Lenovo Aktie: Server-Sparte verdoppelt sich
Veröffentlicht am: 13.08.2026 um 15:54 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Quartalsverlust von 609 Millionen US-Dollar und trotzdem ein Kurssprung von ĂŒber 20 Prozent â was zunĂ€chst widersprĂŒchlich klingt, ergibt bei genauerem Blick durchaus Sinn. Lenovo hat das operativ stĂ€rkste Quartal seiner Firmengeschichte hingelegt, und die Börse in Hongkong hat das honoriert.
Die Aktie schloss am Donnerstag bei 34,90 Hongkong-Dollar, ein Plus von 20,18 Prozent. Der Konzernumsatz kletterte im ersten Fiskalquartal 2026/27 um 43 Prozent auf 26,943 Milliarden US-Dollar â die höchste Quartalswachstumsrate der vergangenen fĂŒnf Jahre und ein Allzeithoch. Der bereinigte Nettogewinn stieg um 176 Prozent auf 1,075 Milliarden US-Dollar und knackte damit erstmals die Milliardenmarke.
Warum unter dem Strich trotzdem ein Verlust steht
Der ausgewiesene Nettoverlust von 609 Millionen US-Dollar hat wenig mit dem operativen GeschĂ€ft zu tun. Verantwortlich ist ein nicht zahlungswirksamer Fair-Value-Verlust von 1,7 Milliarden US-Dollar aus der Neubewertung von 2025 ausgegebenen Optionsscheinen, dazu kommen geringfĂŒgige Zinseffekte aus Wandelanleihen. Analysten hatten im Schnitt einen Gewinn von 589 Millionen US-Dollar erwartet â die Differenz erklĂ€rt sich fast vollstĂ€ndig durch diesen Buchhaltungseffekt.
CEO Yang Yuanqing zeigte sich trotzdem zuversichtlich und bekrĂ€ftigte das Ziel, im laufenden GeschĂ€ftsjahr einen Umsatz von 100 Milliarden US-Dollar zu erreichen â offenbar frĂŒher als ursprĂŒnglich in einem Zwei-Jahres-Plan vorgesehen. Langfristig peilt der Konzern 130 Milliarden US-Dollar Jahresumsatz bei einer Nettomarge ĂŒber 5 Prozent an.
Server-GeschÀft als eigentlicher Treiber
Den gröĂten Sprung machte die Infrastructure Solutions Group, die Server und Rechenzentrumstechnik bĂŒndelt. Der Umsatz verdoppelte sich nahezu mit einem Plus von 98 Prozent auf 8,5 Milliarden US-Dollar, der Betriebsgewinn erreichte mit 777 Millionen US-Dollar ein Allzeithoch bei einer operativen Marge von 9,1 Prozent. Die Auftragspipeline fĂŒr KI-Server wuchs binnen eines Quartals um 157 Prozent auf 54 Milliarden US-Dollar â Umsatz, der sich allerdings ĂŒber mehrere Quartale verteilen dĂŒrfte.
Der KI-bezogene Konzernumsatz insgesamt legte um 60 Prozent auf 9,3 Milliarden US-Dollar zu und macht mittlerweile 35 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Die klassische PC-Sparte wuchs trotz eines schrumpfenden Gesamtmarkts um 27 Prozent auf 17,1 Milliarden US-Dollar, Lenovo verteidigte seinen weltweiten Marktanteil von rund 25 Prozent und baute den Vorsprung zum nÀchsten Wettbewerber weiter aus.
FĂŒr die zweite JahreshĂ€lfte rechnet das Management mit einem RĂŒckgang der PC-StĂŒckzahlen um etwa 15 Prozent und einem Minus von rund 20 Prozent bei Smartphones. Höhere Durchschnittspreise und ein Trend zu teureren KI-fĂ€higen GerĂ€ten sollen diese Effekte auf Umsatzebene abfedern. Ob sich die milliardenschwere Serverpipeline tatsĂ€chlich im prognostizierten Tempo in Umsatz verwandelt, dĂŒrfte ĂŒber die kommenden Quartale der entscheidende PrĂŒfstein fĂŒr die weitere Kursentwicklung bleiben.
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