NASDAQ 100: Einziger ohne Rekord
Veröffentlicht am: 05.08.2026 um 11:02 Uhr | Redaktion boerse-global.de
WĂ€hrend der Dow Jones und andere US-Indizes neue Allzeithochs markieren, bleibt der Nasdaq 100 an diesem Mittwoch der AusreiĂer. Der Grund liegt nicht in schwachen Unternehmenszahlen, sondern in einer diplomatischen Wette, die gerade zu kippen droht: MĂ€rkte preisen einen Deal zwischen den USA und dem Iran zur StraĂe von Hormus ein â dabei dementiert Teheran genau das energisch.
Der Iran droht inzwischen mit der BeschieĂung von Schiffen vor der KĂŒste Omans, sollte die StraĂe von Hormus betroffen sein. Trump selbst spricht plötzlich von den "nĂ€chsten 48 Stunden" statt von einem fertigen Abkommen. Die Forderungen aus Teheran ziehen an, was fĂŒr Washington kaum akzeptabel erscheint. Sollte sich diese vermeintliche Einigung als verfrĂŒht erweisen, dĂŒrfte das die aktuelle Risikofreude an den MĂ€rkten bremsen.
Technische Erholung trotz Unsicherheit
UnabhĂ€ngig von der geopolitischen Gemengelage hat der Index gestern charttechnisch ein bemerkenswertes Signal geliefert. Die Korrekturphase endete nicht in einer langwierigen Bodenbildung, sondern abrupt in einer dynamischen V-Formation. Die meisten Werte kommen aus einer tiefen Korrektur, viele Trend- und Schwungindikatoren gelten noch nicht als ĂŒberhitzt â Raum fĂŒr weitere Bewegung nach oben besteht damit technisch durchaus.
Gewinnblase statt Bewertungsblase
Parallel zur kurzfristigen Erholung mehren sich fundamentale Warnsignale. Goldman-Sachs-Stratege Peter Oppenheimer sieht im Technologiesektor keine klassische Bewertungsblase, wohl aber eine mögliche Gewinnblase â die Aktien wirken nicht ĂŒberteuert, aber die erwarteten Gewinne könnten zu optimistisch kalkuliert sein. Apollo-Chefökonom Torsten Slok geht noch weiter und erklĂ€rt das klassische 60/40-Portfolio aus Aktien und Anleihen fĂŒr gescheitert, sollte der KI-Handel nachlassen.
Wie nervös der Markt bereits reagiert, zeigte die vergangene Berichtssaison der Schwergewichte. Microsoft sprang nach starken Zahlen um 17 Prozent und gewann an einem Tag knapp 500 Milliarden Dollar an Börsenwert â die gröĂte Tagesbewegung seit der Finanzkrise 2008. Alphabet verlor trotz solider Zahlen rund 4 Prozent, Meta sogar knapp 10 Prozent. Die Botschaft: Starke Ergebnisse allein reichen den Anlegern nicht mehr, sie fragen zunehmend, wer die KI-Investitionen langfristig tragen kann.
Wie schnell das kippen kann, zeigte IBM Mitte Juli. Eine Umsatzverfehlung von lediglich 3,7 Prozent reichte, um die Aktie an einem Tag um 25 Prozent einbrechen zu lassen und rund 40 Milliarden Dollar Marktkapitalisierung zu vernichten.
FĂŒr den Nasdaq 100 zĂ€hlen in den kommenden Stunden zwei Dinge: ob Trumps angekĂŒndigtes 48-Stunden-Fenster tatsĂ€chlich einen belastbaren Ausgang zur Iran-Frage bringt, und ob die technische V-Erholung der vergangenen Handelstage trĂ€gt, sobald erste Gewinnmitnahmen einsetzen.
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