NASDAQ 100: KI-Blase-Sorgen belasten Chipwerte
Veröffentlicht am: 05.11.2026 um 15:24 Uhr | Redaktion boerse-global.deDie Wall Street dürfte am Donnerstag gespalten starten. Während der Dow Jones im Plus erwartet wird, droht dem NASDAQ 100 ein Minus von rund 0,8 Prozent. Ausgerechnet KI-nahe Halbleiterwerte geraten nach dem Wahlergebnis und schwachen Unternehmenszahlen unter Druck.
Regulierungsfurcht und schwache Ausblicke
Investoren verarbeiten weiterhin den deutlichen Sieg der Demokraten bei den US-Zwischenwahlen. Sie fürchten eine stärkere Regulierung Künstlicher Intelligenz, und das trifft vor allem Chipaktien.
Qualcomm sackte vorbörslich um etwa 10 Prozent ab. Der Smartphone-Chiphersteller legte einen eher schwachen Gewinnausblick vor und begründete ihn mit steigenden Kosten für Komponenten und Fertigung.
Arm Holdings verlor vorbörslich 6,7 Prozent. Das Umsatzziel für das laufende Quartal überzeugte nicht. Ein Händler sagte, der Konzern scheine die hohen Erwartungen an den Einstieg in KI-Rechenzentren noch nicht zu erfüllen.
Micron büßte 4,8 Prozent ein. Das Unternehmen soll seine Pläne für ein Speicherchip-Werk in Taiwan wegen eines drohenden langwierigen Tarifkonflikts vorerst auf Eis gelegt haben. Das wirft Fragen zu einem wichtigen Standort für KI-Komponenten auf.
Einen Lichtblick liefert AppLovin. Die Aktie legte vorbörslich um 23 Prozent zu, nachdem Quartalszahlen und Ausblick die Markterwartungen übertrafen.
Der Oktober wirkt nach
Die Nervosität hat eine Vorgeschichte. Der NASDAQ 100 beendete den Oktober mit dem größten Monatsverlust seit März 2025. Seither mehren sich die Warnungen vor einer KI-Blase. Citadel-Gründer Ken Griffin sprach von einer Blase "mit ziemlicher Sicherheit", und die Ökonomen der Bank of America zählen eine anhaltende Korrektur im KI-Handel zu den größeren Risiken für die Weltwirtschaft.
Eine Rechnung der Wharton-Professorin Jessica Wachter nährt die Skepsis. Alphabet, Microsoft, Amazon, Meta und Oracle investieren demnach bis 2027 knapp 1,1 Billionen Dollar in Rechenzentren. Damit sich das rechnet, müsste die Produktivität der Hyperscaler auf das 2,7-Fache steigen.
Brisant ist die Finanzierung. Nach Berechnungen von Morgan Stanley stemmen die Hyperscaler mehr als die Hälfte ihrer geplanten Ausgaben mit fremdem Kapital.
Strategen setzen auf Streuung
Die Rezepte der Profis fallen unterschiedlich aus. BCA Research setzt auf eine Hantelstrategie mit Übergewicht in Technologie und Gesundheitswerten, ergänzt um Absicherung über Put-Positionen. Wedbush-Stratege Paul Dietrich hält ein Ende der Blase vor 2027 für möglich und favorisiert Gold, Kupfer, Versorger und Dividendenwerte.
Franklin Templeton bleibt für US-Aktien konstruktiv und rät dazu, Rücksetzer in einem breit gestreuten Depot zum Nachkaufen zu nutzen. Chefmarktstratege Chris Galipeau erklärt die Rotation aus Tech so: "Die Gewinnlatte liegt hoch, sehr hoch."
Der Handelsstart am Donnerstag zeigt, ob die vorbörslichen Abschläge bei Qualcomm, Arm und Micron halten oder der Rückenwind durch AppLovin den Index stützt.
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