Mercer, International

Mercer International Aktie: 52-Wochen-Tief bei 0,3574 Euro

Veröffentlicht am: 22.08.2026 um 18:18 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Mercer International meldet Bedenken zur Fortführung des Geschäftsbetriebs. Schuldenfälligkeiten und Kreditklausel-Verstöße belasten die Liquidität des Zellstoffherstellers.

Mercer International: Fortbestand des Geschäftsbetriebs laut Medienberichten gefährdet
Moderne Industrieanlage in einem Waldgebiet bei Sonnenaufgang als Symbol für die Forstwirtschaft. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Die wirtschaftliche Zukunft von Mercer International steht unter verschärften Vorzeichen. Medienberichten zufolge hat das Unternehmen erhebliche Zweifel an seiner Fähigkeit geäußert, den Geschäftsbetrieb über die nächsten zwölf Monate hinaus fortzuführen.

Hintergrund für diese Warnung vor einer möglichen Bestandsgefährdung sind bevorstehende Fälligkeiten von Verbindlichkeiten sowie die Erwartung, vertraglich vereinbarte Kreditbedingungen künftig nicht mehr einhalten zu können. Das Papier beendete die Handelswoche gestern bei 0,3574 Euro.

Liquidität und Schulden im Fokus

Die Unternehmensführung bezeichnete die Offenlegung der Fortführungsprognose in einer Telefonkonferenz am 7. August primär als eine buchhalterische Konsequenz der aktuellen Verschuldungssituation. Es handle sich nicht zwangsläufig um die Erwartung, den Betrieb tatsächlich einstellen zu müssen.

Dennoch reagierte der Kapitalmarkt empfindlich auf die Unsicherheit bezüglich der Kapitalstruktur. Mit dem gestrigen Schlusskurs markierte der Wert ein neues 52-Wochen-Tief von 0,3574 Euro.

Um die Liquidität zu sichern, evaluiert das Management derzeit strategische Alternativen. Hierzu gehören laufende Gespräche mit Inhabern von Schuldverschreibungen über potenzielle Finanzierungstransaktionen.

Zum 30. Juni 2026 verfügte das Unternehmen über eine Gesamtliquidität von 191,7 Millionen US-Dollar. Davon entfielen 78,8 Millionen US-Dollar auf Barmittel, während 112,9 Millionen US-Dollar aus ungezogenen revolvierenden Kreditfazilitäten bestanden.

Operative Hürden in Deutschland

Zusätzlich zur finanziellen Anspannung belasten schwache operative Ergebnisse die Bilanz. Vor rund zwei Wochen wurde für das zweite Quartal 2026 ein Nettoverlust von 76,0 Millionen US-Dollar gemeldet, was einem Minus von 1,13 US-Dollar je Aktie entspricht. Im Vorjahreszeitraum lag der Verlust noch bei 86,1 Millionen US-Dollar. Das operative EBITDA war im Berichtszeitraum mit 21,0 Millionen US-Dollar negativ.

Besonders das Deutschland-Geschäft bereitet Schwierigkeiten. Das Unternehmen nannte historisch hohe Faserkosten sowie eine verzögerte Erholung der weltweiten Zellstoffpreise als entscheidende Faktoren für die schwache Performance. Als Reaktion darauf werden operative Anpassungen vorgenommen.

Dazu gehört ein Restrukturierungsplan für das Werk in Torgau sowie gezielte Produktionsdrosselungen in deutschen Fabriken, um auf die Rohstoffknappheit zu reagieren. Ein Kostensenkungsprogramm soll zudem bis Ende des laufenden Jahres seine volle Wirkung entfalten.

Strategische Maßnahmen und Ausblick

Neben den strukturellen Anpassungen stehen geplante Wartungsarbeiten an. Für den Standort Peace River wurde für den kommenden Herbst ein turnusmäßiger Stillstand angekündigt. Solche Maßnahmen belasten kurzfristig die Produktionskapazitäten, sind jedoch für den langfristigen Erhalt der Anlagen notwendig.

Trotz der eingeleiteten Schritte bleibt die Lage angespannt, da die Aktie seit Jahresbeginn um 79 Prozent eingebrochen ist. Die kommenden Verhandlungen mit den Gläubigern werden entscheidend dafür sein, ob Mercer International die notwendige Stabilität zurückgewinnen kann, um die drohenden Verstöße gegen Kreditklauseln abzuwenden und die fälligen Schulden termingerecht zu bedienen oder umzuschulden.

Eine Verbesserung der Marktlage bei Zellstoffprodukten könnte die Situation zusätzlich entlasten, bleibt jedoch von der globalen Nachfrageentwicklung abhängig.

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