Lindt, Sprüngli

Lindt & Sprüngli Aktie: Nordamerika boomt, Europa bricht ein

Veröffentlicht am: 09.09.2026 um 05:21 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Lindt & Sprüngli steigert den Halbjahresumsatz trotz sinkender Mengen. Nordamerika wächst, während Europa und hohe Kakaokosten belasten.

Lindt & Sprüngli wächst in Übersee, Europa belastet die Aktie
Premium-Schokolade und Kakaostücke auf dunklem Marmor als Symbol für den globalen Luxusgütermarkt. Illustration mit AI erstellt.

Der Konzern hat im ersten Halbjahr 2026 ein zweigeteiltes Bild abgeliefert: Während das Geschäft in Nordamerika kräftig zulegte, schwächelte der Heimatmarkt Europa spürbar. Die Zahlen vom 21. Juli erklären, warum die Aktie seit Monaten unter Druck steht und die Kostensparmaßnahmen der vergangenen Woche nur folgerichtig wirken.

Zweistelliges Wachstum in Übersee, Rückgang in Europa

Konzernweit steigerte Lindt & Sprüngli den Umsatz im ersten Halbjahr 2026 organisch um 4,3 Prozent auf 2,33 Milliarden Franken. Der Betriebsgewinn lag bei 260,2 Millionen Franken, die EBIT-Marge bei 11,2 Prozent. Hinter diesen Zahlen verbirgt sich jedoch eine deutliche regionale Schere.

In Nordamerika wuchs der Umsatz organisch um 12,7 Prozent – Lindt und die Tochtermarke Ghirardelli profitierten dort vom anhaltenden Premiumtrend bei Schokolade. Auch der Rest der Welt legte kräftig zu, mit einem organischen Plus von 10,2 Prozent, getragen von starkem Geschäft in Australien, China und Japan.

Europa dagegen verzeichnete einen organischen Umsatzrückgang von 2,1 Prozent. Ein schwächeres Ostergeschäft, gedämpfte Konsumentenstimmung und rückläufige Touristenzahlen aus Asien und dem Mittleren Osten belasteten die Region. Da Europa traditionell das größte Standbein des Konzerns bildet, wiegt diese Schwäche im Konzernergebnis besonders schwer.

Preiserhöhungen treiben Umsatz, kosten aber Volumen

Der Umsatzanstieg im ersten Halbjahr beruhte fast ausschließlich auf höheren Preisen. Konzernweit erhöhte Lindt & Sprüngli die Preise um 11,8 Prozent, um die seit Ende 2023 stark gestiegenen Kakaokosten aufzufangen. Diese Preispolitik drückte jedoch auf die Absatzmengen: Volumen und Mix gingen um 7,5 Prozent zurück. Kunden griffen also seltener oder zu kleineren Mengen, während sie für das, was sie kauften, deutlich mehr bezahlten.

Das Management bestätigte trotz dieser Entwicklung den Jahresausblick für 2026 und kündigte gezielte Maßnahmen zur Stabilisierung der Volumina in der zweiten Jahreshälfte an.

Wie genau diese Stabilisierung gelingen soll, ließ die Mitteilung offen – die vor gut einer Woche bekannt gewordenen Kostensparmaßnahmen, von der Streichung des Skiwochenendes in Grindelwald bis zum Einstellungsstopp, deuten aber darauf hin, dass der Konzern eher an der Kostenseite als über neue Wachstumsimpulse gegensteuert. Betriebsbedingte Kündigungen sind nach Unternehmensangaben derzeit nicht geplant.

Kurs nahe Jahrestief, Rückkaufprogramm läuft weiter

Die Aktie hat auf die schwachen Halbjahreszahlen und die Kakaopreis-Problematik empfindlich reagiert. Der Titel notiert aktuell nur noch 3,2 Prozent über seinem 52-Wochen-Tief von 8.700,00 Euro und liegt zugleich rund 38 Prozent unter seinem Jahreshoch vom 22. Oktober 2025. Seit Jahresbeginn beträgt der Kursverlust 28 Prozent, was die Marktkapitalisierung auf 20,76 Milliarden Euro drückt.

Parallel zur schwachen Kursentwicklung läuft ein im Mai gestartetes Aktienrückkaufprogramm über eine Milliarde Franken weiter, das bis spätestens Ende April 2029 bis zu zehn Prozent des Kapitals einziehen kann.

Auf der Nachhaltigkeitsseite verweist der Konzern zudem darauf, seit 2026 den gesamten Kakao im eigenen Farming Program Rainforest-Alliance-zertifiziert zu beziehen – ein Argument, das angesichts der Kostenprobleme im operativen Geschäft derzeit jedoch kaum Kursfantasie entfaltet.

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