Lindt, Sprüngli

Lindt & Sprüngli Aktie: Tanner schließt Stellenabbau aus

Veröffentlicht am: 27.10.2026 um 06:28 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Tanner schließt einen breiten Personalabbau aus; Lindt will Absatz und Marktanteile steigern und prüft interne sowie externe CEO-Kandidaten.
Hochwertige Schokoladenproduktion in einer professionellen Manufaktur mit Fokus auf Stabilität und Handwerkskunst. Illustration mit AI erstellt.

Lindt & Sprüngli sucht nach dem Führungswechsel einen dauerhaften Konzernchef, hält aber an der Spitze des Verwaltungsrats an Kontinuität fest. Präsident Ernst Tanner weist Rücktrittsspekulationen zurück. Gruppenweite Entlassungen schließt er ebenfalls aus. Die Antwort auf die schwache Nachfrage soll stattdessen aus Preisdisziplin, Innovation und internationaler Expansion bestehen.

Tanner verteidigt seinen Verbleib

Tanner erklärte gegenüber der NZZ am Sonntag, er werde gehen, wenn der Verwaltungsrat keinen Mehrwert mehr in seiner Arbeit sehe. Sein Alter allein sei dafür kein Grund. Damit knüpft er seinen Verbleib ausdrücklich an den Nutzen für das Unternehmen und nicht an eine Altersgrenze.

Den frühen Abgang von CEO Adalbert Lechner begründet Tanner mit dem Wunsch nach Planungssicherheit. Lechner hätte innerhalb eines Jahres in den Ruhestand gehen sollen. Vorübergehend führt der frühere Konzernchef Dieter Weisskopf das Unternehmen. Für die dauerhafte Nachfolge prüft Lindt interne und externe Kandidaten.

Für Anleger stehen damit zwei unterschiedliche Personalentscheidungen nebeneinander: Im operativen Geschäft läuft die Suche nach einer neuen Führung, während Tanner einen altersbedingten Rückzug ablehnt. Die Neubesetzung des Chefpostens bleibt offen.

Wachstum statt breiter Stellenabbau

Einen gruppenweiten Personalabbau sieht Tanner nicht vor. Die Belegschaft von rund 15.000 Beschäftigten könnte nach seinen Aussagen in den kommenden Jahren sogar wachsen. Lindt setzt damit nicht auf einen umfassenden Stellenabbau als Antwort auf die Absatzprobleme.

Das Unternehmen will vielmehr Kunden zurückgewinnen und zugleich international expandieren. Tanner erwartet für Amerika und Fernost 2026 weiterhin ein Wachstum von 6–8 %. Die regionale Entwicklung fällt damit unterschiedlich aus: Besonders in Deutschland und der Schweiz haben die höheren Preise die Nachfrage belastet.

Diese Unterschiede sind für die Einordnung wichtig. Lindts Schwierigkeiten konzentrieren sich nach Tanners Aussagen nicht gleichermaßen auf alle Absatzregionen. Internationale Expansion und die Reparatur des Preisgefüges in belasteten Märkten sollen deshalb parallel laufen.

Preisdisziplin muss Kunden zurückbringen

Tanner räumt ein, dass Lindt die Reaktion der Verbraucher auf starke Preiserhöhungen unterschätzt hat. Produkte wurden vielen Kunden zu teuer. Händler setzen deshalb Rabatte ein, und Lindt hat bereits Preise einzelner Produkte gesenkt.

Weitere dauerhafte Preissenkungen hält Tanner für möglich, wenn sich die Kakaopreise normalisieren. Eine uneingeschränkte Zusage für flächendeckend niedrigere Preise ist das nicht. Zugleich verweist er auf die erhebliche Belastung durch den vorangegangenen Rohstoffpreisanstieg.

Für das kommende Jahr will Tanner Absatzvolumen und Marktanteile steigern. Daran lässt sich die angekündigte Strategie messen: Lindt muss Kunden zurückholen, während die Suche nach dem dauerhaften Konzernchef weiterläuft. Ein breiter Stellenabbau gehört nach Tanners Aussagen nicht zu diesem Kurs.

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