Lenzing, CEO

Lenzing: CEO kauft 502.000 Euro Aktien

Veröffentlicht am: 23.08.2026 um 12:55 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lenzing-Chef investiert rund 500.000 Euro in eigene Aktien, während Analysten das Kursziel senken. Entscheidung über Kapitalerhöhung steht bevor.

Lenzing-CEO kauft Aktien: Vertrauenssignal vor Kapitalerhöhung
Modernes, sonnendurchflutetes Büro mit Blick auf eine Skyline, das Stabilität und langfristige Investitionen symbolisiert. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Georg Kasperkovitz greift zu: Der Vorstandschef von Lenzing hat am Montag 18.180 Aktien des Faserherstellers zu je 27,63 Euro erworben, ein Gesamtvolumen von rund 502.000 Euro. Der Kauf fällt in eine Phase, in der Anleger auf die anstehende außerordentliche Hauptversammlung am 25. August blicken, bei der über die milliardenschwere Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten entschieden wird.

Der Insiderkauf des CEO sendet ein Signal des Vertrauens in die eigene Strategie – just an jenem Tag, an dem die Analysten von ODDO BHF ihr Kursziel deutlich kappten. Der Analyst Patrick Steiner senkte seine Zielmarke von 34 auf 20 Euro. Diese gegenläufigen Bewegungen zeigen, wie gespalten der Markt die Aussichten von Lenzing derzeit bewertet.

Zahlen zeigen Fortschritt trotz sinkendem Umsatz

Die Geschäftszahlen für das erste Halbjahr, die Anfang August veröffentlicht wurden, liefern Argumente für beide Lager. Das Nettoergebnis nach Steuern hat sich auf 35,6 Millionen Euro mehr als verdoppelt, verglichen mit 15,2 Millionen Euro im Vorjahreszeitraum. Der freie Cashflow verbesserte sich auf 45,8 Millionen Euro.

Gleichzeitig schrumpfte der Umsatz auf 1,27 Milliarden Euro von 1,34 Milliarden Euro im Vorjahr, und die EBITDA-Marge sank leicht auf 18,9 Prozent von 20,0 Prozent. Der Rückgang bei Umsatz und Marge relativiert den Gewinnsprung – ein Bild, das die unterschiedlichen Analysteneinschätzungen erklärt.

Restrukturierung und Kapitalerhöhung bleiben Kernthema

Im Hintergrund wirkt weiterhin die vor gut drei Wochen beschlossene Neuausrichtung nach. Der Vorstand hatte die Konsolidierung von Faserproduktionsstandorten beschlossen, verbunden mit dem Abbau von weltweit rund 2.000 Arbeitsplätzen bis Ende 2027. Die Standorte Heiligenkreuz und Grimsby sollen geschlossen und verkauft werden, ebenso der indonesische Standort PT South Pacific Viscose.

Diese Maßnahmen schlagen sich 2026 noch in der Bilanz nieder: Wertminderungen von bis zu 150 Millionen Euro belasten das Konzern-EBIT, Restrukturierungsrückstellungen von bis zu 40 Millionen Euro drücken zusätzlich auf das EBITDA. Mittelfristig strebt Lenzing unter dem Motto „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ eine EBITDA-Steigerung um 150 Millionen Euro und eine Marge von 20 bis 25 Prozent an.

Für die Finanzierung dieses Umbaus ist die Kapitalerhöhung von bis zu 300 Millionen Euro zentral, über die die Hauptversammlung am 25. August entscheidet.

Die Großaktionäre B&C-Gruppe und Suzano, die zusammen rund 52,25 Prozent des Grundkapitals halten, haben sich bereits unwiderruflich zu einer Investition von bis zu 156,7 Millionen Euro verpflichtet. Auch die Oberbank AG sichert mit 11,6 Millionen Euro ihren Anteil ab, während eine Bankengruppe alle nicht gezeichneten Aktien übernehmen wird.

Kurs zwischen Erholung und Unsicherheit

An der Börse spiegelt sich die Gemengelage in einer volatilen Kursentwicklung. Am Freitag schloss die Aktie bei 23,50 Euro, ein Plus von 1,7 Prozent auf Tagesbasis. Über die vergangenen 30 Tage steht dennoch ein Minus von 8,9 Prozent zu Buche, während der Titel seit Jahresbeginn mit 1,1 Prozent leicht im Plus liegt.

Vom 52-Wochen-Hoch bei 29,75 Euro, erreicht im Juni, trennen die Aktie derzeit 21 Prozent. Der Insiderkauf des CEO fällt damit in eine Phase, in der der Kurs deutlich unter seinen Jahreshochs notiert – ein Kontext, der dem Kaufsignal zusätzliches Gewicht verleiht. Die Entscheidung der Hauptversammlung Ende August dürfte zeigen, ob die Aktionäre die Wachstumsstrategie ebenso mittragen wie der eigene Vorstandschef.

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