterhin strukturell rote Zahlen.
Was diese Woche zÀhlt
Die Börsen bleiben ĂŒber das Wochenende geschlossen. Investoren werden beobachten, ob sich der Verkaufsdruck aus der Fonds-Liquidation weiter auflöst und damit eine technische Last von Intel und anderen KI-nahen Aktien nimmt.
AuĂerdem richtet sich der Blick auf weitere Details zu TSMCs VerpackungsplĂ€nen. Dazu stellt sich die Frage, wie schnell Intels externe Foundry-Kundenliste ĂŒber den Google-TPU-Auftrag hinaus wĂ€chst.
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