Nebius, Aktie

Nebius Aktie: 28-Prozent-Sprung auf 214,45 Euro

Veröffentlicht am: 12.08.2026 um 22:34 Uhr | Redaktion boerse-global.de

Nebius überzeugt mit starkem Umsatzplus und operativer Wende. Milliardenverträge und Kundenanzahlungen stützen die Wachstumsstory trotz Verwässerung.

Nebius-Aktie: Quartalszahlen übertreffen Erwartungen und treiben Kurs
Abstrakte Darstellung eines modernen Rechenzentrums mit leuchtenden Server-Racks als Symbol für technologisches Wachstum. Illustration mit AI erstellt übermittelt durch boerse-global.de

Heute schießt die Nebius-Aktie um 28 Prozent nach oben, auf 214,45 Euro. Für mich ist das die logische Reaktion auf ein Quartal, das fast jeden Kritikpunkt der vergangenen Wochen entkräftet – zumindest vorläufig.

Die Zahlen sprechen zunächst für sich: 582,3 Millionen Dollar Umsatz im zweiten Quartal, ein Plus von 454 Prozent gegenüber dem Vorjahr und deutlich über den Erwartungen von 569,89 Millionen Dollar. Wichtiger noch: Das adjustierte EBITDA drehte von minus 21 Millionen Dollar im Vorjahresquartal auf plus 236,2 Millionen Dollar, eine Marge von 41 Prozent.

Wer Nebius bislang als reine Wachstumsstory ohne Profitabilitätsperspektive abgetan hat, muss diese These nun überdenken. Der GAAP-Nettoverlust von 190,4 Millionen Dollar relativiert die Euphorie zwar – aber bei einem Unternehmen, das gerade seine Infrastruktur in Rekordtempo hochfährt, ist das für mich kein Alarmsignal, sondern der erwartbare Preis der Expansion.

Verträge, die Substanz zeigen

Was die Bullen-These für mich besonders stützt, sind die vier Großkundenverträge, die im zweiten Quartal abgeschlossen wurden – mit einem durchschnittlichen Gesamtvertragswert von jeweils über einer Milliarde Dollar.

Namen wie Reflection und Cohere, dazu ein US-amerikanisches KI-Labor und eine quantitative Handelsfirma, deuten darauf hin, dass Nebius nicht nur Kapazität verspricht, sondern sie tatsächlich verkauft.

Das Unternehmen hob zudem sein Ziel für kontrahierte Stromkapazität bis Jahresende auf 5 Gigawatt an, von zuvor über 4 Gigawatt, und plant ab 2027 den jährlichen Zubau von mehr als einem Gigawatt. Das ist eine Wachstumsambition, die zur Umsatzdynamik passt.

Ein Detail, das ich für unterschätzt halte: Nebius erwartet für 2026 über 9 Milliarden Dollar an Kundenvorauszahlungen. Rund 70 Prozent der Deals im zweiten Quartal enthielten Vorabfinanzierungen, die 50 bis 60 Prozent der zugehörigen Investitionsausgaben abdecken. Das nimmt dem Geschäftsmodell einen Teil des Kapitalrisikos, das Kritiker immer wieder anführen – die Kunden tragen einen erheblichen Teil der Bauinvestitionen vorab mit.

Die Kehrseite: Verwässerung und Kritik

Ganz ohne Schattenseiten kommt die Geschichte nicht aus. Nebius sammelte im zweiten Quartal 2,8 Milliarden Dollar Bruttoerlöse durch die Ausgabe von 12,7 Millionen Class-A-Aktien über ein Aktienprogramm am Markt, zu einem gewichteten Durchschnittspreis von 224 Dollar. Diese Kapitalaufnahme ist notwendig für das Wachstumstempo, verwässert aber bestehende Aktionäre – ein Punkt, den ich nicht kleinreden möchte.

Vor rund zwei Wochen hatte DA Davidson sein Kursziel wegen möglicher Bauverzögerungen am Standort Vineland in New Jersey auf 175 Dollar von zuvor 250 Dollar gesenkt, die Einstufung „Neutral" aber bestätigt.

Auch die Nachricht über eine von Michael Burry offengelegte Short-Position hatte den Kurs zuletzt belastet, begleitet von Sorgen über hohen Kapitalverbrauch und Bewertung. Diese Kritikpunkte sind nicht aus der Luft gegriffen – sie erklären, warum die Aktie trotz starker Zahlen zeitweise unter Druck geriet.

Der Kurs notiert nun 71 Prozent über seinem 200-Tage-Durchschnitt von 125,66 Euro – ein Abstand, der zeigt, wie stark sich die Stimmung binnen eines Jahres gedreht hat. Das ist für mich weniger ein Warnsignal als ein Beleg dafür, wie sehr sich die fundamentale Story seit dem Tiefpunkt verändert hat.

Mein Fazit

Unterm Strich überwiegen für mich die positiven Fakten: explosives Umsatzwachstum, ein Sprung in die operative Profitabilität, milliardenschwere Neuverträge und ein Vorauszahlungsmodell, das Risiken auf die Kunden verteilt.

Die Kritikpunkte – Verwässerung, Baurisiken, eine prominente Short-Position – sind real, aber sie wiegen für mich (noch) nicht schwerer als die operative Dynamik, die dieses Quartal offenbart hat. Nebius bleibt eine Wette auf anhaltend hohes Wachstum, doch die heutigen Zahlen liefern dafür ein deutlich solideres Fundament als noch vor wenigen Wochen.

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