Multiconsult Aktie: Mehr Gewinn, weniger Vertrauen
Veröffentlicht am: 18.08.2026 um 09:42 Uhr | Redaktion boerse-global.de
Bessere Margen, ein mehr als verdoppelter Gewinn je Aktie â und trotzdem geht der Kurs runter. Bei Multiconsult klafft die Zahlenlage und die Marktreaktion auseinander, und das hat handfeste GrĂŒnde.
Der norwegische Ingenieurdienstleister meldete fĂŒr das zweite Quartal 2026 einen Umsatzanstieg von 7,8 Prozent auf 1.527,1 Millionen norwegische Kronen.
Der Gewinn je Aktie kletterte auf 3,23 Kronen, nach 1,45 Kronen im Vorjahresquartal. Die Aktie reagierte darauf mit einem RĂŒckgang von 2,78 Prozent auf 147 Dollar â nahe der unteren Grenze der Jahresspanne.
Warum die Zahlen den Markt nicht ĂŒberzeugen
Das eigentliche Problem liegt unter der OberflĂ€che. Von den 7,8 Prozent Umsatzwachstum stammt nur ein Bruchteil aus organischem GeschĂ€ft: 0,7 Prozent. Den Rest lieferten Ăbernahmen wie ViaNova und ein Kalendereffekt durch zwei zusĂ€tzliche Arbeitstage.
Hinzu kommt die Auslastung. Die Abrechnungsquote lag bei 71,6 Prozent, unter dem Vorjahreswert. Management-seitig heiĂt es, man arbeite an KapazitĂ€tsanpassungen â Personalabbau in Norwegen und der Architektursparte inklusive.
Der Orderbestand fiel derweil um 13,5 Prozent auf 3.952 Millionen Kronen. CFO Ove Haupberg ordnete das im Earnings Call ein: RahmenvertrĂ€ge, die inzwischen einen gröĂeren Teil des GeschĂ€fts ausmachen, tauchen erst nach Abruf im Backlog auf â nicht vorher. Nach seiner SchĂ€tzung könnte rechnerisch fast eine Milliarde Kronen zusĂ€tzlich im Backlog stehen, wĂŒrde man diese VertrĂ€ge einrechnen.
Neuer CEO, alte Baustellen
Karsten Warloe ĂŒbernahm zum 1. Juni die FĂŒhrung und zeigte sich in seinen ersten Monaten positiv ĂŒberrascht von der Kompetenz der Organisation im Bereich Digitalisierung und KI. Am strategischen Kurs will er festhalten: Verteidigung, Infrastruktur, Energie und Industrie bleiben die Wachstumstreiber, wĂ€hrend das Segment GebĂ€ude und Immobilien schwĂ€chelt.
Konkret verwies das Management auf mehr als vier Milliarden Kronen an RahmenvertrĂ€gen im Verteidigungsbereich sowie zwei schwedische KrankenhausauftrĂ€ge im Volumen von 80 und 130 Millionen Kronen. Das langfristige Margenziel von 10 Prozent EBITA bleibt bestehen â aktuell liegt die Marge bei 7,1 Prozent im Quartal und 8,6 Prozent im ersten Halbjahr.
Ein neuer BĂŒrocampus in SkĂžyen ist fĂŒr das FrĂŒhjahr 2028 geplant, gemeinsam mit den Tochtergesellschaften A-lab und LINK Arkitektur. Erwartete Kosteneinsparungen will das Unternehmen zu einem spĂ€teren Zeitpunkt beziffern.
Die nĂ€chsten Quartalszahlen legt Multiconsult am 3. November vor. Bis dahin dĂŒrfte sich zeigen, ob die eingeleiteten KapazitĂ€tsanpassungen die Abrechnungsquote tatsĂ€chlich anheben â und ob die milliardenschweren RahmenvertrĂ€ge im Verteidigungssektor endlich in konkrete UmsĂ€tze mĂŒnden.
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