Lenzing, Aktie

Lenzing Aktie: 300 Millionen Euro Kapitalerhöhung

Veröffentlicht am: 03.08.2026 um 04:07 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lenzing fokussiert auf Vliesstoffe, reduziert Textilanteil und plant Kapitalerhöhung über 300 Mio. Euro. 2.000 Stellen fallen bis 2027.

Lenzing: Milliarden-Transformation mit Kapitalerhöhung und Stellenabbau
Abstrakte Darstellung einer modernen Industrieanlage mit dramatischer Beleuchtung zur Symbolisierung von Kapitalinvestitionen. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Der österreichische Faserkonzern Lenzing leitet eine tiefgreifende Neuausrichtung ein, um die Profitabilität zu steigern und die Bilanzstruktur zu stärken. Unter dem Leitmotiv „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ plant das Unternehmen, seine Abhängigkeit vom zyklischen Textilmarkt massiv zu reduzieren. Flankiert wird dieser Kurs von einer umfassenden Kapitalmaßnahme und einem drastischen Stellenabbau, der den Konzern bis Ende 2027 transformieren soll.

Strategiewechsel und Werksschließungen

Im Zentrum der neuen Mittelfriststrategie steht die Neugewichtung der Geschäftsbereiche. Wie CEO Georg Kasperkovitz gegenüber Reuters konkretisierte, soll der Umsatzanteil des schwankungsanfälligen Textilgeschäfts von derzeit 45 Prozent auf etwa 30 Prozent gesenkt werden. Im Gegenzug forciert Lenzing den Ausbau der Segmente Vliesstoffe (Nonwovens) und Zellstoff. Diese strategische Rotation geht mit harten Einschnitten in der Belegschaft einher: Bis Ende 2027 sollen weltweit rund 2.000 Stellen abgebaut werden.

Ein wesentlicher Teil dieser Maßnahmen betrifft das Werk in Heiligenkreuz, dessen Schließung bereits für Unruhe sorgt. Medienberichten vom Freitag zufolge fordern Arbeitnehmervertreter und Regionalpolitiker Nachbesserungen am geplanten Sozialplan sowie neue Verhandlungen zur Standortsicherung. Parallel dazu führen die Restrukturierungen und Wertminderungen auf langfristige Vermögenswerte in Höhe von bis zu 150 Millionen Euro zu erheblichen Belastungen im Konzernergebnis des laufenden Jahres. Hinzu kommen Restrukturierungsrückstellungen von schätzungsweise 40 Millionen Euro.

Finanzielle Absicherung durch Kapitalerhöhung

Um die Transformation finanziell zu unterlegen, bereitet Lenzing eine vollständig garantierte Bezugsrechtskapitalerhöhung mit einem Volumen von bis zu 300 Millionen Euro vor. Die Unterstützung der Kernaktionäre gilt dabei als gesichert. Die B&C Gruppe sowie der brasilianische Großaktionär Suzano S.A. haben sich im Rahmen eines Syndikatsvertrags bereits verpflichtet, pro-rata an der Kapitalmaßnahme teilzunehmen, was einem Volumen von rund 156,7 Millionen Euro entspricht. Zudem sichert die Oberbank AG eine Beteiligung von bis zu 11,6 Millionen Euro zu.

Jene Anteile, die nicht von bestehenden Aktionären übernommen werden, sind durch ein Bankenkonsortium abgesichert. Wie Medienberichten zu entnehmen ist, garantieren Institute wie BNP Paribas, UniCredit, die Commerzbank und die Erste Group die Zeichnung der verbleibenden Aktien. Die formelle Zustimmung der Aktionäre zu diesem Vorhaben soll auf einer außerordentlichen Hauptversammlung am 25. August eingeholt werden.

Geschäftszahlen und Marktreaktion

Trotz der laufenden Umbaumaßnahmen zeigten die am Montag vergangener Woche veröffentlichten vorläufigen Zahlen für das zweite Quartal 2026 eine operative Verbesserung. Während der Umsatz mit 652 Millionen Euro stabil blieb, stieg das EBITDA im Vergleich zum Vorjahreszeitraum von 112 Millionen auf 123 Millionen Euro. Die EBITDA-Marge verbesserte sich entsprechend auf 19 Prozent.

An der Wiener Börse legte die Lenzing-Aktie am Freitag um 1,08 Prozent zu und verabschiedete sich mit einem Schlusskurs von 23,40 Euro ins Wochenende. Mit einem Abstand von 21,34 Prozent zum 52-Wochen-Hoch bleibt das Papier jedoch ein Stück von seinem im Juni markierten Jahreshöchststand entfernt. Weitere Details zur finanziellen Lage und dem Fortschritt der Restrukturierung werden am kommenden Mittwoch erwartet, wenn Lenzing den vollständigen Halbjahresfinanzbericht veröffentlicht.

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