Lenzing vor der Kapitalerhöhung: Wird die Wende gelingen?
Veröffentlicht am: 14.08.2026 um 03:33 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ausgangslage
Lenzing steckt mitten in einem Umbau, der in wenigen Tagen seine entscheidende Hürde nimmt. Am 25. August entscheidet eine außerordentliche Hauptversammlung über eine Kapitalerhöhung mit Bezugsrechten von bis zu 300 Millionen Euro.
Der Faserhersteller richtet sich mit der Strategie „Grow Nonwovens, Reset Textiles“ neu aus, fokussiert künftig stärker auf Vliesstoff-Anwendungen und zieht sich aus Teilen der klassischen Textilfaserproduktion zurück.
Das Werk Heiligenkreuz in Österreich soll bis Ende 2026 schließen, der Standort Grimsby in Großbritannien bis Ende 2027, dazu kommt ein Verkauf des indonesischen Standorts PT South Pacific Viscose. Konzernweit sollen bis Ende 2027 rund 2.000 Stellen wegfallen, davon etwa 600 in der Verwaltung.
Warum das jetzt zählt: Der Umbau kostet Substanz, bevor er Erträge bringt. Bis zu 150 Millionen Euro an nicht zahlungswirksamen Wertminderungen und bis zu 40 Millionen Euro an Restrukturierungsrückstellungen belasten das laufende Geschäftsjahr.
Gleichzeitig zeigt das Halbjahresergebnis, dass das operative Geschäft trotz sinkendem Umsatz bereits Fortschritte macht – das Ergebnis nach Steuern kletterte auf 35,6 Millionen Euro, mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Die Aktie hat diese Gemengelage zuletzt nicht honoriert: Der Kurs schloss am Donnerstag bei 23,10 Euro und liegt damit rund 22 Prozent unter seinem 52-Wochen-Hoch.
Die entscheidende Frage
Der zentrale Punkt für Anleger ist nicht die Strategie selbst, sondern ihre Finanzierung: Zieht das Bezugsrechts-Konsortium wirklich mit? Die Antwort darauf ist inzwischen weitgehend gegeben. Die Ankeraktionäre B&C Gruppe und Suzano, zusammen mit 52,25 Prozent am Grundkapital beteiligt, haben sich unwiderruflich verpflichtet, bis zu 156,7 Millionen Euro in die Kapitalerhöhung zu investieren.
Die Oberbank AG sicherte weitere bis zu 11,6 Millionen Euro zu. Nach Angaben der B&C Gruppe wurden die eigenen Bezugsrechte inzwischen voll ausgeübt, mit einer Investition von rund 209 Millionen Euro – die Mehrheitsposition von 52,25 Prozent bleibt damit erhalten.
Parallel dazu hat Lenzing ein Refinanzierungspaket über bis zu 300 Millionen Euro vereinbart und Laufzeiten bestehender Verbindlichkeiten bis 2030 verlängert. Damit ist die Kapitalstruktur weitgehend abgesichert – offen bleibt, wie der freie Streubesitz auf das Bezugsangebot reagiert und ob der Markt den Turnaround-Kurs mittelfristig goutiert.
Bullisches Szenario
Gelingt der Umbau wie geplant, verschiebt sich das Geschäftsmodell in Richtung margenstärkerer Vliesstoff-Anwendungen, während Verlustbringer wie Heiligenkreuz und Grimsby wegfallen. Lenzing selbst nennt als mittelfristiges Ziel eine EBITDA-Steigerung von 150 Millionen Euro, eine EBITDA-Marge von 20 bis 25 Prozent sowie einen Verschuldungsgrad unter dem 2,5-Fachen.
Die bereits verbesserte Profitabilität im zweiten Quartal gegenüber dem ersten liefert dafür einen ersten Hinweis. Ein Insiderkauf von COO Georg Kasperkovitz im Juni – 18.180 Aktien zu 27,63 Euro – signalisierte zudem Vertrauen des Managements in die eigene Bewertung, wenn auch zu einem deutlich höheren Kursniveau als heute.
Sollte sich zudem im Burgenland ein Investor für den Heiligenkreuzer Standort finden – Landeshauptmann Hans Peter Doskozil hatte eine Übernahme durch das Land nicht ausgeschlossen –, könnte der Sozialplan-Druck auf Lenzing sinken.
Bärisches Szenario
Das Risiko liegt im Umsetzungstempo und in der Marktreaktion auf die Verwässerung. Eine Kapitalerhöhung mit Abschlag verwässert bestehende Anteile, und der jüngste Kursrückgang deutet darauf hin, dass der Markt diese Belastung bereits einpreist.
Der Umsatz sank im ersten Halbjahr um 5 Prozent, das EBITDA fiel ebenfalls unter Vorjahresniveau – die operative Wende ist also noch nicht in den Topline-Zahlen sichtbar, sondern zeigt sich bislang nur im Ergebnis nach Steuern.
Die angekündigten Werksschließungen sind zudem noch nicht vollständig vollzogen: Heiligenkreuz und Grimsby laufen erst schrittweise bis Ende 2026 beziehungsweise 2027 aus, und ein Investor für Heiligenkreuz ist bislang nicht gefunden, sondern lediglich als Option im Gespräch.
Bleibt die Nachfrage nach Bezugsrechten im Streubesitz schwach oder verzögert sich der Stellenabbau, drohen zusätzliche Restrukturierungskosten über die bereits kommunizierten 40 Millionen Euro hinaus.
Ausblick
Solange die Ankeraktionäre wie zugesagt zeichnen und die Refinanzierung wie vereinbart greift, bleibt der Kapitalbedarf gedeckt und der Umbau finanzierbar – die Kurserholung würde dann von der operativen Umsetzung der neuen Strategie abhängen.
Kippt hingegen die Zustimmung auf der Hauptversammlung oder verzögert sich die Werksschließung in Heiligenkreuz durch politischen oder gewerkschaftlichen Widerstand, dürfte der Markt die Unsicherheit weiter mit Kursabschlägen quittieren.
Der nächste konkrete Prüfstein ist die außerordentliche Hauptversammlung am 25. August, auf der Aktionäre über die Kapitalerhöhung abstimmen. Bis dahin dürfte die Aktie volatil bleiben – die 30-Tage-Volatilität von 48 Prozent unterstreicht, wie stark der Markt die Ausgangslage derzeit neu bewertet.
Lenzing-Aktie: Kaufen oder verkaufen?! Neue Lenzing-Analyse vom 14. August liefert die Antwort:
Die neusten Lenzing-Zahlen sprechen eine klare Sprache: Dringender Handlungsbedarf für Lenzing-Aktionäre. Lohnt sich ein Einstieg oder sollten Sie lieber verkaufen? In der aktuellen Gratis-Analyse vom 14. August erfahren Sie was jetzt zu tun ist.
Lenzing: Kaufen oder verkaufen? Hier weiterlesen...
