Microsoft Aktie: Cloud-Sprung überzeugt
Veröffentlicht am: 30.07.2026 um 03:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Ein Kursverlust von fast einem Fünftel seit Jahresbeginn, dazu ein Technologiesektor im Ausverkauf-Modus — und dann das: Microsoft legt Zahlen vor, die selbst optimistische Analysten übertreffen. Die Aktie zog nachbörslich um bis zu drei Prozent an. Kein Wunder, dass Anleger nach Wochen der Nervosität aufatmen.
Im Geschäftsjahr 2025/26, das Ende Juni schloss, kletterte der Umsatz um 18 Prozent auf 332 Milliarden Dollar. Der Konzern verdiente operativ 155 Milliarden Dollar, ein Plus von rund einem Fünftel. Unter dem Strich blieb mit knapp 134 Milliarden Dollar fast ein Drittel mehr Gewinn übrig als im Vorjahr — einer der höchsten Jahresgewinne, die ein Unternehmen je erzielt hat.
Azure beschleunigt auf Rekordtempo
Im vierten Quartal stieg der Umsatz um 17,7 Prozent auf 90 Milliarden Dollar. Der Nettogewinn kletterte auf 35,77 Milliarden Dollar oder 4,81 Dollar je Aktie, nach 27,23 Milliarden Dollar im Vorjahresquartal. Getrieben wurde das Ergebnis auch von einem Buchgewinn aus der Beteiligung an der KI-Firma Anthropic sowie niedrigeren Kosten für das erste freiwillige Vorruhestandsprogramm des Konzerns.
Der eigentliche Treiber sitzt aber in der Cloud-Sparte. Azure wuchs währungsbereinigt um 43 Prozent — mehr als die von Analysten erwarteten 40 Prozent und der höchste Zuwachs seit 2022. Über das gesamte Geschäftsjahr knackte Azure erstmals die Marke von 100 Milliarden Dollar Umsatz. Damit liegt das Geschäft zwar noch hinter Amazon Web Services, hat aber Google Cloud von Alphabet überholt.
Die drei Segmente liefern ein einheitliches Bild aus Übertreffen der Erwartungen:
- Intelligent Cloud (Azure): 39,31 Milliarden Dollar Umsatz, plus 31,6 Prozent
- Productivity and Business Processes (Office, LinkedIn, Dynamics): 37,85 Milliarden Dollar, plus 14,3 Prozent
- More Personal Computing (Windows, Xbox, Surface): 12,85 Milliarden Dollar, minus 4,4 Prozent — aber ebenfalls über Konsens
Die vertraglich gesicherten, noch nicht realisierten Umsätze (Remaining Performance Obligations) wuchsen um 8 Prozent auf 678 Milliarden Dollar. Laut Unternehmensangaben kam der Zuwachs diesmal vor allem von Kunden außerhalb der KI-Modellentwickler.
OpenAI bleibt Klumpenrisiko
Ein Nebenaspekt der Zahlen dürfte in den Analystengesprächen Thema werden: Rund 45 Prozent der kommerziellen Auftragsbestände waren zuletzt an OpenAI gebunden. Deutsche-Bank-Analysten hatten vergangene Woche in einer Kaufempfehlung explizit auf dieses Konzentrationsrisiko hingewiesen, besonders angesichts aufstrebender Open-Source-Modelle. Positiv fiel dagegen die Entwicklung bei Copilot auf: Die Zahl der zahlenden Nutzer des KI-Assistenten für Microsoft 365 stieg von 20 Millionen im Juli auf über 30 Millionen.
Für die kommenden Jahre rechnen von Bloomberg befragte Analysten mit weiterem kräftigem Wachstum. Im Geschäftsjahr 2028/29 sollen Umsatz und Gewinn auf rund 550 Milliarden beziehungsweise 200 Milliarden Dollar steigen. Management-Kommentare zur aktuellen Prognose und zur Kapazitätsverteilung zwischen Cloud-Kunden und eigener KI-Forschung sollten sich aus der Analystenkonferenz ergeben, die am Mittwochabend um 17:30 Uhr Ostküstenzeit begann.
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